Am Montag kam der Papst nach Jerusalem. Ich hatte mich vorher über sein Programm informiert und hatte vor, um 9:30 Uhr auf den Herzl-Berg zu gehen um ihn bei der Kranzniederlegung am Grab Theodor Herzls, dem Begründer des modernen Zionismus, zu sehen. Itai hatte mir am Abend zuvor erzählt, dass der Papst bei uns um die Ecke übernachten würde, da wir hier ja in einer ziemlich noblen Gegend und unweit des Regierungssitzes wohnen. Schon am Abend, als ich in einem kleinen Restaurant an der Aza-Street, der Hauptstraße hier etwas essen war, fuhren dutzende Polizeiwagen vorbei. Also stand ich am nächsten Tag extra früh auf, um rechtzeitig auf den weiter westlich gelegenen Herzl-Berg zu kommen. Als ich an der Bushaltestelle ankam, stellte ich allerdings fest, dass es schon zu spät war. Die Straße war komplett abgeriegelt, kein Auto, geschweige denn Bus fuhr mehr. Also beschloss ich, einfach dort zu warten und den Papst wenigstens vorbei fahren zu sehen. Ich postierte mich auf einer Bank vor jenem Restaurant, in dem ich am Abend vorher noch essen war und hielt ein Pläuschen mit einem Polizisten der dort rumstand und sichtlich gelangweilt war von seinem Job dort. Und ca. eine halbe Stunde später fuhr tatsächlich eine riesige Autokolonne vorbei. Und in einer dieser fetten, schwarzen Limousinen saß er -Franziskus! Ich hatte genau eine Sekunde lang einen Blick auf seinen Kopf durch das geöffnete Fenster. Wahnsinn! Extrem unspektakulär, aber hey, ich kann nun behaupten ihn live gesehen zu haben.
Nachdem der Spuk vorbei war und ich mich bei dem Polizisten beschwerte, dass er viel zu schnell vorbei gefahren sei, sagte er, dass die Delegation auch den gleichen Weg zurück fahren würde, in ca. einer Stunde. Also lief ich kurz nach Hause, schnappte mir ein Buch, um die Warterei zu verkürzen und setzte mich an die Bushaltestelle, um dort zu warten. Irgendwann setzte sich eine alte Dame neben mich, mit der ich kurz darauf ins Gespräch kam. Sie wartete nicht auf den Papst, sondern nur auf den Bus, der natürlich noch nicht fuhr. Ich fragte sie woher sie kommt und erfuhr, dass sie aus der ehemaligen Tschechoslowakei stammt, 1928 geboren ist und während des Krieges nach Theresienstadt deportiert wurde. Sie hat dort drei Brüder und ihren Vater verloren und kurz bevor sie weiter nach Auschwitz deportiert werden sollte, wurde das Lager von der roten Armee befreit. Es war unglaublich mit ihr zu reden. Vor allem so surreal, an einem so schönen, warmen Tag an einer Bushaltestelle zu sitzen und zufällig jemanden mit so einer Geschichte kennen zu lernen. Sie gab mir dann auch ihre Nummer und ihre Adresse, es stellte sich heraus, dass sie nur ein paar Häuser von mir entfernt wohnt, und lud mich ein sie einmal zu besuchen. Sie hat auch ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben, dass sie mir gerne geben würde. Allein schon wegen dieser Begegnung hatte sich das frühe Aufstehen gelohnt!
Nachdem der Spuk vorbei war und ich mich bei dem Polizisten beschwerte, dass er viel zu schnell vorbei gefahren sei, sagte er, dass die Delegation auch den gleichen Weg zurück fahren würde, in ca. einer Stunde. Also lief ich kurz nach Hause, schnappte mir ein Buch, um die Warterei zu verkürzen und setzte mich an die Bushaltestelle, um dort zu warten. Irgendwann setzte sich eine alte Dame neben mich, mit der ich kurz darauf ins Gespräch kam. Sie wartete nicht auf den Papst, sondern nur auf den Bus, der natürlich noch nicht fuhr. Ich fragte sie woher sie kommt und erfuhr, dass sie aus der ehemaligen Tschechoslowakei stammt, 1928 geboren ist und während des Krieges nach Theresienstadt deportiert wurde. Sie hat dort drei Brüder und ihren Vater verloren und kurz bevor sie weiter nach Auschwitz deportiert werden sollte, wurde das Lager von der roten Armee befreit. Es war unglaublich mit ihr zu reden. Vor allem so surreal, an einem so schönen, warmen Tag an einer Bushaltestelle zu sitzen und zufällig jemanden mit so einer Geschichte kennen zu lernen. Sie gab mir dann auch ihre Nummer und ihre Adresse, es stellte sich heraus, dass sie nur ein paar Häuser von mir entfernt wohnt, und lud mich ein sie einmal zu besuchen. Sie hat auch ein Buch über ihre Erlebnisse geschrieben, dass sie mir gerne geben würde. Allein schon wegen dieser Begegnung hatte sich das frühe Aufstehen gelohnt!
Und irgendwann kam dann auch tatsächlich der Auto-Korso vom Papst zurück. Nur war es diesmal sogar noch unspektakulärer, da das Autofenster geschlossen war und man daher rein gar niemanden mehr sehen konnte. Aber kaum, dass die Autos alle weg waren, wurden die Absperrbänder von der Straße entfernt und innerhalb von ein paar Sekunden rollte der Verkehr wieder als wäre nichts gewesen. Es war generell eine seltsame Atmosphäre auf der Straße dort. Ich schätze, dass außer mir vielleicht noch zwei oder drei andere Christen dort standen und auf Franziskus warteten. Insgesamt waren kaum mehr Menschen dort als gewöhnlich und die meisten Israelis warteten dort entweder auf den Bus oder waren einfach neugierig. Kein Vergleich natürlich zu Bethlehem, wo er einen Tag zuvor eine Messe gefeiert hatte und deutlich mehr Christen leben als in Jerusalem.
Ich verabschiedete mich von der Frau, Shoshana, mit dem Versprechen mich bei ihr zu melden und ging nach hause. Ein paar Stunden später hatte ich einen Meeting Point mit Shuki Borkovsky. Vorher wollte ich allerdings noch mein Portfolio auf den neuesten Stand bringen und musste daher ein paar Bilder einscannen. Ich hasse diese Computerarbeit, da irgendwas leider immer schief läuft und ich mit meinen begrenzten Kenntnissen in InDesign & Co. leider sehr schnell an den Rand der Verzweiflung gelange. Aber es klappte erstaunlich gut - zumindest bis es ans Abspeichern ging - aber ich will euch nicht langweilen. Ich konnte das Portfolio zumindest, wie ich es geplant hatte, an eine Professorin in Düsseldorf versenden um mich bei ihr für ein gastsemester zu bewerben. Nun heißt es wieder mal hoffen und warten.
Das treffen mit Shuki lief wieder mal erstaunlich gut, obwohl ich ein eher ungutes Gefühl im Vorfeld hatte, da ich ich keine meiner "Hausaufgaben", die er mir über die Pessach-Ferien aufgegeben hatte, erledigt hatte. Aber nichtsdestotrotz war es wieder ein sehr interessantes und erkenntnisreiches Gespräch!
Am Dienstag wie immer der Drawing-Kurs, der eigentlich umbenannt werden sollte in Art-history, da es seit Wochen so abläuft, dass unser Lehrer Arkadiusz uns Bilder auf dem Computer zeigt von Künstlern oder Epochen die ihn interessieren und sehr lange Monologe darüber hält. Eigentlich ist es recht interessant, nur leider ist es wie in den 10-Uhr-Vorlesungen an der Aka in Stuttgart, dass es mir einfach furchtbar schwer fällt dabei nicht einzuschlafen... Aber zu meiner Überraschung verkündete er uns später, dass wir nur noch insgesamt zwei Treffen hätten bis das Semester vorbei ist, bedingt durch Feiertage nächste Woche. Die Zeit verfliegt!
Am Abend traf ich mich mit den Mädels und Yuval, Evas Nicht-Freund bei Tamara zum Cocktail trinken. Da an diesem Tag der sogenannte Students-day war, gab es am Abend ein Festival und viele Konzerte in der Stadt. Ich hatte mir bewusst kein Ticket dafür gekauft, weil ich nicht so der Fan von Menschenaufläufen und Festivals bin, aber zum Vorglühen kam ich natürlich gerne. Wir trafen uns also bei Tamara, und leerten eine Flasche Rum, gemixt mit diversen Fruchtsäften und Minze. Danach war ich verständlicherweise so gut gelaunt, dass ich mich doch noch überreden ließ mit zu dem Festival zu kommen. Wir schafften es sogar mich ohne Karte auf das abgezäunte Parkgelände zu schleusen. Und es lohnte sich wirklich! Eine israelische HipHop-Band und ein scheinbar ziemlich bekannter, schon etwas älterer Gitarrist sorgten für eine wahnsinns Stimmung dort!
Gestern ging ich zum Markt um frisches Obst zu kaufen. Ja, ich KAUFTE tatsächlich einmal etwas dort. Kam mir auch ziemlich seltsam vor, da ich ja in den letzten Monaten hauptsächlich dort war um das auf dem Boden liegende Obst und Gemüse aufzuklauben, aber diesmal hatte ich einfach Lust auf frische, makellose Pfirsiche... Jedenfalls lief ich zufällig auf dem Nachhauseweg in eine Parade von sehr patriotischen Israelis. Ich hatte keine Ahnung was denn jetzt schon wieder gefeiert wurde und fragte eine junge Soldatin, die dort am Absperrzaun stand, was denn er Anlass sei: "Jerusalem-Day" - aha. Ich nahm mir also vor, zuhause danach zu recherchieren und sah dem Treiben auf der Straße noch eine Weile zu. Es war eine Stimmung als hätte das israelische Fußballteam gerade die WM gewonnen. Ein Fahnenmeer und überall tanzende und singende Menschen. Allerdings fiel mir auf, dass der Großteil ziemlich konservativ, bzw. religiös aussah, also Männer mit Kippas und viele Frauen mit langen Röcken und bedeckten Haaren. Ich fühlte mich irgendwie nicht sonderlich wohl dort und ging nach einigen Minuten nach Hause. Später fand ich heraus, dass der Jerusalem-Day an die Eroberung von Ost-Jerusalem nach dem Sechs-tage-Krieg 1967 erinnert. Also unter anderem die Rückeroberung der Klagemauer und dem Teil der Stadt, der von den Palästinensern regiert wurde. Es gibt scheinbar große Kontroversen um diesen Tag, der natürlich hauptsächlich von rechts eingestellten und Zionisten gefeiert wird. Es hatte scheinbar auch eine Demonstration von Palästinensern gegeben die, natürlich, schnell mit Polizeipferden und Granaten aufgelöst wurde. Es versteht wohl doch von selbst, dass dieser Tag für die palästinensische Bevölkerung eine reine Provokation bedeutet. Danach wurde mir wieder einmal klar, wie kompliziert dieses Land doch ist. Es gibt so viele verschiedene Gruppierungen auch innerhalb der verschiedenen Völker und Religionen - es ist wirklich kein Wunder, dass eine Lösung des Konflikts, bzw. der Konflikte nahezu aussichtslos erscheint. Dagegen erscheint mir Deutschland wie ein einheitliches und friedliches Land. Klar gibt es dort auch Probleme und Konflikte mit verschiedenen Gruppierungen, aber die sind verglichen mit der Situation doch eher unbedeutend...







































