Also es ist so, dass die Kirche auf dem Ort gebaut wurde, an dem Jesus sowohl gekreuzigt, als auch begraben worden sein soll. Allerdings haben die Römer damals einen Tempel über jenem Ort gebaut um die Anhänger Jesus davon abzuhalten einen Reliquienkult daraus zu entwickeln. Erst 326 nach Christus gab Kaiser Konstantin den Bau der Basilika in Auftrag. Nach einigem Hin und Her ist die Kirche heute in der Hand von insgesamt 6 verschiedenen Konfessionen, nämlich:
- Griechisch-Orthodoxen
- Römisch-Katholisch (vertreten durch den Franziskanerorden)
- Armenisch-Apostolische Kirche
- Syrisch-Orthodoxen
- Kopten
- Äthiopisch-Orthodoxen
Letztere leben in einer Gruppe von Mönchen übrigens auf dem inzwischen einsturzgefährdeten Dach der Kirche. Dieses wird allerdings auch von den Kopten beansprucht. Und dieser Streit verhindert letztendlich auch die Renovierung des Daches. Ich habe bei meinen Recherchen gelesen, dass ein Gericht sogar zwischen den beiden Parteien schlichten musste und einem äthiopischen Mönch sein recht zusprechen musste, mittags auf dem Dach zu sitzen und die Sonne zu genießen. Eben jenen habe ich bei meinem letzten Besuch sogar abgelichtet, ohne diesen Hintergrund zu kennen.
Aufgrund dieser und anderer Streitigkeiten zwischen den Konfessionen, befindet sich der Schlüssel zur Kirche auch schon seit Jahrhunderten im Besitz zweier muslimischer, und somit unparteiischer Familien, die morgens die Kirche auf- und abends wieder abschließen.
Da die verschiedenen Konfessionen um jede Nische in der Kirche als ihr Territorium kämpfen, bleiben die Geistlichen auch Nachts dort. Und jedwede bauliche Maßnahme ist natürlich aufgrund der komplizierten Besitzverhältnisse mit Komplikationen verbunden. Als das absurdeste Beispiel ist eine Leiter zu nennen, die im 19. Jahrhundert dort aufgestellt wurde und die inzwischen nutzlos geworden ist. Da nicht eindeutig geregelt ist, welche Konfession dazu befugt ist sie zu entfernen, wird sie wohl noch die nächsten hundert Jahre dort stehen und vergammeln...
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| Jene Leiter unter dem zweiten Fenster |
Und nicht nur der Besitz innerhalb der Basilika ist genau geregelt, sondern auch die Zeit wer wann wie wo und wie lange beten darf. Ab und zu führt der Streit dann auch zu Handgreiflichkeiten, wie dieses Video zeigt
Also ich versuche ja Religion zu respektieren. Nicht zuletzt weil ich selber aus einer sehr religiösen Familie stamme. Aber hier fällt mir das, je häufiger ich in die Altstadt gehe, tatsächlich immer schwerer. Dieser Kleinkrieg zwischen den verschiedenen Konfessionen ist für mich der größte Kindergarten den ich seit langem gesehen habe. Vor allem wenn man sich vor Augen führt, dass sie im Grunde alle an das gleiche glauben und nur wenig voneinander unterschieden, was ihren Glauben angeht. Einfach lächerlich. Es könnte so einfach sein, wenn jeder sich mit der Tatsache zufrieden geben würde, dass es einen Gott gibt (oder meinetwegen auch keinen) der über allem steht. Punkt. Warum dieser Streit um irgendwelche Orte an denen vor zweitausend Jahren ein Mensch angeblich irgendwelche Dinge bewirkt hat? Und selbst wenn er sie bewirkt hat. Was hat man davon einen Stein abzuknutschen auf dem vielleicht sein Leichnam gelegen hat, wenn kurz darauf seine Vertreter auf Erden aufeinander losgehen?!
- Themawechsel -
Gestern hatte ich nun endlich meinen ersten Meeting Point, nachdem ich ja vorher zweimal das Pech hatte vor verschlossenen Türen zu stehen. Mein Treffen mit dem Professor Joshua Borkovsky war echt interessant. Ich zeigte ihm ein Foto meiner aktuellen Arbeit in Stuttgart und meine hier angefangene Zeichnung und er stellte mir einige Fragen, über die ich bisher noch nie richtig nachgedacht hatte. Es war wirklich ein gutes Gespräch, nur leider waren 30 Minuten viel zu kurz, was er auch bestätigte und weswegen er auch meinte, als schon der nächste Student vor der Tür stand, dass er mich gern nochmal nächste Woche sprechen würde und zwar so, dass nach mir keine weitere Person dran kommt um ihm dann auch meine anderen Zeichnungen zu zeigen. Es war wirklich toll und überraschend so gutes Feedback zu bekommen. Zumal ich den Meeting Point mit ihm ja eigentlich nur als Notlösung ausgewählt hatte, nachdem ich den Painting-Kurs gecancelt hatte. Umso glücklicher und motivierter war ich daher nach dieser Besprechung!
Heute dann im Drawing-Kurs hat Arkadiusz, unser Lehrer, dann versucht uns die Konzeptkunst näher zu bringen indem er uns unzählige Fotos und teilweise auch Videos zeigte, was echt interessant war. Über die Pessach-Ferien will er uns dann eine kleine Aufgabe geben um unser eigenes "Konzept-Kunstwerk" zu schaffen. Klingt ziemlich bescheuert, aber bitte, ich bin sehr gespannt was dabei herauskommt. Nicht zuletzt weil es ein paar Mädchen in diesem Kurs gibt, die - auch wenn ich jetzt wieder gemein und arrogant klinge - einfach auf einem völlig anderen künstlerischen Niveau sind, als es die Kunstakademien in Deutschland oder Europa generell akzeptieren würden. In dem Sinne dass sie "hübsche" bunte Landschaftsbilder und surrealistisch anmutende, symbolbeladene Selbstportraits anfertigen, die nicht einmal gut gemalt sind. Als Arkadiusz mit seiner Einführung in die Konzeptkunst fertig war, blieb noch ein bisschen Zeit bis zum offiziellen Unterrichtsende und da er uns vorher unter anderem das Video von John Lennons "God" gezeigt hatte, meinte er wir könnten ja noch ein "Schlusslied" auf Youtube anhören. Woraufhin eins dieser "Oh my god, it's SO beautiful, I LOVE it!"-Girls dann tatsächlich vorschlug, den Soundtrack von Forest Gump anzuhören... Arkadousz überging diesen Vorschlag Gott sei Dank gekonnt und suchte schließlich selbst etwas aus.
Um 16:30 Uhr sollte ich dann meinen nächsten Meeting Point mit Tamar Getter haben, jener Professorin die beim letzten Treffen krank war, was ich nicht mitbekommen und die ich deswegen lach langem Warten angerufen hatte, was in einer ziemlich peinlichen Situation endete... Also wartete ich die 3 1/2 Stunden zwischen dem Drawing-Kurs bis zu meinem Termin - um dann von ihr zu erfahren, dass aufgrund der überzogenen Gespräche mit den Studenten vor mir, keine Zeit mehr für mich übrig blieb. Super! Aber das Treffen wird nächsten Dienstag nachgeholt und sie hat mir versichert, dann sogar 45 anstatt der vorgesehenen 30 Minuten meine Arbeiten zu besprechen. Ich bin gespannt und hoffe, dass sie sich dann nicht mehr an diese komische Deutsche erinnern kann, die sie vor ein paar Wochen am Telefon so belästigt hat...


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