Vom 12. bis zum 21. Mai war Caro hier zu Besuch. In dieser Zeit ist natürlich wahnsinnig viel passiert was ich unmöglich alles aufschreiben kann. Was aber sehr prägend war und bis heute ist, waren zwei Begegnungen mit dem männlichen Geschlecht, sowohl arabisch als auch jüdisch (genauer gesagt war es sogar ein Rabbi), die uns deutlich gemacht haben, dass Männer doch größtenteils mit etwas anderem als ihrem Kopf denken. Ich gehe jetzt nicht ins Detail, aber es gab ein paar Situationen in denen sie ihre Finger ruhig hätten bei sich lassen können.
Aber zur Zusammenfassung über Caros Aufenthalt hier ein kurzer Überblick:
Montagabend, bzw. nachts kam sie an. Da ich am nächsten Tag Kurs hatte, versuchten wir trotzdem früh schlafen zu gehen, was uns, da wir uns so lange nicht mehr gesehen und dementsprechend viel zu erzählen hatten, nicht besonders gut glückte. Wir hatten in dieser Nacht nur vier Stunden Schlaf.
Am Dienstag kam Caro mit mir in den Drawing-Kurs und danach gingen wir in die Altstadt, aßen Falafel und liefen durch die Altstadt - das Standardprogramm eben.
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Am Mittwoch ging Caro, während ich den etching-Kurs hatte, mit Itai in seine Brauerei und wir trafen uns später am Nachmittag um auf den Ölberg zu gehen und den Sonnenuntergang anzuschauen.
Donnerstags hatten wir eigentlich vorgehabt nach Tel Aviv zu fahren. Da Caro am Abend zuvor aber noch mit Itai in der Stadt feiern war (ich selber hatte eine Lust und telefonierte währenddessen einige Stunden mit meinem werten Herrn Freund), verschliefen wir den halben Tag und starteten erstmal mit einem ausgiebigen Pfannkuchenfrühstück. Ein typischer Rumgammeltag. Herrlich!
Am Freitag fuhren wir früh mit dem Zug nach Akko, einer kleinen Stadt direkt an der Mittelmeerküste bei Haifa. Dort machten wir eine jener Erfahrungen mit Männern, die für Caros Empfinden um einiges schlimmer war als für meins, was mir bewusst gemacht hat, wie unterschiedlich Menschen doch ein und die selbe Situation einschätzen und bewerten. Im Nachhinein betrachtet ist es extrem interessant, auch wenn Caro sich alles andere als wohl fühlte. Aber ich habe die Geschichte jetzt in den letzten Tagen so oft erzählt, dass ich einfach keine Lust mehr habe sie aufzuschreiben. Es gab Szenen die, wenn ich sie meinen Freunden hier erzählt habe, für sie heftig klangen, aber im Grunde genommen harmlos waren. Es kommt eben darauf an wie man den oder die Menschen mit denen man es zu tun hat einschätzt und welche Erfahrungen man vorher gemacht hat.
Nachdem wir in Akko übernachtet hatten, fuhren wir am Samstag mit dem Sherut nach Haifa. Dort saßen wir sehr lange in einem wunderschönen Restaurant und aßen hervorragendes Essen. Danach wollten wir eigentlich noch zum Strand gehen und dort bleiben bis die Busse nach Jerusalem wieder fuhren (es war ja Sabbat...) Allerdings erfuhren wir von der netten Bedienung, dass der Strand zwar quasi vor der Haustür lag, also wirklich nur ein paar Meter von dem Restaurant entfernt, aber der Zugang mit einem Zaun abgesperrt sei. Es gab öffentliche Strände, die aber einige Fahrminuten mit dem Bus entfernt lagen. Also entschieden wir uns dorthin zu fahren. Als wir an der Endstation ankamen, stellten wir fest, dass es sich dort auch um den Busbahnhof handelte und erfuhren zufällig, das der Bus nach Jerusalem von dort nur alle fünf Stunden abfuhr - der nächste schon in einer halben Stunde. Also vergaßen wir die Sache mit dem Strand und warteten auf den Bus. Dort trafen wir zufällig Andrew, einen Urlauber aus Tschechien - bereits zum dritten mal innerhalb von drei Tagen. Das Erste mal hatten wir ihn auf dem Ölberg kennen gelernt, das zweite mal auf der Straße in Akko getroffen und nun also dort auf dem Busbahnhof. Er war auf dem Weg nach Tel Aviv, da er am nächsten Tag zurück nach Hause flog. So warteten und fuhren wir letztendlich also zurück gen Süden.
Am Sonntag machten wir uns sehr früh auf den Weg zum Mount Scopus zur Akademie um die Ausstellung von den Exchange Students abzubauen, die eine Woche zuvor eröfnet worden war. Danach hatte ich ein "Photoshooting" mit Tamara. Sie half mir bei der Produktion einer Fotoserie für unser "concept-artwork" das wir in unserem drawing-course anfertigen sollten. Nachdem wir wieder zuhause waren spurtete ich gleich weiter in die German Colony, wo sich der Making-of-Jerusalem-Kurs diesmal traf.
Montags fuhren wir ans tote Meer, zuerst nach Masada, einer Ausgrabungsstädte und Weltkulturerbe auf einem Felsen in der Wüste und danach natürlich ins Wasser, dass durch die extreme Hitze schon fast unangenehm warm war. Abends gingen wir noch "kurz" in Itais Bar und versackten dort bis um drei Uhr morgens. Also wieder nur vier Stunden Schlaf für mich, Drawing-Kurs sei Dank...
Nach dem Kurs trafen wir uns mit Itai auf dem Markt um mit ihm in einem Restaurant, in dem eine Freundin von ihm arbeitet, Mittagessen zu gehen. Witzigerweise handelte es sich um genau das Restaurant, in dem Hanna und ich anfang April zufällig gelandet und von dem wir so begeistert waren. Eben jenes Restaurant, was übrigens auch laut Hanna in der Arte-Dokumentation "24 Stunden Jerusalem" erwähnt wird. Vielleicht weil es, wie Itai erklärte, das allererste Restaurant war, das auf dem Markt eröffnet wurde. Auf jeden Fall war es wieder köstlich und dank der Beziehungen meines Mitbewohners gab es auch ein paar Kostproben und Nachtisch for free. Um fünf Uhr in der Nacht wurde Caro dann vom Nesher-Taxi abgeholt und zum Flughafen gebracht - mit zehn Kilo mehr Gepäck als auf dem Hinflug!
Das war also mein letzter Besuch aus Deutschland und die Zeit rast dahin wie nichts. Ich kann kaum fassen, dass die fünf Monate schon fast vorbei sind. Und ich bin wieder in diesem Zwiespalt von wegen arbeiten, also zeichnen, oder doch lieber das Land erkunden. Wobei ich nach dieser ereignisreichen Woche schon wieder meine Ruhe während der Arbeit genieße.



























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