Freitag, 28. Februar 2014

Yad Vashem


Da ich gestern keinen Kurs hatte, machte ich mich am Nachmittag auf den Weg richtung Mount Herzl im Westen der Stadt, zum Holocaust-Museum Yad Vashem. Das erste was mir auffiel war, dass extrem viele Gruppen von Soldaten dort waren, die mit Reisebussen unterwegs einen Ausflug mit ihrem Kommandeur dorthin machten. Mein erster Weg führte mich zur Damentoilette, wo ich mich pötzlich in einer Gruppe von ca. 20 Soldatinnen wiederfand, die alle mindestens einen Kopf kleiner waren als ich. Es war bestimmt ein sehr bizarres Bild, wie ich dort als große, blonde Europäerin zwischen den kleinen, grün uniformierten, aber dennoch recht üppig geschminkten und auf ihr Äußeres bedachten Mädels stand.
Danach ging ich weiter in die Ausstellung. Die Architektur von Yad Vashem ist sehr beeindruckend. Die Holocaust-Ausstellung befindet sich in einem langen dreieckigen Gebäude, in dessen Mittelgang alle paar Meter Gräben zu sehen sind, in denen verschiedene Artefakte aus der Zeit der Shoa zu sehen sind, so dass es nicht möglich ist einfach diesen Gang zu durchschreiten. Stattdessen Muss man als Besucher quasi im Zickzack von Raum zu Raum gehen. Jeder Raum befasst sich mit verschiedenen Themenbereichen, die aber chronologisch angeordnet sind, so dass die Ausstellung mit der Machtergreifung beginnt und mit der Befreiung endet. Leider war es verboten dort drin zu fotografieren. Ich habe es aber geschafft ein paar Bilder zu machen, die ich euch nicht vorenthalten will.


Die Ausstellung war, wie ihr euch wahrscheinlich vorstellen könnt, sehr ergreifend. Und für mich persönlich war es eigenartig, dort als Deutsche durch zu gehen und die meisten der Plakate, Ausweise, Listen etc. im Original lesen zu können, da sie ja natürlich auf deutsch waren, während die meisten anderen Besucher eine Übersetzung brauchten oder ihren Audioguide als Übersetzer hatten. Zwischendurch sah man immer wieder zutiefst schockierte und auch teilweise weinende Leute. Und vor allem die Videointerviews von Überlebenden, die überall gezeigt wurden, waren am Rande des Erträglichen. Ob man will oder nicht, wenn man als Deutscher durch diese Räume läuft, ergreifen einen früher oder später doch Schuldgefühle.

 

Am Ende des Ganges ein Blick über die Stadt und den Jerusalem Forest
Nach der Ausstellung gelangt man auf ein Plateau mit verschiedenen Gebäuden. Es gibt dort ein Gebäude das Holocaust-Kunst zeigt, eine Synagoge, ein Auditorium, etc. Ich bin ein wenig durch den Garten geschlendert. Unter jedem Baum dort gab es eine Tafel mit den Namen von Menschen, die Juden während des zweiten Weltkriegs gerettet haben. Am Ende kam ich an einer Straße raus und traf auf dieses Bild

Ein deutscher Viehwaggon der ins Nichts führt
Ein paar Schritte weiter fand ich eine kleine Höhle, in der Menschen aus aller Welt Gedenksteine für ihre Familienmitglieder hingelegt oder in den Stein gefasst hatten.



Danach war es mir irgendwie zu viel. Ich werde wohl nochmal in der nächsten Zeit dorthin fahren. Ein Tag alleine reicht kaum um sich all die Videos und Bilder ausführlich anzuschauen. Auf dem Weg zurück zur Tramstation ergab sich dann noch dieses, zugegebenermaßen kitschige Bild eines Sonnenuntergangs



Wieder zuhause angekommen, rief mich plötzlich Tamara an, eine andere Austauschstudentin aus Schwäbisch-Gmünd, die mir erzählte, dass sie Carla gerade in der Tram getroffen hatte und sich mit ihr für den Abend zu einer Party verabredet hatte. Also machten wir ein Treffen bei ihr aus. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass Carla schon an diesem Abend von ihrem Trip vom Toten Meer zurück kommen wollte und war deshalb einigermaßen überrascht als sie ein paar Minuten später mit einem lauten "Huuhuuu Ines" an meinem Fenster vorbei lief. Also zogen wir wenig später los zu Tamara, die nur eine viertel Stunde zu Fuß von mir entfernt wohnt. Wie wir vor ein paar Tagen herausfanden, ist ihr Mitbewohner einer von Itais beiden Partnern in seiner Bar. Ich stelle fast jeden Tag aufs neue fest wie klein die Welt doch ist. 
Nachdem wir drei also eine Weile in Tamaras WG-Küche saßen und über Gott und die Welt redeten, zogen wir irgendwann weiter zu der Party einer Austauschstudentin aus Holland, die auf ihrer Dachterrasse einige Leute von der Bezalel Academy eingeladen hatte. Kaum dass wir dort angekommen warn, mussten wir allerdings gleich schon wieder gehen, da der Nachbar Stress machte und alle Anwesenden von dem Dach komplimentierte. Also zog die Gruppe von ca. 20 Leuten weiter richtung Stadtzentrum um in eine der vielen Bars zu gehen. Allerdings gestaltete sich diese Unternehmung als etwas schwierig, da die Bars alle recht klein sind und eine so große Gruppe nirgendwo hineinpasste. Also beschlossen Carla, Tamara und ich irgendwann, zurück nach Rehavia (meine "neighbourhood") und in Itais Bar zu gehen. Tamara selbst war noch nie dort und so lernte ich auf diese Weise auch gleich ihren Mitbewohner kennen, der an diesem Abend hinter dem Tresen stand. Nach einer Flasche von Itais "Herzl-Bier" und dem Wein bei Tamara, war ich relativ gut drauf und kam so gleich ins Gespräch mit einem Typen an der Bar namens Yoav. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass er ein wenig deutsch sprechen konnte, da seine Großeltern aus Litauen stammten und er mit ihnen immer Jiddisch gesprochen hatte, was ja ähnlich klingt wie ein deutscher Dialekt. Und ich habe festgestellt, dass mein Englisch um einiges lockerer und besser klingt wenn ich angetrunken bin... Gegen halb 3 sind wir dann nach Hause gegangen, da Carla am nächsten Tag einen Ausflug nach Ramallah machen wollte. 

Allerdings schliefen wir heute bis ca. 12 Uhr, sodass wir erst ziemlich spät von mir in Altstadt aufbrachen. Carla wollte mich noch zu einem Falafel einladen, und so liefen wir richtung arabisches Viertel zum Damaskustor. Auf dem Weg dorthin fiel uns auf, dass dort wahnsinnig viele Polizeipferde, Autos und Reporter unterwegs waren. Leider konnten die Jungs, die wir fragten, was denn dort los sei, so gut wie kein englisch. Also nahmen wir die Situation hin und aßen in Ruhe den besten und größten Falafel meines Lebens! Danach setzte sich Carla in ein Sherut richtung Ramallah und ich ging zurTram um noch einen Abstecher auf den Markt zu machen. Unterwegs las ich meine eMails auf dem Handy und stellte fest, dass die deutsche Botschaft in Tel Aviv, bei der ich mich vor meiner Abreise sicherheitshalber registriert hatte, eine Warnmeldung für die Jerusalemer Altstadt herausgegeben hatte. Scheinbar hat sich die Auseinandersetzung um den Tempelberg in den letzten Tagen verschärft, weswegen die Botschaft allen Deutschen davon abriet, sich an diesem Freitag dort aufzuhalten. Tja, zu spät! Aber ich hatte das Schlimmste wohl verpasst. Alles was ich mitbekommen hatte war, dass die Altstadt mal wieder gesperrt worden war. Außerdem warnte die Botschaft vor der Großdemonstration der Ultraorthodoxen, die hier am Sonntag stattfinden soll. Ich bin gespannt...

Auf dem Markt war, wie jeden Freitag kurz vorm Sabbat, ein riesiges Getümmel, was mir mal wieder die Möglichkeit gab, unauffällg das Obst und Gemüse vom Boden aufzuklauben. Im Vorbeigehen hörte ich einen Deutschen Touristen zu seinem Begleiter sagen "Ei, des hat 7 Shekle gekostet". Die Schwaben! Egal wo sie sind, hauptsache rumgeizen und den Israelischen Shekel zu einem "Shekle" umgestalten...

Jetzt sitze ich wieder zuhause und genieße, wie jeden Freitag, die Stille des Sabbats (wenn man von dem ewigen "miauuu" von Shula einmal absieht). Ich hatte keine Lust nach Ramallah mitzufahren, da ich noch etwas Ruhe tanken und zeichnen wollte, bevor am Sonntag der nächste Kurs stattfindet. Ausßerdem ist Freitags der Ruhetag der Muslime, weswegen vermutlich eh nicht so viel in Ramallah, einer Stadt im Palästinensergebiet, los sein wird. Morgen fahren Lisa, Fainan, Carla und ich in die Wüste. Ihr hört von mir!







Mittwoch, 26. Februar 2014

2. Woche im Studium

Am Montag hatte ich zum ersten Mal den Painting-Course, da er ja letzte Woche ausgefallen war. Ich hatte mich für diesen Kurs entschieden, weil ich einfach gerne etwas über verschiedene Maltechniken lernen wollte. Da Ich in Stuttgart immer die Arbeit im Atelier als oberste Priorität betrachtet habe, hatte ich es nie geschafft in die Malwerkstatt dort zu gehen. Also dachte ich mir, warum nicht hier, da ich in der Akademie ja eh kein eigenes Atelier habe, wo ich mich zurückziehen kann und keine Lust auf die anderen Kurse hatte. Nach ein paar Minuten der Einführung, wusste ich allerdings schnell, dass dies der falsche Kurs für mich ist. Der Kurs bestand mal wieder vorwiegend aus exchange students, die fast alle Malen als ihr Hauptfach im Studium angaben. Und als es dann darum ging, dass jeder der etwas dabei hatte seine Arbeit zeigen sollte, hatte ich noch weniger Lust den Kurs zu besuchen. Auch wenn es etwas abgehoben klingt, aber es wurde mal wieder bestätigt, dass in deutschen Kunstakademien einfach ein höheres Niveau verlangt wird als an den meisten ausländischen. Mit dieser "Kunst", die ich bei den Präsentationen in dem Kurs gesehen habe, wären die meisten schon bei der Mappenauswahl in Deutschland gescheitert. Als der Kursleiter dann auch noch anfing, eine ewig lange Liste von Dingen aufzuführen, die wir uns besorgen sollten, wie Pinsel, Ölfarben, Aquarellfarben, Leinwand, Papier, etc. verließ ich unter einem Vorwand den Saal und ging schnurstracks zu Ehnad, der unfreundlichsten Sekretärin der Welt, um mich aus dem Kurs auszutragen. Noch während der Einführung des Kursleiters hatte ich mir, Smartphone sei dank, nochmal die Liste mit Kursen angeschaut, die ich als Alternative nehmen könnte und entschied mich schließlich für einen weiteren meeting point. Zufälligerweise ging der Professor, für dessen meeting point ich mich entschieden hatte, noch während ich vor dem Sekretariat wartete, an mir vorbei, sodass ich ihn kurzerhand ansprach und fragte, ob ich mich noch in seine Liste eintragen könnte. Er war erst etwas verwirrt, aber letztendlich hat es Gott sei Dank geklappt! Wie sich inzwischen herausstellte, ist es tatsächlich so, dass ich von der Kunstakademie in Stuttgart aus im Grunde gar keine Kurse besuchen müsste, da ich dort keine credit points sammeln muss, jedenfalls nicht innerhalb dieses Semesters. Daher könnte ich mir diesen weiteren meeting point eigentlich auch sparen, aber ich werde das erste Treffen besuchen und danach entscheiden ob ich die weiteren 3 Male auch noch hingehe. Alle anderen exchange students sind ziemlich neidisch, weil ich die einzige bin, die keine Punkte sammeln muss. Ich kann gar nicht oft genug erwähnen wie sehr ich mein Studium in Stuttgart liebe!
Nach der Uni ging ich wie üblich über den Markt, und lief mit einer ungewöhnlich großen Ausbeute von dort nach Hause. Unterwegs fand ich noch ein ziemlich großes Buch, dass sich, laut Itai, um eine Enzyklopädie über den Buchstaben "L" handelt. Interessanterweise sind zwischen den hebräischen Texten immer mal wieder welche auf englisch und deutsch. Und kurz vor meiner Straße entdeckte ich dann noch einen Karton mit einer Tüte in der sich haufenweise Brötchen befanden. Vermutlich von dem Bäcker ein paar Schritte weiter aussortiert. Natürlich nahm ich diese dann auch mit und Carla und ich beschlossen am nächsten Tag Semmelknödel daraus zu machen.
Am Abend gingen wir dann auf ein Straßenfest, diesmal ziemlich weit außerhalb. Auf dem Weg zur Tram fuhr auf einmal eine riesige Autokolonne mit Blaulicht und Sirenen an uns vorbei und Carla fiel ein, dass Angela Merkel an diesem Tag nach Jerusalem gereist war. Hatte ich erwähnt, dass ich hier um die Ecke von Netanjahus Privatresidenz und der Knesset, also dem Parlament wohne? Itai sagte mir später, dass Netanjahu, den hier übriegens alle nur "Bibi" nennen, jeden Morgen, wenn er das kurze Stück von seinem Haus zur Knesset fährt, so ein Tamtam mit Polizeiaufgebot und Sirenen macht. Ach, und seine Frau soll jeden Monat Eiscreme im Wert von 200 Euro in dem Café bei mir um die Ecke kaufen. Verrückt!
Nachdem wir mit der Tram bis zur Endstation "Mount Herzl" gefahren waren, mussten wir auf einen Shuttlebus warten, der uns zu dem Fest bringen sollte. An der Haltestelle hörten wir ein paar Mädels miteinander deutsch reden und Carla sprach sie spontan an und fragte was sie in Jerusalem machten. Es stellte sich heraus, dass sie wie Carla ein paar Wochen zu Besuch waren und so machte sie kurzerhand mit Ihnen aus, sich auf ihrem Trip richtung totes Meer und Jordanien ihnen anzuschließen.
Das Fest an sich war ganz schön, aber irgendwie war ich die ganze Zeit etwas betrübt und konnte mich nicht so recht der Begeisterung der anderen anschließen. Irgendwann wurde ich von einem Typen angequatscht, der ebenfalls auf dem Mount Scopus studiert und der mich scheinbar einen Tag zuvor im Bus dorthin gesehen hatte. Und da mir in dem Moment eher weniger nach Tanzen und Grölen zumute war, als vielmehr nach etwas Ruhe, setzte ich mich irgendwann mit Omer auf den Bürgersteig und wir quatschten ein bisschen, soweit das mit meinem schlechten englisch möglich war.
Gegen elf hörten die Bands auf zu spielen und wir mussten uns beeilen um den letzten Shuttlebus zu bekommen. Das Wetter war mal wieder total umgeschlagen und so standen wir auf einmal in einem dicken Nebel und Nieselregen an der Bahnstation.



Am Dienstag war wieder der Zeichenkurs, bei dem ich dieses Mal meine Arbeiten präsentieren sollte. Da ich ja mein Portfolio auf meinem USB-Stick hatte und in jedem Raum ein Computer steht, dachte ich das sei kein Problem. Nur leider sind diese Computer scheinbar so veraltet, dass die Abbildungen meiner Zeichnungen einfach von furchtbarer Qualität waren. Aber nichtsdestotrotz waren die Reaktionen recht positiv. Nach einer kleinen Pause ging es weiter mit einer kleinen Einführung von Arkadiush, dem drawing-teacher, über das Werk Albrecht Dürers. Es war für mich ganz lustig die Bilder und Orte von Nürnberg zu sehen, an denen ich vor 5 Jahren fast jeden Tag dran vorbeigelaufen bin. Und das in einer Klasse in Jerusalem mit Blick auf die Wüste...
Am Abend kamen dann ein paar exchange students und Itai zum Semmelknödel essen. Es war eine echt lustige Runde mit vier deutschen Mädels, einer Holländerin, einem Californier und einem Israeli. Ich sprach und hörte an dem Abend so viel englisch, dass ich mich am nächsten Morgen tatsächlich dabei ertappte alles was ich dachte automatisch ins Englische zu übersetzen!

Heute hatte ich wieder etching, also drucken. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben auf einer Plexiglasplatte radiert, also reingeritzt und hätte nicht gedacht, dass das so anstrengend ist! Nach den drei Stunden hatte ich einen richtigen Tennisarm und die Linien waren wahrscheinlich trotzdem noch nicht tief genug. Aber nach dem Drucken nächste Woche weiß ich mehr.
Carla ist heute morgen mit den Mädels, die sie am Montag kennen gelernt hat weiter gereist und ich habe so mal wieder Zeit lange zu zeichnen, da ich morgen auch keinen Kurs habe. Das wird mal wieder eine lange Nacht. Herrlich!

Sonntag, 23. Februar 2014

Aus arabischer Sicht

Gestern war ein sehr aufregender Tag. Am Abend zuvor rief mich Lisa aus Tel Aviv an und fragte, ob ich Lust hätte mit ihr, Fainan ihrem Mitbewohner und Carla, einer Freundin aus Stuttgart, die gerade zu Besuch da ist, einen Ausflug zu machen. So fuhr ich am Samstag morgen mit dem Sherut, einem Sammeltaxi, nach Tel Aviv und wir vier fuhren von dort aus weiter mit Fainans Auto richtung palästinensischer Grenze. Er wollte uns die Orte zeigen, in denen er mit seiner Familie gelebt hat, und in denen sie jetzt, nach der Vertreibung durch die Israelis angesiedelt hat. Schon auf der Fahrt machte er seinen Standpunkt über die Politik Israels und die Behandlung der arabischen Bevölkerung deutlich. So beschrieb er zum Beispiel die Provokation der Sicherheitsleute am Flughafen, die gezielt bei nicht jüdischen Israelis das Gepäck kontrollierten und allerlei Sicherheitsvorkehrungen trafen, die seinen jüdischen Landsleuten erspart blieben. An der Grenze in die West banks, also das Westjordanland, wurden wir ein paar Minuten von zwei schwer bewaffneten Grenzsoldaten aufgehalten, die uns mehrmals nach unseren Namen fragten und scheinbar nicht recht wussten, was sie damit anstellen sollten. Aber letztendlich ließen sie uns die Grenze passieren.
Unser erster Halt war Tulkarem, eine kleine Stadt nahe der grünen Linie. Wir waren dort die einzigen Touristen und wurden deswegen natürlich bestaunt als wären wir Aliens, was auch dadurch bestärkt wurde, dass Lisa ihre riesige Spiegelreflexkamera unentwegt zum Einsatz kommen ließ. 

Spontaner Autostop um eine weitere Kuriosität einzufangen
Mir ging dieses offensichtliche Touridasein recht schnell auf die Nerven und war froh, als wir uns bald in ein kleines Restaurant saßen und etwas aßen. Während ich mit Fainan einen Falafelstand suchte, machten Lisa und Carla die Bekanntschaft mit einer älteren Frau an ihrem Tisch, die zwar kein Englisch sprach, sich aber irgendwie mit ihnen verständigte. Als Fainan und ich dazu stießen, erklärte sie Fainan auf arabisch, dass sie sich freute, dass uns das Essen aus ihrer Kultur so gut schmeckte. Danach erzählte sie ihm ein wenig von ihrem Leben und es stellte sich heraus, dass sie vier Söhne hat, von denen zwei bei politischen Aufständen ums Leben kamen und die beiden anderen kurz darauf verhaftet und in zwei verschiedene Gefängnisse an beiden Enden des Landes gesteckt worden waren. Diese Geschichte gab uns einen ersten Einblick in das Leben auf der "anderen Seite" des Landes. 
Später fuhren wir weiter um einen kurzen Stop bei Fainans Tante zu machen. Nachdem wir wahnsinnig herzlich von Fainans Cousine, die in unserem Alter ist und in Jerusalem Englisch studiert, empfangen wurden, saßen wir eine Weile mit der Familie im Wohnzimmer und sprachen über das Land und seine Eigenheiten. Es war, wie schon bei meinem Besuch in Bethlehem, sehr spannend einen Einblick in das Leben einer Familie im Westjordanland zu bekommen. Sie führen ein sehr modernes Leben, obwohl Fainans Tante ein Kopftuch trägt und auf den ersten Blick eher konservativ wirkte. Und wieder wurde mir klar, mit wie viel Vorurteilen wir doch alle behaftet sind.
Das nächste Ziel war die Stadt Baka (bin leider nicht sicher, ob ich das Wort richtig schreibe), in der Fainans Mutter heute lebt. Die Stadt ist seit Jahren von der Mauer geteilt.

Ein Teil der Mauer unweit des Hauses von Fainans Cousine

In einem Geschäft für Inneneinrichtung, in dem es die kitschigsten Dinge gab, die man sich vorstellen kann, trafen wir Fainans Mutter und seine Schwester, die in ein paar Wochen heiratet und deshalb die zukünftige Wohnungseinrichtung besorgte. Die Geschäftsinahaberin war eine arabischstämmige Frau, die aber in Münster aufgewachsen war und deshalb auf deutsch redete. Eine sehr kuriose Situation, in einem so kleinen, arabischen Ort mit einer Kopftuch tragenden Frau eine Konversation in perfektem deutsch zu führen. 



Danach holten wir noch eine andere Cousine von Fainan ab, die nur ein paar Häuser weiter lebte und fuhren mit ihr in die historische Stadt Caesarea. Unterwegs fuhren wir an dem Ort vorbei, in dem Fainan aufgewachsen war und der nun ein jüdischer Kibbutz war. Seine Heimatstadt wurde von jüdischen Siedlern besetzt und seine Eltern dadurch vertrieben. Die grüne Linie wurde daraufhin genau durch die Stadt gezogen, in der seine Familie heute lebt und so wurde sie mehr oder weniger zufällig zu israelischen Bürgern. Aufgrund dieser Geschichte ist es recht verständlich, dass Fainan einen ziemlichen Groll gegen den Staat Israel hegt. Dies wurde dann auch von seiner Cousine bestätigt. Nachdem wir eine Weile am Strand standen und das Meer betrachteten, setzten wir uns in ein Restaurant und redeten sehr lange über den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Fainans Cousine arbeitet bei einer Organisation, die sich darum bemüht zwischen den beiden Völkern zu vermitteln und sie erzählte von einer Begebenheit eine Woche zuvor, bei der Schulklassen von beiden Seiten aufeinander trafen. Die israelischen Schüler wurden scheinbar so sehr von ihren Lehrern und Eltern in ihrem Denken manipuliert, dass die Situation eskalierte. Es sei unheimlich hart für sie bei solchen Streits noch ihrer Aufgabe als Übersetzerin von hebräisch und arabisch nachzugehen, wenn die Kinder sich gegenseitig Vorwürfe und Beleidigungen an den Kopf stießen. Es war ein sehr intensives und teilweise sehr trauriges Gespräch über ihre Sicht der Dinge und hat uns alle sehr nachdenklich gemacht. Nachdem ich Fainan auf den ersten Blick eher etwas suspekt und unheimlich fand, war ich wieder mal überrascht, wie sehr man sich von seinem ersten Eindruck in die Irre führen lässt. Seine Familie ist wahnsinnig offen, herzlich und engagiert! Und er selber viel nachdenklicher und sensibler als ich dachte. Ich persönlich war nach diesen vielen neuen Erkenntnissen und Erfahrungsberichten ziemlich betrübt und erschlagen. Dieser Konflikt nimmt je mehr man darüber erfährt immer komplexere Formen an und frustriert einen auch als Außenstehenden sehr. Zumal ich mich unweigerlich aufgrund meiner Herkunft und der Geschichte Deutschlands ein wenig mit verantwortlich fühle. Ohne den Holocaust hätte es diesen Krieg vermutlich nicht gegeben, oder hätte zumindest nicht diese Ausmaße erreicht...

Fainan und seine Cousine
Zurück in Tel Aviv fuhr ich mit Carla im Bus weiter Richtung Jerusalem. Heute sind wir dann zusammen in die Akademie gegangen und haben in dem "Making of Jerusalem"-Course einiges über die Geschichte der Bezalel Academy erfahren. So wurde z. B. von der Gründung, anfang des 20. Jahrhunderts bis in die 30er Jahre dort deutsch gesprochen, da es vorwiegend deutsche Juden waren, die nach Palästina geflüchtet waren und die Universität dort gegründet hatten. Das Hebräische etablierte sich dort erst später, da die meisten Juden die Sprachen der Länder benutzten, aus denen sie stammten. 
Blick vom Campus auf die östliche Seite der Stadt mit der Wüste im Hintergrund...

... die andere Seite mit Blick auf das Stadtzentrum


Nach dem Kurs fuhren wir wieder in die Stadt auf den Markt, wo wir zufällig Daniel, eine ehemalige Austauschstudentin aus Jerusalem trafen, die letztes Semester in Stuttgart studiert hatte und eine Kommilitonin von ihr. So saßen wir eine Weile in einer kleinen Bar auf dem Markt, während um uns herum die Händler mit neuen Waren beliefert wurden. 
Es gibt eigentlich noch viel mehr zu berichten, aber das würde vermutlich zu sehr ins Detail gehen. Also bis die Tage!

Freitag, 21. Februar 2014

Erste Woche Studium...

... ging ziemlich schnell um, was vermutlich daran liegt, dass ich meinen Stundenplan recht kompakt zusammengestellt habe und fast jeden Tag nur einen Kurs habe. Der "Making of Jerusalem"- Kurs am Sonntag war recht vielversprechend. Wir treffen uns jedes Mal an einem anderen Ort in der Stadt, einmal sogar in der Wüste und erfahren so vor Ort die wichtigsten Fakten über Architektur und Geschichte.
Der Malkurs am Montag fiel wie gesagt aus. Am Dienstag das Treffen mit dem Lehrer für den drawing-course war ziemlich gut, da sich herausstellte, dass er ganz neu war und in Düsseldorf studiert hatte, was auch erklärte, warum er sehr offen für alles war und mich stark an das Studium in Stuttgart erinnert hat. Er stellte gleich klar, das er nicht vor hat, uns zu sagen, was wir zeichnen sollen, sondern dass er einfach da ist wenn wir nicht weiter kommen oder Fragen haben. Allerdings hat er uns nahe gelegt ein Skizzenbuch anzufangen, was für mich nie ein Thema war. Also mal schauen was draus wird. In der Mittagspause wurde ich dann plötzlich mit einem lauten "INEEEES" von Daniel begrüßt, die letztes Semester als Austauschstudentin aus Jerusalem in Stuttgart war und die ich durch eine gemeinsame Bekannte kennen gelernt hatte. Als ich ihr erzählte, dass ich später noch einen meeting-point bei der Professorin Tamar Getter hatte, war ihr erster Kommentar, dass sie extrem streng sei, aber auch sehr gut. Also ging ich mit eher gemischten Gefühlen zu dem Treffen. Interessanterweise stellte sich heraus, dass sie ebenfalls eine Düsseldorfer Akademie-Absolventin und eine sehr respektable ältere Dame ist. Ich war auf Anhieb begeistert von ihr, da sie knallhart sagte, was sie dachte und wollte: "Ich will keine unfertige Arbeit sehen!", "Ich will nur Dinge sehen, hinter denen ihr absolut steht!"
Am Mittwoch der etching-course beinhaltet scheinbar sämtliche Arten von Druckverfahren. Als erstes wurden wir mit den Gefahren und Sicherheitsmaßnahmen in der Werkstatt vertraut gemacht. Danach war mir ein bisschen mulmig zumute. Außerdem muss ich alle möglichen Dinge wie eine Radiernadel, Plexiglas, Papier usw. selber kaufen. Das geht ganz schön ins Geld... Nach dem Kurs traf ich mich mit Itai auf dem Markt, wo er mir die beste Eisdiele der Stadt zeigte, mit ziemlich ausgefallenen Sorten wie Safran, schwarzer Sesam, Chai-Tee, Basilikum... die Liste ist lang und es war himmlisch, zumal der Verkäufer uns quasi nötigte, beinahe jede Sorte zuerst zu probieren, bevor wir uns entschieden. Danach zeigte er mir noch einen russischen Supermarkt, in dem er die meisten Sachen wie Nudeln, Käse und Wurst kaufte, da sie dort nicht kosher sind und dadurch viel günstiger als in normalen Supermärkten. Allerdings stellte ich fest, das die Russen, genauso wie die Israelis, scheinbar nicht so viel Wert auf das Mindesthaltbarkeitsdatum legen wie die Deutschen. Beinahe jedes Produkt dort war abgelaufen. Teilweise sogar mehrere Monate. Sehr sympatisch!

Bald ist Purim-Fest, der jüdische Karneval
Als wir wieder zuhause waren, setzte ich mich gleich wieder an den Schreibtisch zum Arbeiten und zeichnete wieder die halbe Nacht durch. Der nächste Meeting-point am Donnerstag fand erst um 14 Uhr statt und war nicht ganz so toll wie der bei Tamar Getter. Die Professorin sprach fast die ganze Zeit auf hebräisch, da sie meinte, ihr englisch sei zu schlecht, so dass ich und Adam, ein exchange student aus Tschechien, kaum ein Wort von dem verstanden, was sie zu den Fotos aus Museen, die sie von ihrem letzten Trip in den Staaten mitgebracht hatte, erzählte. Das Treffen ging somit eine gefühlte Ewigkeit und ich bin froh, dass ich sie nur drei weitere Male in diesem Semester, nämlich zu den Einzelbesprechungen treffen muss. Als es endlich vorbei war, ging ich mit Adam zur Bushaltestelle, wo wir Tamara und Alex trafen, zwei andere exchange sudents aus Deutschland. Tamara ist, wie sich herausstellte, die Mitbewohnerin von Itais Partner in seiner Bar. Die Welt ist so klein. Wir zwei sind dann noch spontan auf den Markt und in die Eisdiele gegangen, von der sie ebenfalls begeistert war. Und es stellte sich heraus, dass wir das gleiche Schicksal mit unseren Mitbewohnern teilten, da sie mir er zählte, dass sie ebenfalls erstmal das Bad und die Küche grundreinigen musste, bevor sie sich dort halbwegs wohl fühlte.
Später dann wieder mal bis um vier Uhr morgens gezeichnet und heute erst um halb 2 aufgestanden. Ich wollte mir aber nicht die Chance entgehen lassen auf den Markt zu gehen, da ja am Freitag nachmittag der Sabbat anfängt und die Händler natürlich vorher ihr Zeug los werden wollen. So füllte sich meine Tüte mal wieder schnell mit "gefundenem" Obst und Gemüse. Aber irgendwie werde ich auch von Mal zu Mal wütender wenn ich auf den Markt gehe, bzw. durch die Straßen im Zentrum der Stadt laufe und sehe, wie zugemüllt die Stadt ist. Auf dem Markt ist der Boden voll von Plastiktüten und Essensabfällen, überall am Straßenrand das gleiche Bild. Es scheint hier keinen zu interessieren, dass Plastik hunderte von Jahren braucht, bis es sich zersetzt und abbaut. Jedes Mal wenn ich etwas kaufe und sage, dass ich keine Tüte brauche, da ich immer eine dabei habe, werde ich angestarrt, als käme ich von einem fremden Planeten. Ziemlich traurig.

Jetzt sitze ich wieder einmal hier an meinem Schreibtisch und werde gleich anfangen zu zeichnen. In den nächsten Tagen wird Carla, eine Freundin aus Stuttgart wohl hier eintreffen. Gerade ist sie noch bei Lisa in Tel Aviv. Und ich will vorher so viel wie möglich noch an meiner Zeichnung arbeiten. Im Moment ist mein Tagesablauf sehr überschaubar und für Außenstehende vermutlich ziemlich langweilig, aber ich denke, dass wird sich ändern, sobald die Besuchswelle aus Deutschland startet, was gar nicht mehr so lange dauert. Also arbeite ich lieber jetzt, bevor ich später keine Zeit mehr dazu habe vor lauter Fremdenführungen....
Shabbat Shalom!

P.S.: Ein zweiter Horrortrip in die Central Station wegen des Semestertickets wurde mir zum Glück erspart, da ich nochmal zur students union ging, wo ich diesmal auf einen kompetenteren Studenten traf, der alles online für mich erledigte. Meine Erleichterung war natürlich unermesslich ;)

Montag, 17. Februar 2014

Israelische Korrektheit

Heute war ein ziemlich übler Tag. Ich bin jetzt noch ziemlich aufgewühlt und halte es deshalb für das beste, mir meine Wut hier von der Seele zu schreiben, damit ich sie nicht eventuell an meinem unschuldigen Mitbewohner, oder der Katze auslasse - obwohl letztere es eigentlich auch mal verdient hätte...

Aber vorher eine kleine Zusammenfassung der letzten Tage: Gestern hatte ich meinen ersten Kurs an der Uni "The making of Jerusalem", eine Geschichte der Stadt. Noah, die Dozentin hat uns erklärt, dass wir die kommenden Treffen jedes mal an einem anderen Ort in und außerhalb der Stadt abhalten und sie uns vor Ort die Gebäude und Besonderheiten erklärt. Man kann nur hoffen, dass während der kommenden Treffen ein besseres Wetter vorherrschen wird, da es gestern fast den ganzen tag geschüttet hat.
Nach meinem obligatorischen Marktbesuch und einem kleineren Großeinkauf in einem Supermarkt, hab ich mich abends wieder an die Zeichnung gesetzt, die ich am Freitag begonnen habe. Ich kann hier in meinem Zimmer ziemlich gut arbeiten, habe ich festgestellt. Zwar ist mein Arbeitsplatz ziemlich improvisiert - so stehen mein Laptop und die Lampe auf zwei gefundenen Pappkartons und das Brett auf dem ich das Papier aufgezogen habe, war in seinem früheren Leben einmal ein Regalboden, den ich hinter meinem Kleiderschrank gefunden habe, meine Schreibtischplatte biegt sich in der Mitte bedenklich durch, je nachdem wie man auf meinem Stuhl sitzt, sackt das Polster einfach ins Nichts ab und der Abstand zwischen meinem Bett und dem Schreibtisch ist gerade so groß, dass ich mit meinem Stuhl hineinpasse - aber ich hab mich dran gewöhnt.


Gestern abend lief es dann auch tatsächlich so gut, dass ich einfach nicht aufhören wollte und bis morgens um halb 4 Uhr gezeichnet habe. Da ich meinen ersten Kurs heute erst um 14 Uhr hatte, war das aber kein Problem. Bin dann eben erst um halb 12 aufgestanden. Nach der leider mal wieder nur lauwarmen Dusche und einer gefühlt zweistündigen Busfahrt, kam ich, wie immer in letzter Zeit mit ein paar Minuten Verspätung, in dem Raum an, in dem der painting workshop stattfinden sollte, und stellte fest, dass außer mir nur drei weitere Exchange students und eine israelische Studentin dort waren. Nachdem wir eine halbe Stunde auf den Professor warteten, erfuhren wir dann, dass der Kurs dieses Mal ausfiel. Schöner Start. Aber so hatte ich wenigstens noch Zeit meinen Stundenplan bei der Sekretärin zu korrigieren. Um etwas mehr vom Wochenende zu haben, habe ich nämlich beschlossen, den Photography-Kurs am Freitag zu streichen und stattdessen einen weiteren Meeting Point zu besuchen. Da ich praktischerweise das Ladekabel für meine Kamera zuhause vergessen habe, hätte ich sowieso nur mit meiner Handy-Kamera fotografieren können. Die Schmach wollte ich mir aber auch ersparen. Nach dieser Änderung ging ich weiter in das Studentensekretariat, um mir dort Hilfe zu holen, bei dem Antrag für das Semester-Bus-Ticket. Das Mädel dort war zwar nett, aber leider etwas überfordert und so dauerte es auch wieder ewig, bis sie den hebräischen Fragebogen mit mir ausgefüllt hatte und mich dann damit zur Central Station in der Stadt schickte, da ich scheinbar nicht online mit Kreditkarte bezahlen konnte. An besagter Central Station angekommen, musste ich eine Nummer ziehen, und wartete eine weitere Stunde, bis ich dran kam. Wenigstens hatte ich morgens in weiser Voraussicht ein Buch eingepackt. Ich fühlte mich aber entspannt und sicher, da ich ja alle Unterlagen, von der Ausweiskopie, über eine Bescheinigung, dass ich an der Bezalel studiere, bis hin zu dem erwähnten Fragebogen dabei hatte. Leider stellte sich aber schnell heraus, dass es hier in Israel etwas chaotischer zugeht als in Deutschland, was solche Formalitäten angeht. Ich landete schließlich in einem schäbigen Büro, vor der scheinbar einzig englischsprechenden Person, einem furchtbar unfreundlichen, anfang 20-jährigen Mädchen. Ihr englisch beschränkte sich leider auf ca. 5 Wörter, sodass sie einfach, wenn sie nicht weiter wusste, auf hebräisch mit mir weiter sprach, wovon ich ntürlich kein Wort verstand außer "lo" - nein! Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen. Jedenfalls saß ich ewig dort, während sie meine Unterlagen durcheinander warf, alles mögliche von mir haben wollte, obwohl ja alles vor ihr lag, bis sie mir verkündete, dass irgendetwas nicht richtig sei und ich gehen sollte. Ich wurde so wütend in diesem Moment, dass ich, kaum dass ich das Büro verlassen hatte, einfach anfangen musste zu heulen, eben aus Wut über diese Leute, über dieses chaotische System und über die Behauptung aus sämtlichen Reiseführern, dass alle Israelis perfekt englisch sprächen! Der "Türsteher" vor den Büros der Information hatte dann auch scheinbar Mitleid mit mir und begleitete mich noch ein paar Meter mit dem Kommentar "I would like to help you, but I don't speak that good englisch!" Was du nicht sagst... So stand ich also vor Wut und Enttäuschung heulend in dieser schäbigen Station und packte mein Zeug zusammen, als mich ein weiterer Mitarbeiter dieses Saftladens ansprach und sich als sehr besorgter Chef der ganzen Truppe herausstellte. Er hat mich dann wahnsinnig zuvorkommend behandelt, mich zurück zu der Information geschleppt und seiner natürlich alles andere als begeisterten Mitarbeiterin gesagt, sie solle meinen Fall nochmal durchgehen. Es stellte sich heraus, dass das Mädel von dem Studentensekretariat irgendeinen Mist gebaut hatte, beim ausfüllen des Fragebogens und ich deswegen das Ticket nur Cash bezahlen konnte. So führte mich das Mädchen von der Information, auf Anweisung ihres Chefs zum nächsten Geldautomaten, der dann, um dem ganzen die Krone aufzusetzen, meine Karte nicht akzeptierte. Sie rief ihren Chef an und ich erklärte ihm die Lage, da sie mal wieder nicht verstand was los war oder es nicht verstehen wollte. Er gab mir dann seinen Namen und seine Nummer und meinte ich solle es morgen nochmal probieren, ohne eine Nummer zu ziehen in das Büro gehen und wenn etwas sein sollte, ihn anrufen. Das war natürlich wahnsinnig nett, aber trotzdem war mein Tag dann natürlich gelaufen. Ich freue mich schon sehr auf meine neue beste Freundin in der Information morgen...

Heute Abend ist ein Straßenfest in meiner Nachbarschaft, was vom Bus auch sehr vielversprechend aussah, aber ich habe nach dieser Erfahrung leider keinen Nerv mehr für Smalltalk. Also sitze ich hier und werde gleich weiter an meiner Zeichnung arbeiten. Und hoffe inständig, dass morgen alles klappt. Der Automat hier hat mir natürlich ohne Probleme mein Geld ausgespuckt...

Freitag, 14. Februar 2014

Wie ich dank eines dicken Amerikaners ein Treffen mit Natalie Portman verpasste

Pünktlich zum offiziellen Beginn des Sabbat (kaum zu überhören durch die Sirene, die jeden Freitag zum Sonnenuntergang ertönt), kommt hier mein aktueller Bericht.
Aber erstmal muss ich erwähnen, wie schön gerade die Stille ist. Das einzige was man gerade hört (nachdem die Sirene gerade wieder erloschen ist), sind die zwitschernden Vögel. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich meinen ich wohne auf dem Land. Welcome to Jerusalem! Den Spruch habe ich in den letzten zwei Wochen ziemlich oft gehört . Meistens war er auf eher negative Eigenheiten bezogen, wie das teure Essen, oder auf den Aufstand der Ultras vor dem Café, kurz nach meiner Ankunft. Aber jetzt genieße ich gerade diese Ruhe, die es nur am Sabbat gibt. Kaum ein Auto fährt, kein Mensch ist auf der Straße. Beinahe jeder Israeli wird nun zuhause bei Freunden oder Familie sitzen und das traditionelle Sabbat-Essen zelebrieren. Vielleicht schaffe ich es während meines Aufenthaltes hier auch einmal zu einem solchen eingeladen zu werden. Wer weiß!

Nun aber zu gestern: Die Kursregistrierung ging relativ zügig von Statten, da die Kunststudenten als einziges Department sich schon im Vorfeld per Mail für Kurse registrieren mussten. Daher ging es gestern nur noch um eventuelle Änderungen. Und so sieht mein Stundenplan für die kommenden 4 1/2 Monate aus:

Sonntag: 14 Uhr, The making of Jerusalem: a geographical history
Montag: 14 Uhr, Painting Workshop
Dienstag 10 Uhr, Drawing Workshop
Mittwoch 10 Uhr, Etching Workshop
Donnerstag, alle 2 - 3 Wochen 14 Uhr, Meeting point (Arbeitsbesprechung mit einem Professor)
Freitag 10 Uhr, Street Photography

Das wird eine harte Umstellung zur Aka in Stuttgart. So viele Kurse auf einmal habe ich seit Anfang meines Studiums noch nie belegt.

Blick auf einen Teil des Campus auf dem Mount Scopus
Nachdem der Hebräisch-Kurs gestern vorbei war, gab es für die Exchange-Students noch eine "Safety-Orientation". Lisa, die Glückliche, konnte sich diesen Vortrag sparen, da sie ja nicht in Jerusalem, sondern in Tel Aviv studieren wird. So fuhr sie in die Stadt zum Yehuda-Market. Morgens im Bus hatten wir zufällig ihre ehemalige Mitbewohnerin getroffen, die ihr erzählte, dass Natalie Portman dort gerade einen Film dreht. Und Lisa wollte sich die Chance ein wenig Groupie zu spielen natürlich nicht entgehen lassen. So wurden wir Austausch-Studenten in einen furchtbaren, fensterlosen Raum gepfercht und von Gai, dem ziemlich lackaffigen Zuständigen für das Safety-Gedöns über Dinge aufgeklärt wie, dass man beim Arbeiten am Computer gerade sitzen sollte, oder wie wichtig es ist beim Arbeiten mit Maschinen Ohrschützer und Schutzbrille zu tragen. Also Dinge, auf die wir ohne Gai natürlich niemals gekommen wären. Gekrönt wurde diese Farce noch von einem halbstündigen Video aus den 90ern, in dem ein dicker Amerikaner einem vor ihm sitzenden Publikum von seinem Arbeitsunfall erzählte, bei dem er sich 90 % seines Körpers verbrannte, was er natürlich auch gern demonstrierte. Mich persönlich erinnerte dieser Monolog sehr an eine Wahlkampfrede, in diesem Fall für Safety-Products. 
Nachdem das alles überstanden war, verließ ich, natürlich nicht ohne mich noch einmal dabei verlaufen zu haben, schnellstmöglich den Mount Scopus und fuhr nach Hause. Leider sind die Straßen in Jerusalem um die Mittagszeit so verstopft, dass der Bus beinahe eine Stunde von der Akademie bis zu mir nach Hause brauchte. Aber endlich angekommen, zogen Lisa und ich gleich wieder los richtung Central Station um nach Tel Aviv zu fahren. Lisa, die ja seit gestern in Tel Aviv wohnt, mit einem riesigen Koffer und ich mit ihren zwei großen Taschen beladen. 
Als wir im Bus richtung Tel Aviv saßen, stellten wir schnell fest, dass wir von deutschen Touris umgeben waren. Spätestens als ich von hinten eine Frau zu dem Paar vor mir sagen hörte "Willst du auch Hände waschen?" und ihr darauf eine Tube Desinfektionsmittel in die Hand drückte, war wahrscheinlich auch allen anderen Businsassen klar, um welche Nationalität es sich bei den lustigen Leuten mit Gürteltasche handelte. Und natürlich boten sie auch mir eine Runde an. Schließlich gibt es doch nichts wichtigeres als die Sauberkeit und wer weiß wer diese Stangen im Bus schon vorher angefasst hat? Ich verzichtete allerdings. Nachdem dann noch eine Tüte "Wer will Marmeladenkekse!" rumgereicht wurde, gaben sie aber auch Ruhe. 
In Tel Aviv angekommen, gingen wir erst in Lisas neue WG um das Gepäck abzuladen. Danach gings weiter zu der Vernissage die wir besuchen wollten. Ein Professor an der Aka in Stuttgart, der international auch recht bekannt ist, Christian Jankowski, feierte seine erste Ausstellung in Israel. Die Ausstellung war auch wirklich gut. Leider hatte er scheinbar keine Lust mit uns zu reden. Nachdem ich ihm nur kurz, peinlicherweise auf dem Klo ein schnelles "Hallo!" zurufen konnte, war er auch schon wieder von irgendwelchen "wichtigen Menschen" umgeben. Lisa und ich plauderten währenddessen ein bisschen mit Charlotte, die ebenfalls dort war und ebenfalls von der Aka in Stuttgart kommt, nun aber ein weiteres Semester in Tel Aviv studieren wird. Als sich die Vernissage ihrem Ende neigte, zogen wir drei los richtung Central Station, da ich ja zurück nach Jerusalem fahren musste, um den Hebräisch-Kurs am nächsten Tag nicht zu verpassen. Auf dem Weg dorthin gönnten wir uns noch einen "Burekas", eine mit Schafskäse und Oliven gefüllte Teigtasche. Daraufhin gingen Lisa und Charlotte nach hause und ich lief das letzte Stück zu der Station alleine, durch eine ghettoähnliche Gegend, die vorwiegend von Äthiopiern bewohnt wurde. Da kein Bus mehr nach Jerusalem fuhr, musste ich auf ein "Sherut" ausweichen, ein kleines Sammeltaxi, das, sobald es voll besetzt ist, zwischen den größeren Städten hin und her fährt. In dem Sherut saß ich neben einem Araber, der sich gerne mit mir unterhalten hätte, dummerweise aber kaum Englisch sprach. Nachdem wir feststellten, dass eine Konversation aussichtslos war, bot er mir aber an seine Pistazien mit zu essen, was er mir natürlich nicht zweimal sagen musste. 
Da ich nicht genau wusste, wohin in Jerusalem das Sherut fuhr, blieb ich einfach bis zur Endstation sitzen, in der Hoffnung, dass es sich dabei um die Central Station handeln würde. Der Fahrer sprach auch kaum englisch, schaffte es aber irgendwann mir beizubringen, dass er nicht mehr weiter fuhr. Weil es schon kurz vor ein Uhr nachts war, fuhren auch keine Linienbusse mehr und da ich auf seinen "Special Price" von 40 Shekeln für die Fahrt zu mir nach hause nicht eingehen wollte, ging ich kurzerhand, nach einer kurzen Orientierungsphase (ganz ohne Google map!!!) zu Fuß.

Heute Morgen um neun fand dann zum letzten Mal der Hebräisch-Kurs statt. Ausnahmsweise nicht auf dem Mount Scopu in der Akademie, sondern im Architecture department im Stadtzentrum. Nachdem der Kurs als großes Finale mit einem hebräischen Popsong aus den 70er Jahren endete, bei dem alle eingeladen waren mitzusingen, ging ich nochmal richtung Yehuda-Market, da ich gehört hatte, dass dort am Freitag alles billiger verkauft wurde. Auf dem Weg dorthin kam ich an einem Flohmarkt vorbei und erstand mit meinen letzten Geldscheinen von 90 Shekeln (ca. 18 Euro), zwei wunderschöne Kleider! 
Bei der Suche nach einem Geldautomat stellte sich leider heraus, dass meine Kreditkarte scheinbar nur in ein paar ausgewählten Automaten akzeptiert wird. Alle bei denen ich es versuchte, spuckten sie als "not accepted" wieder aus. Also darf ich morgen nochmal in die Stadt losziehen und den Automaten suchen, bei dem Lisa und ich letzte Woche erfolgreich Geld abgehoben hatten. 
Auf dem Markt war es so voll wie ich es noch nie erlebt hatte. Es war unheimlich anstrengend, sich durch die Menschenmassen in den Gängen zu quetschen. Allerdings waren die vielen Menschen auch hilfreich für mich als es darum ging unauffällig das heruntergefallene Obst und Gemüse vom Boden aufzuheben. Einmal flog mir eine Aubergine sogar regelrecht vor die Füße, versehentlich weggekickt von einem orthodoxen Juden. 

Zwischendurch wurde ich von einem jungen Typen angesprochen mit der Frage "Are you alright? You look so shocked!". Wie die meisten von euch wissen, schaue ich des öfteren angeblich traurig, böse, oder scheinbar auch schockiert, ohne es zu merken. Ich kanns einfach nicht ändern. Einfach ignorieren! 

Jetzt sitze ich in meinem Zimmer, dass mir inzwischen richtig ans Herz gewachsen ist, auch wenn es zugegebenermaßen etwas eng ist, und werde gleich mit einer Zeichnung beginnen, die ich eigentlich seit meiner Ankunft hier schon anfangen wollte. Jetzt, wo ich die Wohnung endlich für mich habe (Itai ist scheinbar in der Bar und wiedersetzt sich demonstrativ den Regeln des Sabbat), versuche ich also langsam mal, mir einen kleinen, sehr improvisierten Atelierplatz einzurichten. 

Bis die Tage!

Mittwoch, 12. Februar 2014

Gestern war der Orientierungstag an der Akademie. Zusammen mit den Leuten aus dem Hebräisch-Kurs, sind insgesamt 90 Austauschstudenten aus der ganzen Welt dieses Semester an der Akademie in Jerusalem. Zur Begrüßung gab es ein lila T-Shirt mit dem Emblem der Bezalel Akademie, eine Kladde und ein kleines Buffet mit Saft und Keksen. Dummerweise hat sich bei mir sofort mein Es-gibt-etwas-umsonst-also-greif-zu-so-viel-du-kannst-Gefühl eingestellt, sodass ich nach kurzer Zeit, vollgestopft mit Keksen, auf meinem Stuhl saß und mit Mühe und Not dem folgen konnte, was uns die nette Sarit vom Büro für Auslandsstudenten erklärte. Es stellte sich heraus, dass ich mindestens 6 Kurse besuchen muss um an die 12 Punkte zu kommen, die ich scheinbar benötige. Weiß der Geier warum. Das hatte ich nun zum ersten Mal gehört und war dementsprechend frustriert. So wie es aussieht, habe ich ab nächster Woche jeden Tag bis auf Samstag einen Kurs! Also völliges Kontrastprogramm zur Aka in Stuttgart, wo ich im letzten Semester nicht einen einzigen Kurs oder ein Seminar besucht, sondern ausschließlich im Atelier gearbeitet habe. 
Teilweise wurde es auch etwas unangenehm bei der Rede von Sarit, als sie betonte, dass wir auf keinen Fall die palästinensischen Territorien des Landes betreten sollten, wie gefährlich das doch sei. Zudem müssen wir alle haufenweise Verträge und Einverständniserklärungen unterschreiben, die besagen, dass wir über die Sicherheitsvorschriften und Risiken informiert wurden. Morgen findet dazu auch nochmal extra eine "Safety orientation" statt. Mit meinen Erfahrungen aus den letzten zwei Wochen würde ich knallhart behaupten, die sind hier alle paranoid. Aber gut, seis drum!
Zwischendurch wuchs bei mir der Frust darüber, dass mein Englisch so schlecht ist, dass ich mich einfach nicht so ausdrücken kann wie ich es gerne wollte. Ich verstehe zwar das meiste, aber mit dem Sprechen ist das so eine Sache, die mich extrem ärgert. Itai hat mir schon angeboten, dass wir ab jetzt nur noch englisch zuhause reden. Wäre wahrscheinlich keine schlechte Idee...
Nach dem Orientierungsgedöns wollte ich dann nur noch weg von der Uni. Hab mir eine kleine Schreibtischlampe gekauft, um demnächst zuhause auch wieder richtig arbeiten zu können, da ich mal nicht davon ausgehe, dass ich in der Akademie einen Atelierplatz bekommen werde. Danach bin ich nochmal, wie inzwischen fast jeden Tag auf den Jehuda-Market um mir mein Abendessen zu "suchen". War, wie schon die letzten Male recht erfolgreich. Lisa und ich haben dann eine leckere Nudelpfanne mit unserem gefundenen Gemüse gezaubert, uns ins Bett gekuschelt und einen Film angeschaut.

Heute hatten wir keinen Hebräisch-Kurs, da für die meistens departments heute ihre Kursregistrierung angesetzt war. Also haben wir bis ca. 12 Uhr geschlafen, hatten tatsächlich von der Sonne richtig aufgewärmtes Wasser beim duschen (!!!) und ausführlich gefrühstückt. Lisa ist dann nach Tel Aviv gefahren, um mit ihrem zukünftigen Mitbewohner ein Bett abzuholen, dass sie im Internet gefunden hatte. Ich bin währenddessen mal wieder richtung Altstadt losgezogen und hab mich durch die Gassen treiben lassen.


Blick auf das Jaffa-Tor, dem Haupteingang zur Altstadt



Irgendwann kam ich im christlichen Viertel an einer Kirche vorbei, bei der es sich, wie ich nun weiß, um die Erlöserkirche handelte. Ein junger Mann stand gleich davor und bot mir an etwas über die Kirche zu erzählen. Ich stimmte spontan zu und er fing sofort an, mir in einem wahnsinnig schnellen Englisch, inklusive hebräischen Akzent, die Geschichte der Kirche zu erzählen. Ich habe dabei logischerweise noch weniger verstanden, als bei dem Orientation-day gestern. Nach ein paar Minuten fing er dann an rum zu jammern, dass dies sein Job wäre und seine Frau und Kinder davon ernähren müsste und dass er nun von mir natürlich auch Geld erwartet. Ich erklärte ihm, dass ich Studentin bin und selber kaum Geld habe. Letztendlich habe ich ihm 10 Shekel für die "Mühe" gegeben. Allerdings waren die nicht ganz umsonst ausgegeben. Immerhin gab er mir den Tip, dass ich auf das sogenannte "German roof" gehen sollte. Man kann über eine Treppe, unweit von der Kirche über die Dächer der Altstadt spazieren und durch die Lüftungsschächte in den Basar hinein schauen. Und der Blick über die Altstadt war natürlich auch der Wahnsinn!



Heute bin ich übrigens demonstrativ mit Kopfhörern durch den Basar gelaufen, und schon wurde ich nicht halb so oft angequatscht wie die letzten Male. Herrlich!

Am Donnerstag, nach der Kursregistrierung, fahre ich mit Lisa nochmal nach Tel Aviv, da sie ja ab morgen dort wohnen wird. Abends gehen wir dann wahrscheinlich auf die Vernissage eines Professors von der Akademie in Stuttgart, Christian Jankowski. Ein ausführlicher Bericht folgt dann wohl am Freitag!

Blick von dem "German roof" auf die Erlöserkirche


Angeblich haben die Israelis teilweise die Steine von zerstörten Häusern nummeriert und für den Aufbau wieder benutzt

Diese kleinen Gesellen stehen in der ganzen Stadt entweder in rot oder gelb herum. In diesem Fall neben der Klagemauer

P.S.: Fast hätte ich das wichtigste vergessen: Es waren die letzten Tage tatsächlich frühlingshafte Temperaturen hier, sodass wir unseren Hebräisch-Kurs sogar teilweise nach draußen verlegt haben!


Samstag, 8. Februar 2014

Bethlehem

Gestern Abend gab es hier in der WG eine große Fresserei mit wahnsinnig gutem Ofengemüse, gebratenen Hähnchenschenkeln, sehr lecker gewürztem Reis und - Kartoffelsalat. Eine israelische Freundin von Itai, die einen österreichischen Freund hat und deswegen amüsanterweise mit einem österreichischen Akzent deutsch spricht, kam auch und steuerte gleich den Kartoffelsalat nach dem Rezept ihrer Schwiegereltern in spe mit bei. Es war eine sehr gemütliche Runde!
Heute morgen ging die Fresserei dann auch gleich weiter. Ich bin mit Itai, Johannes und einer weiteren israelischen Freundin, in die Altstadt gelaufen und in ein kleines Bistro gegangen, in dem es laut Itai den besten Hummus der Stadt gibt. Es war wirklich köstlich. Leider habe ich den Fehler begangen eine der rohen Zwiebeln, die es als Beilage gab zu probieren. Sie brennt jetzt noch in meiner Speiseröhre! Zum Nachtisch sind wir dann noch auf den nahegelegenen Basar gegangen und haben uns eine Auswahl türkischer Süßigkeiten wie Baklava und einem speziellen Gebäck mit Ziegenkäse und Sirup gegönnt. Zum Niederknien! In dem Cafe dort beschlossen wir dann spontan einen Ausflug nach Bethlehem zu machen, was ja quasi um die Ecke von Jerusalem liegt. Das Problem war, dass es Itai als Israeli normalerweise verboten ist in das Palästinensergebiet zu fahren. Wäre er erwischt worden, hätte er eine riesige Geldstrafe zahlen müssen. Sein Trick bestand darin, dass er einen Bekannten in einem Vorort von Bethlehem anrief, der uns einen Fahrer an den Stadtrand von Jerusalem schickte und der uns wiederum über die Grenze fuhr. Wären wir kontrolliert worden, hätte er sich als Deutscher ausgegeben, da er ja nahezu perfekt deutsch spricht.

Eine illegale, jüdische Siedlung am Rande Jerusalems
So fuhren wir also mit dem Taxi an die Stadtgrenze und warteten dort auf unseren Fahrer, der kurz darauf auch kam und sich als sehr gläubiger christlicher Palästinenser herausstellte und uns gleich über den Sinn des Lebens ("Love your family!") aufklärte. Nachdem wir die 50 Shekel (10 Euro) Fahrgeld bezahlt hatten, gingen wir erstmal zu Itais Bekannten, der sich ewig mit ihm über das Bierbrauen unterhielt, da er vor hat in seinem Keller sein eigenes Bier zu brauen. Da Itai ja Brauereiwesen in Berlin studiert hat, konnte er ihm einige Tips geben.

Blick auf den "Shephard mountain" (rechts, wo die Mäume stehen), dem Berg auf dem der Engel den Hirten erschienen sein soll
Später fuhr er uns dann ins Zentrum von Bethlehem, wo wir uns kurz den Basar und die Geburtskirche anschauten. Beides war relaltiv unspektakulär. Da es schon recht spät war, fuhren wir daraufhin nochmal zu ihm nachhause, wo ich mich kurz mit seiner Frau unterhielt und feststellte, dass sie und ihr Mann, trotz ihres modernen Auftretens, scheinbar sehr fromme Christen sind. Und, auch wenn es wahrscheinlich etwas einfältig klingt, fand ich es im ersten Moment komisch, festzustellen, dass arabisch sprechende und arabisch aussehende Menschen so fest in ihrem christlichen Glauben verankert sein können. Dieser Konflikt zwischen den verschiedenen Völkern und Kulturen hier wird für mich, je länger ich hier bin und je mehr ich darüber erfahre, immer komplizierter und gleichzeitig absurder...

Die Geburtskirche, also der Platz auf dem der Stall gestanden haben soll, in dem Jesus geboren wurde

Wenig später fuhren wir dann mit unserem "Schlepper" wieder zurück über die Grenze und nach Hause. Itai und Johannes gingen danach noch zu einem Libanesen etwas essen. Ich blieb zuhause, da ich mir vorgenommen habe etwas sparsamer zu leben. Da hier eh schon alles so verdammt teuer ist, möchte ich nicht noch mehr ausgeben, indem ich so oft außerhalb essen gehe. Dafür habe ich vorhin zum ersten Mal seitdem ich hier bin, sehr lange und sehr heiß geduscht. Wahrscheinlich habe ich die Stromkosten dadurch gesprengt, aber dieses Gefühl endlich mal wieder richtig aufgewärmt und sauber zu sein, war es wert! Meine bisherigen Duschgänge wurden nach ein paar Minuten ja zum Horrortrip, weil das Wasser einfach wieder kalt wurde.
Jetzt muss ich mich mal wieder an meine Hebräisch-Hausaufgaben setzen, da morgen um neun der Kurs wieder beginnt. Bis dann!

Freitag, 7. Februar 2014

So, heute schaffe ich es endlich mal wieder ein wenig zu berichten. In den letzten zwei Tagen wurde es jeden Abend ziemlich spät. Am Mittwoch bin ich mit Lisa nach dem Hebräisch-Kurs mit dem dem Bus nach Tel Aviv gefahren, um uns ein WG-Zimmer für sie anzuschauen. TEL Aviv und Jerusalem trennen tatsächlich Welten, was die Architektur und auch das Treiben auf der Straße betrifft. Während Jerusalem an beinahe jeder Ecke eine Gedenkstätte oder einen "Heiligen Ort" für die verschiedenen Religionen bereit hält und man überall orthodoxe Juden, Frauen mit Kopftüchern und pilgernde Christen sieht, erinnert Tel Aviv eher an das weltoffene Berlin. Ich habe an dem Tag zwar nicht all zu viel von der Stadt gesehen, aber die Unterschiede sind schon sehr auffällig.



Die Wohnung liegt mitten im Zentrum und hat auch einen schönen Schnitt, ist aber leider noch die totale Baustelle. Lisas potentielles Zimmer ist völlig unmöbliert und hat nicht einmal eine Lampe. Fainan, ihr zukünftiger Mitbewohner meinte aber sehr optimistisch, dass er sehr viele Freunde hätte, von denen er ein Bett, einen Schreibtisch etc. besorgen könnte. Danach zeigte er uns noch den Hinterhof, in dem sich ein kleines Häuschen befand, dass sich als Hühnerstall entpuppte! Und in dem Haus nebenan, in dem eine befreundete WG von ihm wohnt, gab es die ultimative Dachterrasse mit Unmengen von Pflanzen und einem Wahnsinnsblick über die Stadt. Die WG bestand aus einem Haufen sehr alternativer Jungs, die mich extrem an meine WG in Nürnberg erinnerten. Daher war ich auf Anhieb ziemlich begeistert! Nachdem wir dort ein paar Stunden saßen, quatschten und rauchten, gab Lisa dann auch ihre Zusage für die WG.



Gestern sind wir nach dem Kurs dann nochmal auf den Yehuda-Market gegangen. Dort wimmelte es nur so von Orthodoxen Juden, da ja der Sabbat bevor stand, an dem alle Geschäfte schließen. Und ich habe dort eine andere Form von Containern entdeckt. Es ist für mich sehr seltsam auf einmal sämtliche Lebensmittel die ich so brauche zu kaufen und nicht wie bisher abends im Müll der Supermärkte zu "finden". Was aber auch sehr gut funktioniert ist über den Markt zu laufen und einfach alle möglichen Sorten Obst und Gemüse einfach vom Boden aufzuheben. Die Stände sind meistens so voll bepackt, dass überall etwas runter fällt. Davon kann man als Single hervorragend leben! Zumal die Dinge die ich dort finde natürlich einwandfrei sind, da sie ja ursprünglich zum Verkauf gedacht waren.
Später trafen wir uns noch mit den Leuten aus dem Hebräisch-Kurs in einer Bar, wo ich die Bekanntschaft mit einem New Yorker machte, der, wie sich rausstellte, sämtliche Eigenschaften und Klischees eines typischen Amerikaners aufwies: Republikaner, Business-Student, Kapitalist, jüdisch stämmig, in die Fußstapfen seines Vaters tretend, der natürlich ein hohes Tier in der Wirtschaft ist... Schade, dass mein Englisch so schlecht ist, sonst hätte ich gerne mehr und aggressiver mit ihm diskutiert, aber leider fehlten mir einfach zu viele Vokabeln dafür. Er fand mich aber aus irgendeinem Grund ganz toll und folgte Lisa, mir und einem dort kennen gelernten Berliner Hipster auch in die nächste Bar. Dort wurde er dann abgelöst von Georg, einem Juden, der aus dem Westerwald stammt und seit vier Monaten in Jerusalem lebt. Mit ihm führte ich dann noch eine sehr lange Diskussion zum Thema Gleichberechtigung von Mann und Frau speziell in Bezug auf das Judentum. War trotz seiner konservativen Einstellungen sehr interessant.
Als ich dann gegen vier Uhr morgens nach hause kam, war ein Kumpel von Itai, Johannes, gebürtiger Stuttgarter, gerade aus Berlin angekommen, bzw. lag schon auf der Couch in der Küche und hat gepennt. Heute haben wir, nachdem alle extrem lange geschlafen haben, einige Zeit in Itais Bar abgehangen, die nur ein paar Minuten von der Wohnung entfernt liegt und wollen nachher noch etwas kochen. Morgen früh will uns Itai dann den Laden mit dem besten Humus der Stadt zeigen. Bin sehr gespannt!

Eine von vielen Absurditäten hier

Dienstag, 4. Februar 2014

Hello again!

Gestern Abend hatte ich leider keine Zeit mehr zum schreiben. Der Hebräischkurs fand ausnahmsweise erst um 14:30 Uhr an und ging bis um 19 Uhr. Danach bin ich gleich mit Lisa in ihre WG gefahren, da sie von ihren Mitbewohnerinnen erfahren hatte, dass in ihrer Straße diesen Monat jeden Montag eine Art Straßenfest stattfindet. Und sie hatte nicht zu viel versprochen. Es waren wahnsinnig viele Menschen dort, praktischerweise hauptsächlich um das Haus herum in dem Lisa wohnt, alle mehr oder weniger in unserem Alter und alle unheimlich schön! Man bekommt hier als deutsche Frau tatsächlich leichte Komplexe, da ausnahmslos alle israelischen und arabischen Frauen, und die meisten Männer übrigens auch, einfach unheimlich schönes, volles und meist gelocktes Haar haben. Dagegen können Lisa und ich uns verstecken. Aber trotzdem haben wir doch einige Aufmerksamkeit erregt und haben etwa 20.000 mal den Satz gehört "...where are you from?" Zuerst saßen wir in dem Café, in dem wir auch schon am Samstag gefrühstückt hatten und wo wir von den orthodoxen, jüdischen Männern überrascht wurden (übrigens stand dieser Aufruhr sogar am nächsten Tag groß in der Zeitung, wie Itai mir vorgestern berichtet hat!), danach sind wir in eine Bar gegangen, in der arabischer Hiphop/Elektro aufgelegt wurde und haben getanzt und mit Leuten gequatscht. Es war echt ein toller Abend, nur leider war am nächsten Tag, also heute, der Hebräischkurs wieder um 8:30 angesetzt, so dass ich mich, schweren Herzens, um 1:30 Uhr auf den Nachhauseweg machen musste. Ich wusste den Weg nur sehr grob, eigentlich nur, dass es ziemlich lange geradeaus ging, um in meine Straße zu kommen, aber dafür ging es doch erstaunlich gut. Und ich erledigte, in meinem leicht angeheiterten Zustand sogar noch meine Hebräisch-Hausaufgaben.

Der Blick von Lisas Dach. Auf der Straße unten war an diesem Tag eine Stimmung wie auf einem Festival!
Heute morgen dann habe ich mich, nach viel zu wenig Schlaf natürlich, hundemüde aus dem Bett gequält, um dann in der Akademie festzustellen, dass der Kurs doch erst um 9 Uhr anfing. Echt ätzend zu erfahren, dass man noch eine halbe Stunde länger hätte schlafen können.

Nach dem Kurs beschloss ich noch in die Stadt zu gehen um mir ein paar wärmere Pullis zu kaufen. Falls ich es noch nicht erwähnt habe: ES IST WAHNSINNIG KALT HIER im Moment! Ich habe beim Packen nicht im Traum daran gedacht, dass es tagsüber nicht mehr als 10 Grad sein werden. Ich wurde eines besseren belehrt... Lisa hatte gleich den ganzen Kurs verschlafen, daher war ich heute zum ersten Mal allein in der Stadt unterwegs. Nachdem ich mehrere Geschäfte erfolglos durchforstet hatte, ging ich noch in einen Drogeriemarkt um mir meine geliebte Nivea Soft zu kaufen, die ich, des Übergewichts wegen, letztendlich doch nicht in meinen Koffer gepackt hatte. Musste dann mit entsetzen wieder einmal feststellen, wie verdammt teuer alles in israel ist. Die normale Packung hat, sage und schreibe, umgerechnet 6 Euro gekostet und war sogar schon um 40% reduziert!

Danach lief ich noch in die Altstadt und tauchte mal wieder ein in die Welt des arabischen Basars ein. Dort wurde ich spontan die neue beste Freundin eines Händlers, der etwas jünger war als ich und Schals und Schachspiele aus Holz verkaufte "... oh, I love your eyes! If you need any help here, please let me know!". Diese arabischen Händler sind schon eine Klasse für sich. Ich bin noch nicht sicher wie ich sie finden soll. Einerseits wahnsinnig charmant und zuvorkommend, andererseits leider auch sehr aufdringlich mir war doch auch etwas mulmig zumute als ich durch die teilweise schon leeren Gassen des Basars lief und von allen Seiten angegafft und angesprochen wurde. Das kann aber auch daran liegen, dass ich mich, mit meinem schlechten Orientierungssinn heillos in und um den Markt verlaufen hatte und mich plötzlich in sehr schmalen und dunklen Gassen wieder fand. Ist aber zum Glück alles gut gegangen wie ihr seht.

Jetzt sitze ich hier, in meiner WG und stelle fest, wie ungewöhnlich ruhig es gerade ist. Normalerweise herrscht hier eine ständige Geräuschkulisse, entweder von dem Hund aus der Wohnung über mir, der den ganzen Tag über durchbellt, oder dem Geschrei aus der Küche, wenn wieder einmal eine oder auch zwei fremde Katzen durch das Küchenfenster gesprungen kommen, um Sheilas Fressen zu klauen, was natürlich in einem erbitterten Kampf endet, der sich lauthals bemerkbar macht, bis ich, als Schiedsrichter, in die Küche gestürmt kommen und die fremden Katzen vertreiben muss. So langsam kann ich verstehen, dass mein Vorgänger in der WG wegen der Katze(n) ausgezogen ist.

Was auch sehr gewöhnungsbedürftig an meiner WG ist, dass es morgens kein warmes Wasser gibt, da dies hier durch Solarenergie aufgewärmt wird. Wenn die Sonne also, wie im Moment, morgens nicht scheint und man nicht daran gedacht hat, eine halbe Stunde früher den Schalter umzustellen, um das Wasser manuell aufzuwärmen, hat man einfach Pech gehabt und muss einen Kälteschock erleiden. Es ist hier ein bisschen wie beim Campen. Man muss improvisieren. 

Was mich noch nervt, wenn ich gerade schon dabei bin mich zu beklagen, ist, dass die Akademie ein einziges, riesiges Labyrinth ist, in dem es mir, selbst am dritten Tag, noch nicht möglich war, den Weg zum Klassenraum und auch den zu der Bushaltestelle, wieder zu finden, ohne mich mindestens 3 mal zu verlaufen. Es ist wirklich nervig, da alle Gebäude und Gänge einfach gleich aussehen. Das einzig Gute daran ist, dass man auf diese Art mit Leuten in Kontakt kommt, an denen man normalerweise wahrscheinlich einfach vorbei laufen würde. Gestern zum Beispiel war ich mit einer Kanadierin unterwegs, mit der ich verzweifelt das richtige Gebäude suchte, in dem der Kurs stattfand. Plötzlich wurden wir von einem arabisch aussehenden Jungen angequatscht, der, wie man erst auf den zweiten Blick sah, keine Augen mehr hatte. Da wo die Augen hätten sein sollen, waren einfach nur Löcher. Jedenfalls fragte er Genevieve, die Kanadierin gleich wo sie her kommt und sprach sofort in einem fließenden Französisch mit ihr, als er erfuhr, dass sie aus Montreal stammt. Und als er sie fragte, woher ihre Begleitung kommt, fing er plötzlich an, auch mit mir in einem fast akzentfreien Deutsch an zu plaudern. Leider hatten wir keine Zeit mehr länger mit ihm zu reden, da eben der Kurs schon angefangen hatte und wir ja immer noch auf der Suche nach dem Klassenraum waren. Ich hoffe, dass ich ihn nochmal treffe. Würde gerne wissen, warum er so viele Sprachen spricht.
Heute Mittag dann, als ich nach dem Kurs mal wieder auf der Suche nach der Busstation war, wurde ich auf einmal von einem Israeli in Militäruniform und einem riesigen Maschinengewehr angequatscht, ob ich wüsste "Where the library is?" Natürlich wusste ich es nicht, da ich ja nicht mal den Ausgang aus dem Uni-Campus fand. Aber ich finde es auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig, überall in der Stadt Männer und Frauen in Uniform und mit Maschinengewehr bewaffnet rumlaufen zu sehen... Wahrscheinlich werde ich es in ein paar Wochen schon ganz normal finden. Aber es ist und bleibt doch extrem.

Morgen fahre ich nach dem Kurs mit Lisa nach Tel Aviv, um sie bei einer WG-Besichtigung zu begleiten. Ich bin gespannt auf die Stadt. Hoffe dort ist es ein bisschen wärmer...

Und zum Schluss noch ein kleiner Gruß von Sheila, die mich heute Mittag mal wieder zutiefst genervt hat mit ihrem ständigen "Miau!"

Sonntag, 2. Februar 2014

Shalom!

Heute fand zum ersten Mal der Hebräisch-Kurs statt, weswegen ich um 6:45 Uhr (!!!) schon aufgestanden bin, da ich um 8:30 Uhr in der Akademie sein musste und Itai sagte, der Bus könnte manchmal um die vierzig Minuten bis auf den Mount Scopus brauchen, womit er auch recht hatte. Nach einigem Fragen hatte ich dann auch schnell das Ziel, die Cafeteria, erreicht, wo die Exchange-Students sich mit Sarit, der zuständigen Sekretärin treffen sollten um die wichtigsten Fragen vorab zu klären. Dabei stellte sich heraus, dass von den ca. 15 Austauschstudenten die Hälfte aus Deutschland kommt. Die andere Hälfte besteht aus Kanadierinnen, Tschechen, Französinnen, einer Australierin und einer Holländerin. Der Hebräisch-Kurs wird von einer Israeli, Dinah, geleitet, die scheinbar selber den größten Spaß bei ihrer Arbeit hat und teilweise wie ein Clown durch den Raum hüpft um die Leute zum Reden zu animieren. Es hat schon Spaß gemacht, allerdings ist hebräisch und das hebräische Alphabeth wahnsinnig kompliziert und von sehr vielen Ausnahmeregelungen geprägt, sodass der zweiwöchige Kurs natürlich nur das allernötigste beinhalten kann.

Blick von der Cafeteria über Jerusalem

Nach dem Kurs gingen Lisa und ich noch auf den Yehuda-Market, dem jüdischen Markt, wo es scheinbar am günstigsten ist Essen zu kaufen. Man muss sich hier wirklich zurück halten, um nicht den ganzen Tag und sein ganzes Geld für die köstlichsten Leckereien auszugeben! Das Obst und Gemüse ist doppelt so groß und schmeckt doppelt so intensiv wie in Deutschland und überall gibt es Blätterteiggebäck und mein geliebtes Baklava in sämtlichen Sorten! Es ist wie im Schlaraffenland!





Was mich auch sehr glücklich macht ist meine neueste Errungenschaft für mein Zimmer: Kissen!!! Wie glaube ich schon erwähnt, hatte Itai kein Bettzeug für mein Zimmer, weswegen ich die letzten Nächte nur mit der leeren Bettwäsche leben musste und meine Jacke und Handtücher als Kissen umfunktionieren musste. Von jetzt an weiß ich ein richtiges, weiches und elastisches Kissen wirklich zu schätzen!

Nun denn - ich werde mich jetzt noch schnell an meine Hebräisch-Hausaufgaben begeben und danach eventuell noch die ziemlich eklig dreinschauende Dusche putzen. Habe mich auf dem Yehuda heute extra noch mit neuen Schwämmen, Handschuhen und Putzmittel bewaffnet. Bis die Tage!

Sheila - die verfressenste Katze der Welt. Sobald man ihr in die Augen schaut, fängt sie an herzzerreißend zu miauen und hört minutenlang nicht mehr auf!