Ich bin im Moment in einer etwas seltsamen Stimmungslage, weshalb ich auch in letzter Zeit ziemlich faul war, was den Blog betraf. Nachdem Johannes abgereist war, wurde mir plötzlich klar, dass mir "nur noch" zwei Monate in Israel verbleiben. Und ich war nicht sicher, ob ich darüber traurig sein sollte, oder mich freuen, was mich ziemlich verwirrt hat. Und so geht es mir inzwischen die ganze Zeit hier. Immer wenn ich in meinem Zimmer sitze und zeichne, oder andere Dinge tue, kommt mir automatisch der Gedanke, ich sollte doch gefälligst raus gehen und die Stadt, bzw.das Land erkunden, bevor es zu spät ist. Also eigentlich genau das Gegenteil von dem wie es mir in Deutschland geht. Da ist es nämlich so, dass ich ein schlechtes Gewissen habe, wenn ich nicht in meinem Atelier sitze um zu arbeiten. Aber irgendwie reizt mich die Stadt hier kaum noch. Ich kenne mich inzwischen ziemlich gut aus und habe fast alles gesehen, was mich interessiert. Ich würde wahnsinnig gerne das Land und seine Natur erkunden. Nur leider ist das öffentliche Verkehrsnetz nicht sehr einladend. Es fahren nur Busse durch das Land und auf die ist ja bekanntlich kein Verlass. Ich habe keine Lust mir ein Auto zu mieten und alleine zu Trampen ist ja auch nicht sonderlich empfehlenswert. Ich weiß, das sind im Grunde nur billige Ausreden, weil ich doch letztendlich zu faul bin - oder auch im Zwiespalt. Denn ich habe tatsächlich auch den Ehrgeiz hier etwas Gutes abzuliefern und meinen Professoren sowie hier, als auch in Deutschland, etwas zu präsentieren. Bei meinem Tempo muss ich gezwungenermaßen lange zuhause rumsitzen und arbeiten. Und eigentlich habe ich auch keine Lust wie eine asiatische Touristengruppe einer Sehenswürdigkeit nach der anderen hinterher zu jagen. Es ist nur immer wieder sehr frustrierend die Fotos der anderen Exchange Students bei Facebook zu verfolgen und zu sehen wo sie schon überall waren und was sie schon alles erlebt haben. Andererseits habe ich, dank meiner unkommunikativen, oder auch unsozialen Art, wie auch immer man es nennen will, keine Lust mich einer Gruppe anzuschließen, nur der Bequemlichkeit willen. Aber ich will euch auch nicht langweilen mit meinen komischen Erklärungsversuchen, warum ich nicht ganz so aktiv bin wie man es von einem Austauschstudenten vielleicht erwartet. Ab morgen habe ich ja wieder Besuch und somit auch einen Grund und Motivation raus zu gehen!
Nun zu den letzten zwei Wochen. Sie waren geprägt von zwei Tagen der Trauer und einem Tag der Freude. Am Montag als Johannes zurück nach Deutschland flog war der Holocaust-Gedenktag, den ich ja wie schon erwähnt, größtenteils verschlief. Eine Woche später gab es den Gedenktag für die gefallen Soldaten. Am Abend vorher gab es um punkt acht Uhr die erste Sirene, die ich dank der späten Stunde, auch miterlebte. Allerdings war ich zuhause und konnte so nicht sehen wie die Menschen erstarrten. Aber die Sirene war an sich schon gruselig genug. Im Gegensatz zu der Sirene, die hier jeden Freitagabend ertönt, um den Sabbat einzuläuten, war diese nicht monoton, sondern klang so als würde die Luft vibrieren. Ich habe noch nie so einen seltsamen Ton gehört und wäre, hätte ich nicht gewusst, dass es sich um das Signal für die Andacht handelt, wahrscheinlich ziemlich erschrocken gewesen. Es klang fast schon wie etwas Außerirdisches. Sehr bizarr... Da ich in dieser Nacht wieder bis morgens durch arbeitete, verpasste ich dann natürlich auch wieder die zweite Sirene um 10 Uhr. Aber für all diejenigen die es interessiert, habe ich hier ein Video gefunden, dass jemand vor zwei Jahren am Holocaust-Gedenktag auf dem Markt aufgenommen hat:
Am Abend dieses Gedenktages war ich mal wieder bei Eva zu einem Essen auf ihrer Dachterrasse eingeladen, um in den Independence-Day, den Unabhängigkeitstag, rein zu feiern. Als ich mit ihr und ihrem Freund Yuval aufs Dach stieg, stellten wir allerdings fest, dass ihre Nachbarn die gleiche Idee hatten, und mit Grill und Lampen perfekt ausgestattet waren. Also setzten wir uns dazu und feierten zusammen. Von allen Seiten gab es zwischendurch Feuerwerk zu sehen und Musik zu hören. Es war eine echt schöne, ausgelassene Stimmung. Scheinbar hatte die Regierung absichtlich beschlossen, die Trauertage und den Tag der Freude so dicht zusammen zu legen. So wie es in der jüdischen Tradition üblich ist, liegen Trauer und Freude hier sehr nah beieinander. Die Israelis erklärten uns schon des Öfteren mit einem sarkastischen Unterton, dass es bei den zahlreichen Feiertagen im Grunde immer nur darum geht, dass das jüdische Volk beinahe vernichtet worden wäre, mal hier mal dort, dass es aber irgendwie immer geglückt sei dem knapp zu entkommen,
Wir saßen ewig auf dem Dach und redeten über Gott und die Welt, bis Eva uns mehr oder weniger rausschmiss, weil sie unbedingt mit uns tanzen gehen wollte, wozu die meisten Gäste, aufgrund der Kombination von billigem Wein und Arak (arabischer Schnaps) garnicht mehr in der Lage waren. Und so verabschiedete ich mich auch, nachdem nur noch Eva, Yuval und ich von unserer Gruppe übrig geblieben waren und ging nach Hause. Auf die Party mit den fahnenschwenkenden Teenies in der Stadt hatte ich dann doch keine Lust. Die Stimmung auf der Straße glich einem Sieg bei der Fußball-WM in Deutschland. Aber irgendwie hatte dieses Fest für mich, aufgrund der historischen Bedeutung, einen leicht bitteren Beigeschmack...
Am nächsten Tag, also dem eigentlichen Unabhängigkeitstag, war es Tradition, dass sämtliche Bewohner der Stadt sich in den Parks versammeln und ein Rudel-Grillen veranstalten. Wie Evas Freundin mir am Abend vorher erklärte, sei dieser Tag der "worst day for all israeli cows and chicken...". Und ich saß währenddessen mal wieder an meinem Schreibtisch und versuchte den Duft von gebratenem Fleisch auszublenden. Zwischendurch flogen immer wieder Flugzeuge so tief über das Haus, dass ich jedesmal dachte, jetzt beginnt doch noch der Krieg. Keine Ahnung was die da veranstaltet haben, da man nichts sehen konnte, nur eben hören. Vermutlich handelte es sich dabei auch um irgendeinen festlichen Akt, auch wenn es bei mir eher gegenteilige Assoziationen hervorrief...
Tja, das waren die "besonderen" Ereignisse der letzten Zeit. Ihr dürft nicht denken, dass ich wirklich nur zuhause sitze und nichts von dem Leben hier mitbekomme. So ist es nicht! Natürlich gehe ich zum Markt, mache Spaziergänge, gehe, seitdem die Pessach-Ferien wieder vorbei sind an die Akademie und treffe ab und zu Leute, aber das ist hier inzwischen so banal für mich geworden, dass ich es kaum erwähnenswert finde. Daher folgen nun einfach ein paar weitestgehend unkommentierte Fotos aus den letzten zwei Wochen
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