Am Donnerstagmorgen vor zwei Wochen ging ich mit Tamara in die Altstadt um den Tempelberg anzuschauen. Dieser hat nur morgens für ein paar Stunden für Touristen geöffnet, die meiste Zeit ist er ausschließlich für Muslime zugänglich und für Juden überhaupt nicht. Als wir aber das Jaffa-Tor erreichten um von dort aus durch den Basar zu laufen, wurden wir von Polizisten daran gehindert. Die Straße war, durch die Masse an Oster-Touristen, kurzfristig gesperrt, weshalb wir also einen Umweg durch das jüdische Viertel nehmen mussten. Nach ein paar Schritten wurden wir jedoch von einem Mann angehalten, der uns sagte, er hätte einen kleinen Schmuckladen um die Ecke und er würde für uns Ohrringe machen und schenken. Wenn ich das jetzt so schreibe, klingt es so wie wenn jemand versucht Kinder mit Süßigkeiten in sein Auto zu locken, aber wir dachten nicht lange drüber nach und gingen mit. Es war ein sehr kleiner Laden, mit schönem Schmuck, der allerdings ziemlich verstaubt war und aussah, als würde er schon seit Jahren dort hängen. Aber er machte sich tatsächlich gleich an die Arbeit und wir durften unsere Wünsche bezüglich der Ohrringe äußern. Währenddessen erzählte er uns einiges über sich und sein Leben. Leider habe ich seinen Namen vergessen. Er ist ein arabischer Christ, hat eine japanische Frau und drei Kinder. Er sagte, dass er die Aufdringlichkeit der meisten Händler auf dem Basar verabscheut und dass er lieber gezielt Leute anspricht, die er interessant findet, um sich dann länger mit ihnen zu unterhalten - so wie mit uns. Irgendwann saßen wir mit ihm in seinem winzigen Laden, tranken Tee und Kaffee und sprachen über Gott und die Welt. Bis es irgendwann mittag war und somit Zeit zum Essen. Wie sich herausstellte, hatte er alles was er brauchte unter den Tischen, auf denen er den Schmuck präsentierte versteckt. Er lud uns also ein, mit ihm zu essen und zauberte schnell die Zutaten für einen Salat, Schafskäse, Olivenöl, Brot und sogar einen Toaster hervor. Ein Hocker und eine kleine Pappplatte wurden zu einem Tisch umfunktioniert und der Tisch auf dem er vorher noch die Ohrringe gebastelt hatte, wurde zur Arbeitsplatte, auf dem er in Seelenruhe das Gemüse schnippelte. Er hatte uns vorher schon erzählt, dass er es liebt, sein Leben in Gelassenheit und Ruhe zu genießen und Geld ihm nicht wichtig sei. Und so hatte dieses langsame Arbeiten schon fast etwas meditatives. Also aßen wir nach etwa einer halben Stunde Salat mit aufgebackenem Brot und Halwa und philosophierten über das Leben, als plötzlich die Tür aufging und ein amerikanischer Tourist den Kopf durch den Spalt steckte. Als er uns dort sitzen und essen sah, wirkte er ziemlich verdutzt und verzog sich schnell wieder, was uns natürlich ziemlich amüsierte. Nach ein paar Minuten kam er allerdings zurück mit seiner Frau und seinen zwei kleinen Mädchen im Schlepptau, die den Schmuck und alles andere natürlich "AWESOME! AMAZING und SO LOVELY!" fanden. Und so kauften sie auch mal eben ein paar Souvenirs im Wert von 3200 Shekel, was umgerechnet ca 660 Euro sind!!! Aber Daddy war der Preis tatsächlich völlig egal, er wollte ihn letztendlich gar nicht so genau wissen, sondern wedelte nur mit seiner Kreditkarte herum. Klischeehafter hätte es wirklich nicht sein können. Auf jeden Fall war es sehr unterhaltsam. Nachdem die Familie wieder gegangen war, erzählte uns unser neuer Freund, dass er schon des öfteren mit Touristen die sich wie wir in seinem Laden verquatscht hatten, spontane Touren durch das Land gemacht hätte. Natürlich hatte er auch ein Zelt und alles was er zum Campen brauchte unter seinen Tischen versteckt. Und irgendwie waren wir nach all dem was er uns vorher über sich erzählt und gezeigt hatte, so fasziniert, dass es uns ganz normal und selbstverständlich vorkam und wir schon ernsthaft mit dem Gedanken spielten unsere für die nächste Woche geplante Tour mit ihm zusammen zu machen. So verabschiedeten wir uns nach etwa drei Stunden die wir in seinem Laden verbracht hatten wieder von ihm und gingen euphorisch weiter richtung Klagemauer. Der Tempelberg hatte inzwischen natürlich seine Pforten für Touristen geschlossen.
Abends fuhr ich dann mit dem Nesher-Taxi zum Flughafen um Johannes abzuholen. Ich war etwa eine Stunde zu früh dran, da es die letzte Fahrt an diesem Tag von Jerusalem zum Flughafen war. Johannes sollte gegen 23:20 landen. Als ich jedoch in der Empfangshalle ankam, las ich, dass sein Flug natürlich Verspätung hatte, wodurch ich letztendlich sage und schreibe 3 Stunden in dieser verdammten Halle verbrachte und die nicht enden wollende Ankunftswelle von russischen Oster-Touristen hautnah miterleben konnte. Gegen 1:30 Uhr wechselte meine Gefühlslage innerhalb von ein paar Sekunden von absoluter Genervtheit, zu großer Sorge, dass etwas mit dem Flugzeug passiert war bis wieder hin zu großer Vorfreude. Gegen 2 Uhr morgens kam er dann endlich raus. Scheinbar war die Schlange vor den Passkontrollen so lang, dass er über eine Stunde dort anstand. Alles nur wegen Ostern!
Am nächsten Tag zeigte ich ihm dann erstmal die Highlights der Stadt: Yehuda-Markt, Altstadt mit Basar, Klagemauer und Grabeskirche. Danach machten wir eine Pause im österreichischen Hospiz, bzw. auf dessen Dach, wo Johannes sich erstmal ein Gösser-Bier und ich mir eine Rübli-Torte genehmigte. Ein Stück "Heimat" im Orient.
Am Samstag waren wir mit "meinen Mädels", also Tamara, Eva und Annelies zum Ostereiermalen verabredet. Außerdem wollten wir das Ende der Fastenzeit mit einem selbstgebackenen Schokoladenkuchen zelebrieren. Eva und Tamara hatten sich nämlich das schwerste Opfer ausgesucht, das man wohl bringen kann: 40 Tage keine Schokolade. Wir starteten also mit original aus Deutschland importierten Ostereierfarben und waren so im Rausch, dass wir zu spät merkten, dass wir sämtliche vorhandene Eier gekocht hatten und keine mehr für den Kuchen übrig geblieben waren! Aber Chefkoch.de sei dank, fanden wir schnell ein Schokokuchen-Rezept ohne Eier und das Ergebnis konnte sich auch wirklich sehen lassen - zumindest bis er, nachdem wir ihn zum Auskühlen aus der Form und auf ein Kuchengitter gelegt hatten, nach ein paar Minuten plötzlich in seine Einzelteile zerbrach und wir auf einmal einen Trümmerkuchen vor uns hatten. Wahrscheinlich werden jetzt ein paar Mitglieder der Familie Hansen anfangen zu spekulieren, was genau die Ursache für dieses Kuchen-Desaster sein könnte, ich persönlich schiebe es auf den Ofen, aber nichtsdestotrotz war der braune Haufen ausgesprochen schmackhaft!
Bis Mittwoch lief die Zeit von Johannes Besuch sehr entspannt. Da Itai mir erzählt hatte, dass die Nordafrikanischen Juden das Ende des Pessach mit einem riesigen Picknick im Park zelebrierten, was jedes Jahr eine große Party war, wollten wir uns dieses Ereignis natürlich nicht entgehen lassen, aber entweder es war der falsche Tag oder der falsche Park, abgesehen von einer amerikanischen und einer ultra-orthodoxen Familie, waren wir fast die einzigen Picknicker an diesem Tag. Egal!
Am nächsten Tag gab es dann aber den ersten touristischen Programmpunkt außerhalb Jerusalems. Ein Ausflug ans Tote Meer. Wir fuhren mit dem Bus nach Ein Gedi und besuchten als erstes das Naturreservat dort um durch die Felsen zu wandern. Es war verdammt anstrengend durch die Hitze (32 Grad!) aber, nachdem wir die japanische Touristen-Gruppe vor uns endlich abgehängt hatten, echt faszinierend.
Unterwegs trafen wir zufällig auf Wolfram, einen deutschen exchange student von der Bezalel und seine Mutter, die auch über Ostern zu Besuch war und uns gleich von ihren bisherigen Erfahrungen erzählte. Interessanterweise stellte sich heraus, dass sie den gleichen, leicht verrückten Mann kennen gelernt hatte, wie schon Hanna und ich. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob ich davon berichtet hatte, aber Hanna und ich wurden auf dem Markt von einem Juden auf deutsch angesprochen, der uns gleich all seine Dokumente aus Deutschland präsentierte, die er scheinbar seit seinem Aufenthalt in den achtzigern dort, mit sich herumtrug. Ihr hatte er scheinbar ein paar unglaubliche Geschichten über eine Begegnung mit Josef Ratzinger im Krankenhaus und einer gemeinsamen Schachpartie erzählt. Sehr skurril. Aber da sieht man wider wie klein Jerusalem doch ist. Man trifft ständig Leute die man kennt.
Nach unserer Wanderung gingen wir an den Strand zum toten Meer, wo Johannes darauf bestand seiner Lieblingsbeschäftigung, Bier trinken, dort im, bzw. auf dem Wasser nachzugehen
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| Johannes und das Bier treiben nach Jordanien |
Am nächsten Tag trafen wir uns morgens mit Annelies, Eva und Evas noch inoffiziellen, israelischen Freund Yuval an der Central Station um einen Trip in die Wüste zu machen. Eva hatte von einem deutschen Freund den Tip für ein Camp bekommen, in dem wir eine Nacht verbringen und am nächsten Tag einen Kamelritt machen wollten. Also fuhren wir mit dem Bus zuerst in die Stadt Beer Sheva und von dort aus weiter nach Nizzana, tief in den Westen des Landes, nur ein Steinwurf von der ägyptischen Grenze entfernt. Unterwegs, auf der Fahrt durch die Wüste kamen wir immer wieder an Militärstationen vorbei, in denen die jungen Soldaten ausgebildet wurden. Es war schon etwas bizarr, als ich, nachdem ich kurz eingedöst war, die Augen öffnete und plötzlich ein mit Soldaten und schwerem Geschütz beladener Panzer an uns vorbei fuhr.
Als wir Nizzana erreichten und dort auf den Mitarbeiter des Camps warteten der uns abholen sollte, war es fast unerträglich heiß! Die Busse sind so gut klimatisiert, dass man beinahe schon einen Schock bekommt, wenn man sie nach zwei Stunden Fahrt wieder verlässt. Aber zum Glück traf der Fahrer bald ein und uns wurde schnell klar, warum er Eva am Telefon davon abgeraten hatte, das Stück zwischen Nizzana und Ezuz, dem Dorf, in dem sich das Camp befand, zu Fuß zurück zu legen. Wir wären vermutlich schon nach ein paar Schritten zusammengebrochen!
Als wir in dem Camp ankamen, setzten wir uns eine Weile mit den anderen Mitarbeitern dort an einen großen Tisch und tranken Tee. Wie sich herausstellte, gab es fast nur Volunteers die dort arbeiteten, alle ca. mitte zwanzig und wahnsinnig nett, aufgeschlossen und entspannt und wir worden sofort als "Part of the family" angesehen. Das war, wie wir schnell herausfanden, auch im Grunde das Motto dieses Ortes: Gute Laune und Entspannung. Es wirkte, abgesehen von ein paar holländischen und französischen Familien, die mit ihren großen schicken Koffern nicht ganz so ins Bild passten, ein bisschen wie in einer Hippie-Kommune. Und so setzten wir uns, nachdem wir ein wenig herumgeführt und über die wichtigsten Dinge informiert wurden, vor unsere kleine Hütte in die Hängematte und genossen den Schatten und die Ruhe dort.
Irgendwann lud uns Smuel, einer der Volunteers ein, mit ihm in seinem offenen Geländewagen zu dem nahe gelegenen Dorf zu fahren. Das nahmen wir natürlich an und so standen wir ein paar Minuten später in dem sogenannten Dorf, dass aus 17 Familien und ein paar improvisiert zusammen gebauten Häusern bestand. Wir besuchten zuerst einen kleinen Laden, in dem eine aus Kenia stammende Frau zusammen mit ihrem Mann Ziegenkäse aus eigener Herstellung verkaufte. Nachdem sie uns alles probieren ließ, was, wie sie sagte, die Ostertouristen in der Woche vor unserem Besuch übrig gelassen hatten, und Johannes uns auf eine Portion Joghurt (in den Geschmacksrichtungen Zimt, Vanille oder Kaffee) eingeladen hatte, schlenderten wir ein wenig durch das sehr verlassen wirkende Dorf. Wir sahen tatsächlich mehr Tiere als Menschen dort. Die Kenianerin hatte uns erzählt, dass sie zusammen mit ihrem Mann das Dorf 1983 gegründet hatte. Vor ihnen hatte es keine Menschenseele dort gegeben und erst 1985 wurde es offiziell als Dorf anerkannt.
Nach dem Essen legten wir uns an das Lagerfeuer nahe unserer Hütte, tranken Tee und schauten uns den Sternenhimmel an, der durch die nicht vorhandenen künstlichen Lichter natürlich atemberaubend war. Nach einer kleinen Umzugsaktion bezüglich eines Ameisenhaufens, in dem Johannes und Annelies sich aus Mangel an Licht aus Versehen gesetzt hatten, lagen wir also stundenlang dort, zählten Sternschnuppen (oder wie Annelies sie im holländischen nannte: "fleihender Ster") und sprachen über Gott und die Welt. Irgendwann ging Johannes rüber zu den Volunteers die, nachdem sie die Küche aufgeräumt hatten, an ihrem Tisch zusammen saßen und redeten, um sich ein Bier zu holen. Als er nach etwa einer Stunde nicht mehr zurück kam, dachte ich mir schon, dass er sich dort wieder einmal fest gequatscht hatte und ging ebenfalls hin um nachzuschauen. Und so verbrachten wir alle den Rest des Abends dort, tranken Arak (arabischer Schnaps), rauchten und sprachen mit den israelischen Volunteers und ein paar anderen Gästen aus aller Welt über den Sinn des Lebens und über die verschiedenen Kulturen aus denen wir stammten. Es war schon fast surreal an diesem Ort zu sein. Mit so etwas hatten wir nicht gerechnet und wir überlegten ernsthaft, noch einen Tag länger dort zu verbringen.
Aber am nächsten Tag stand erstmal, nach einem fantastischen Frühstück, das Johannes natürlich verschlief, der Kamelritt an. Nach einer kurzen Einführung, suchte Johannes das Kamel "Jabba" für uns heraus, was, wie sich herausstellte scheinbar auch das freundlichste war, da es von unserem Guide als das Streicheltier für die anderen Leute der Gruppe herausgesucht wurde. Nicht alle würden es mögen, wenn man sie berührte.
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| Unser sehr fotogenes "Kamel" Jabba |
Der Ritt an sich war eher unspektakulär. Man musste sich an den Rhythmus gewöhnen und für mich stellte sich schon nach ein paar Minuten heraus, dass ich es bevorzuge auf einem Pferd zu sitzen. Außerdem war es natürlich wahnsinnig heiß. Nach etwa einer halben Stunde Ritt durch die Wüste, machten wir eine kurze Pause und der Guide erklärte uns einige interessante Dinge über den Körper und den Charakter eines Kamels. Nebenbei bemerkt gibt es bei den Israelis scheinbar keinen Unterschied zwischen Kamel und Dromedar. Wir hatten am Abend zuvor eine kleine Diskussion mit Yuval darüber, der überzeugt davon war, dass es keine unterschiedlichen Bezeichnungen für einhöckrige und zweihöckrige Kamele gäbe. In Ermangelung einer Internetverbindung, konnten wir ihn leider nicht von dieser Meinung abbringen und so ritten wir auf den sogenannten Kamelen, die in Deutschland (und übrigens laut Annelies auch in Holland) eindeutig als Dromedare identifiziert worden wären, zurück ins Camp. Nachdem wir unser Matratzenlager zusammengeräumt, unsere Sachen gepackt und für diesen unvergesslichen Aufenthalt bezahlt hatten (alles in allem gerade einmal 70 Euro!), fuhr Smuel uns wieder zur Bushaltestelle nach Nizzana. Natürlich nicht ohne Nummern auszutauschen und ohne die Einladung jederzeit wieder kommen zu dürfen.
Dank wieder funktionierender Internetverbindung, fand ich heraus, dass der nächste und auch letzte Bus an diesem Tag (es war Freitag und somit bald Sabbat) erst in 1 1/2 Stunden fuhr, und so machten wir es uns in der schattigen Bushaltestelle gemütlich, während ich, in meiner neuen, offiziellen Funktion als "Leuchtturm" (eine Anspielung von Eva auf die Wirkung meiner Haarfarbe auf die Leute hier), alle 10 Minuten aufstand, um mein Glück als Tramperin zu versuchen. Leider bogen die meisten Autos vor der Bushaltestelle nach Nizzana ab und das einzige Auto, das während dieser Wartezeit überhaupt anhielt, war mit zwei Männern besetzt, die nur wissen wollten, was der schnellste Weg nach Eilat wäre... Aber wir vergnügten uns die Wartezeit mit dem schreiben eines Gedichtes über unseren Aufenthalt in dem Camp. Leider ist der Zettel auf dem es steht gerade noch in Besitz von Annelies, aber vielleicht werde ich es demnächst nachtragen.
Zu unserer Erleichterung kam der Bus dann tatsächlich pünktlich und wir erreichten problemlos unseren Anschluss in Beer Sheva nach Jerusalem.
Am Samstag trafen wir uns erst zum Hummus-Frühstück mit den Mädels und Yuval am Damaskustor, und fuhren dann von dort aus mit dem arabischen Bus richtung Jericho. Ich hatte den Hummus-Verkäufer vorher gefragt, wie man am besten dorthin kommt, da es keine direkte Verbindung von Jerusalem zum Westjordanland gehörende, Jericho gibt. Wir sollten also erst in die nahe Kleinstadt Maale Adumim und von dort aus weiter mit einem arabischen Sammeltaxi, dem sogenannten "Service" weiter fahren. In Maale Adumim mussten wir allerdings sehr lange warten, bis dass Taxi voll war und endlich los fuhr. Während wir auf dem Bürgersteig saßen und mit den anderen Mitfahrern warteten, sprach mich ein älterer Mann neben mir mit den üblichen Einstiegssätzen "Where are you from, what are you doing here, blablabla..." an und nach einigen Minuten hatte ich plötzlich eine Einladung von ihm nach Jordanien, wo seine Frau und zwei seiner Kinder lebten. Nicht dass ich ernsthaft darüber nachdenke die Einladung anzunehmen, zumal Johannes natürlich alles andere als begeistert daneben saß, aber nett ist es schon, wenn man diese Gastfreundschaft ernst nehmen kann.
Als wir endlich in Jericho ankamen, gingen wir zuerst in die Touristen-Information da wir, außer den kurzen Infos in meinem Reiseführer, überhaupt keinen Plan hatten. Der Typ im Reisebüro war sichtlich erfreut uns die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt aufzuzählen und schlug uns am Ende vor, einen Freund anzurufen der uns herum fahren würde. Wir waren uns diesbezüglich nicht sicher und beschlossen, erst einmal so los zu laufen. Nach ein paar Metern wurden wir allerdings auch schon angehupt und ein gut gelaunter Kerl fragte uns aus seinem weißen Mercedes "Are you the Germans?". Also stiegen wir kurzerhand doch zu ihm ein und verhandelten auf der Fahrt zu unserem ersten Ziel, dem "Tree of Zachäus", den Preis für die Tour. Im Nachhinein bin ich sicher, dass er uns ziemlich abgezogen hat, aber man kanns nicht mehr ändern. Den "Special-students-Price" den er für uns machte, belief sich letztendlich auf insgesamt 200 Shekel, also 20 Euro pro Person. Aber wie auch immer. Wir fuhren schließlich auf einen Parkplatz, auf dem sich die Reisebusse schon aufreihten, und gingen zuerst in ein Restaurant, wo Ahmed, unser Fahrer uns auf einen Tee, bzw. Kaffee einlud. Danach schleppte er uns in einen Laden, der sich auf Totes-Meer-Kosmetik spezialisiert hatte. Wir hatten überhaupt nicht vor dort etwas zu kaufen. Wahrscheinlich dachte er aber, nachdem Johannes vom Klo zurück kam und plötzlich drei frisch erworbene Aschenbecher präsentierte, dass wir auf der Jagd nach Souvenirs wären. Außerdem schien er sämtliche Verkäufer und Kellner in diesem - nennen wir es mal Einkaufscenter - zu kennen. Und so kümmerte sich auch gleich ein Angestellter um uns, der uns jedes Produkt dort für die Hälfte andrehen wollte, wobei er natürlich fast nur die teuersten Cremes und Peelings zeigte. Am Ende hatte er mich tatsächlich so weit und ich kaufte ein Set für insgesamt 50 Euro, was aber tatsächlich nur die Hälfte des ursprünglichen Preises war. Und nach dem ersten Totes-Meersalz-Peeling kann ich bestätigen, dass es sich gelohnt hat!
Danach "befahl" Ahmed uns, die "Old-City" anzuschauen. Er würde so lange auf uns warten. Diese sogenannte Altstadt entpuppte sich dann als stinklangweilige Ausgrabungsstätte. Es gab dort nichts zu sehen als einige Sandhügel und zwischendurch ein paar Steine, wobei man sehr viel Fantasie brauchte um sich vorzustellen, dass dies einmal eine bebaute Stadt war. Wir waren froh als wir wieder auf dem schattigen Parkplatz standen und uns ein bisschen an einer der berühmten Quellen erfrischen konnten.
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| Es gibt übrigens keinen Ort in Jericho an dem man nicht mit diesem Satz konfrontiert wird! |
Ahmed lud uns daraufhin wieder ein und fuhr uns zu einer anderen Quelle, an der wir unsere Füße abkühlen sollten. Nun, da ich davon berichte, klingt es ein bisschen wie ein Vater, der seinen Kindern sagt, was sie zu tun haben, und ehrlich gesagt war es auch ein bisschen so, obwohl er gerade einmal 32 Jahre alt ist, aber in diesem Moment waren wir irgendwie froh, dass wir jemanden hatten, der sich auskannte, da es wieder einmal furchtbar heiß war und wir dort unmöglich hätten laufen können. Also steckten wir unsere Füße in diese Quelle, die laut Ahmed berühmt für ihre Mineralien war, was auch echt gut tat. Das einzige was nicht so ganz dazu passte war, das zwischendurch immer mal wieder Müll in Form eines Plastikbechers und sogar eines noch verschlossenen Schokoriegels an uns vorbei schwamm...
Danach fuhren wir zum Berg der Versuchung, also dem Ort, an dem Jesus 40 Tage lang gefastet und dann der Versuchung des Teufels widerstanden hatte. Da das in den Fels gehauene Kloster auf der Spitze des Berges schon geschlossen hatte, stellte Ahmed das Auto an einem Aussichtspunkt ab, damit wir wenigstens den Blick von dort genießen konnten.


Irgendwann fragte ich ihn aus Neugier, ob er Moslem oder Christ sei, woraufhin er antwortete er sei Moslem und auf einmal nicht mehr aufhörte zu erzählen wie man sein Leben am besten lebt, wenn man sich genau an die Worte aus dem "Old Book" hält, was man tun und lassen sollte und wie der Teufel Unheil über die Menschen bringt, wenn man sich zu gewissen Dingen verführen lässt. Hätte er nicht gesagt, dass er Moslem ist, wäre er genauso gut als strenger Katholik durchgehen können. Aber es war ganz interessant seine Sicht der Dinge zu hören, zumal man dieses konservative Denken bei ihm gar nicht erwartet hätte. Irgendwann gegen Ende seines Monologs kam plötzlich eine schwarz verhüllte Frau den Berg herunter. Ahmed, der offensichtlich ein ausgeprägtes Helfer-Syndrom hat, fragte sie natürlich direkt, ob er sie mitnehmen solle, wo auch immer sie hin möchte. Er dachte wohl sie sei eine Nonne, da er sie ständig mit "Sister" ansprach, aber nachdem die sehr schüchterne Frau irgendwann zögernd in das Auto stieg und wir zurück in die Stadt fuhren, stellte sich heraus, dass sie keinem Orden angehörte und allein durch die Welt pilgerte. Sie wirkte sehr verschüchtert und weltfremd. Als ich sie fragte woher sie kommt, antwortete sie entschuldigend, dass sie nicht gern über sich redete und sie nur jeden Tag mit Gott besprach, wohin sie gehen sollte. Erst wollte sie, dass Ahmed sie zum Franziskanerorden in die Stadt fuhr. Dort angekommen schlug er ihr allerdings vor, noch etwas mit uns zu trinken. Johannes und ich merkten recht schnell, dass sie extrem verunsichert war, nur Ahmed schien das nicht zu verstehen oder wollte es nicht akzeptieren. Nach einigen Minuten fuhr er uns dann einfach kurzerhand zurück in das Restaurant, wo er uns alle nochmal auf Wasser, Tee, Kaffee, Baklava, Limo und Obst einlud. Es war natürlich sehr nett von ihm gemeint, aber die Frau fühlte sich sichtlich unwohl in dieser Umgebung. Sie aß und trank zwar zögernd das ihr angebotene Essen, erklärte aber nach ein paar Minuten mit ihrer Ruhigen, zittrigen Stimme, dass sie dies nur tue um uns einen Gefallen zu tun. Sie erklärte, dass sie gerne mit "normal people" wie uns zusammen sei, um zu sehen wie wir lebten, aber dass sie glaube, wir könnten schnell Angst vor ihr kriegen, da sie so anders sei, für etwas büßen müsse und sich deswegen immer mit Gott abspreche. Sie wirkte ein bisschen wie besessen und so war es einerseits interessant, was sie erzählte, andererseits aber auch etwas beängstigend. Ahmed kam währenddessen immer nur für ein paar Sekunden an unseren Tisch um uns Essen und Getränke hinzustellen und verschwand dann wieder um mit irgendwelchen Leuten zu sprechen. Irgendwann sagte die Frau zu ihm, er solle doch mal sitzen bleiben und mit uns reden. Es war eine sehr seltsame Situation. Ahmed wollte uns sichtlich mit seiner Gastfreundschaft und Großzügigkeit beeindrucken, während die Frau viel mehr an einem Gespräch interessiert war, was dadurch, dass er einfach nicht richtig zuhörte und sie ständig unterbrach einfach nicht funktionierte. Und so fuhren wir nach einer Weile wieder los. Ahmed war inzwischen sichtlich genervt von der Frau und sagte, er wolle bald nach hause. Also fuhr er uns wieder zur Taxi-Station und die Frau zum Franziskaner-Kloster, wo sie übernachten wollte.
So verlief unser Ausflug nach Jericho ziemlich anders als gedacht, da wir so gut wie keine Sehenswürdigkeiten besichtigt hatten. Aber es war zumindest eine interessante Erfahrung.
Auf dem Weg nach Ma'ale Adumim, wo wir wieder umsteigen mussten, kamen wir an einer arabischen Hochzeitsgesellschaft im Autokorso vorbei, die fast den ganzen Verkehr auf der Autobahn lahm legten. Plötzlich gab es einen riesigen Knall, ein Motorrad kam an uns vorbei geschlittert und kurze Zeit später Gott sei dank auch der Fahrer der scheinbar unverletzt geblieben war. Das war wieder einmal so ein Moment, in dem wir die Strukturen und die Ordnung in Deutschland vermissten. Als wir in der Stadt ankamen, nahm die Hochzeitsgesellschaft, mit ihrer auf den Autos sitzenden Gäste, auch mal eben die ganze rechte Spur in Anspruch, woraufhin die anderen Fahrer spontan auf der linken weiter fuhren. Irgendwann gab es ein paar Gewehrschüsse für das Hochzeitspaar, eine Tradition bei der üblicherweise ein, oder zwei Menschen durch Pistolen-Kugeln verletzt oder getötet werden, wie Tamara uns später am Abend erzählte. Verrückt...
Eigentlich hatten wir vor gehabt am Sonntag, Johannes letztem Tag hier, nach Tel Aviv zu fahren. Aber nachdem ich am Morgen aufwachte und mein Auge sich anfühlte, als würde ein ganzer Ast darin stecken, beschlossen wir, in Jerusalem zu bleiben und den Tag gemütlich ausklingen zu lassen. Vermutlich hatte ich mir durch die Zugluft in dem Taxi nach Jericho eine Augenentzündung eingefangen. Auf jeden Fall fing es während des ganzen Tages immer wieder an zu brennen und zu tränen. Also gingen wir irgendwann mit einer Flasche Wein in den Park und setzten uns auf eine Bank mit Blick auf die Altstadtmauer. Ein paar Minuten später gesellte sich eine Katze zu uns, die so zutraulich und verschmust war, dass wir nach einer Stunde, in der sie eingerollt auf meinem Schoß lag, schon drauf und dran waren sie zu adoptieren - bis sie plötzlich, ohne Anlass, runter sprang und zu einem anderen Paar eine Bank weiter lief, um dort ebenfalls ihren Charme spielen zu lassen, das kleine Flittchen! Und das nachdem wir ihr vorher zig Kletten aus dem Fell gezupft hatten...
Gegen 3 Uhr morgens kam dann das Sammeltaxi, dass uns zum Flughafen nach Tel Aviv fuhr und Johannes hob um halb 8 wieder richtung Deutschland ab. Da ich auch erst um diese Zeit wieder zuhause ankam und ich sofort totmüde ins Bett fiel, verpasste ich leider die Sirene, die gestern, am Holocaust-Gedenktag als Zeichen der Erinnerung, erklang. Während dieser Sirene standen alle Menschen, selbst die Autos auf der Autobahn, im ganzen Land für zwei Minuten still - und ich lag im Bett... Schade, aber scheinbar gibt es nächste Woche nochmal einen Gedenktag mit der gleichen Prozedur, diesmal in Erinnerung an die Gefallenen der israelischen Unabhängigkeitskriege. Und kurz danach ist der Unabhängigkeitstag, weswegen auch jetzt schon überall Flaggen an den Autos und den Straßenlaternen wehen. So liegen Trauer und Freude in Israel sehr nah beieinander...
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| Zum Schluss noch ein kleiner Gruß an die Familie Hansen! |







































































