Samstag, 22. März 2014

Ramallah


Heute nur ein kurzer Bericht.
Nachdem ich am Donnerstag spontan die ganze Nacht mit meinem werten Herrn Freund telefoniert habe und erst gegen 5:30 Uhr ins Bett gegangen bin, blieb vom Freitag dementsprechend nicht mehr viel übrig. Ich bin auf den Markt gegangen und hab sowohl auf dem Weg dorthin als auch zurück Annelies, eine holländische Austauschstudentin aus der Akademie getroffen. Diese Stadt ist wirklich klein...

Heute hatte ich mir vorgenommen nach Ramallah zu fahren, bin deswegen extra "früh" (2 Uhr) ins Bett gegangen - und hab trotzdem verschlafen. Ich weiß nicht woran es liegt (garantiert nicht an meiner Matratze) aber ich kann hier einfach viel länger schlafen, bzw. mehr Zeit im Bett verbringen als zuhause. Obwohl es hier doch eigentlich viel mehr Gründe gibt aufzustehen. Keine Ahnung. Jedenfalls wars dann doch schon wieder 12 Uhr als ich aufgewacht bin und 12:30 Uhr als ich endlich aufstand. Aber was solls. Irgendwann machte ich mich also auf Richtung Damaskus-Tor, in dessen Nähe sich der Arabische Busbahnhof befindet, und setzte mich in den Bus nach Ramallah.
Ramallah ist eine der größten Städte im palästinensischen Autonomiegebiet und liegt nur 15 km von Jerusalem entfernt. Dennoch hat es fast eine Stunde gedauert, bis wir im Zentrum der Stadt ankamen. Kaum dass ich aus dem Bus stieg und die Straße betrat, spürte ich auch schon die Blicke der Menschen um mich herum. Obwohl die Stadt zu einem sehr großen Teil von Christen bewohnt ist, sah ich vorwiegend muslimische Frauen mit Kopftüchern. So fiel ich natürlich wieder einmal auf mit meinen Haaren und meiner Knöchelfreien Hose. Und ich fühlte mich natürlich wie unter Beobachtung und ziemlich unfrei, während ich durch die sehr belebten Straßen lief. Viel hat Ramallah eigentlich nicht zu bieten. Daher beschränkte ich mich auf die Straßen rund um den Manarah-square, wo es von Geschäften jeder Art, Friseuren, Metzgereien und Märkten nur so wimmelt. Unterwegs kam ich mir manchmal wirklich vor wie im Film, wenn die Männer mich mit ihren Blicken verfolgten, teilweise sogar andere auf mich aufmerksam machten, mir nachzischten, Komplimente und immer wieder "welcome to Palestine!" zuriefen. Einerseits war es natürlich nett, andererseits aber auch extrem anstrengend. Ich hätte mich gerne einfach mal für eine Weile irgendwo hingesetzt und den Spieß umgedreht, also die Palästinenser beobachtet, oder einfach nur unsichtbar gemacht. Nur leider gab es absolut keine Gelegenheit dazu, da es weder Bänke oder Stühle, noch einladende Cafés dort gab. Die einzigen Cafés die ich sah, waren ausschließlich von Männern besucht und waren auch alles andere als gemütlich. Schade. Also ließ ich mich durch die Straßen treiben und ging zwischendurch immer wieder in kleine Supermärkte, um ein paar Dinge zu kaufen, wie Nudeln und Hummus, die in Palästina viel günstiger sind als in Israel. In einem Supermarkt fragte ich den Verkäufer, ob er wüsste wo ich gutes Olivenöl kaufen könnte. An meinem ersten Tag in Jerusalem, als ich mit Lisa durch den arabischen Basar ging, kaufte ich dort eine Flasche Olivenöl, da ich nicht wusste, ob Itai welches zuhause hatte. Als er das später sah meinte er, es sei gut, dass ich es dort gekauft hatte, da palästinensisches Olivenöl viel besser ist als das israelische, womit er übrigens recht hat. Ich hab bis dahin gar nicht gewusst wie gut Olivenöl schmecken kann! Also fragte ich wie gesagt den Verkäufer, ob er mir einen Laden empfehlen könnte, woraufhin er kurzerhand in das Regal neben sich griff und aus der hintersten Ecke eine kleine Plastikflasche, gefüllt mit, wie er sagte, von ihm selbst gemachtem Olivenöl von seinen eigenen Bäumen, hervorholte. Es roch köstlich und als ich ihn fragte was es kosten sollte, gab er es mir "as a gift". Ich liebe Geschenke!
Nachdem ich danach weiter durch die vollen Straßen des Stadtkerns lief, brauchte ich einfach mal eine Pause und bog irgendwann in eine Straße eine ruhigere Straße ein. Es war einerseits interessant, endlich einmal den Blick schweifen und die Stadt auf sich wirken lassen zu können, ohne ständig Gesichter zu sehen die einen anstarren, aber andererseits auch etwas unheimlich, da vereinzelt immer wieder kleine Gruppen von Männern an mir vorbei liefen, die keinen Hehl daraus machten, was sie über mich dachten... Was mir jedenfalls unterwegs auffiel: Die Stadt war noch zugemüllter als Jerusalem und das will was heißen. Das was wir in Deutschland über Plastikmüll wissen und dementsprechend versuchen auf Tüten usw. zu verzichten, ist hier absolut kein Thema. Ich habe das Gefühl, dass Plastikverpackung hier den Wert eines Gegenstands sogar erhöht. Unterwegs habe ich einen Stand mit Möbeln gesehen, der einen Holztisch mit passenden Stühlen, in einem Stück und komplett mit Plastikfolie zum Verkauf angeboten hat. Total absurd! Es wäre doch viel praktischer jeden Stuhl und den Tisch einzeln zu transportieren! Aber dadurch, dass sie alle zusammen verpackt sind, wird es wohl gleich aufgewertet. Und genauso ist es mit allem was man kauft. Teilweise versuchen sie einem, wenn man nicht lautstark protestiert, so wie ich, alles was man so kauft in ZWEI Plastiktüten zu tun. Frei nach dem Motto doppelt hält besser. Es wird allerhöchste Zeit, dass die Aufklärung über Plastik hier Einzug erhält. Es kotzt mich inzwischen wirklich an zu sehen wie achtlos die Menschen mit der Umwelt hier umgehen. Und ich kann es auch absolut nicht nachvollziehen, da doch jeder Idiot sehen müsste, dass es einen Ort an dem überall Müll herumliegt nicht gerade attraktiver macht...
Irgendwann reichte es mir dann und nachdem ich mir noch schnell eine kleine Portion Baklava kaufte, ging ich zurück zum Bus nach Jerusalem. Am Checkpoint dauerte es eine Weile bis wir auf die andere Seite kamen, da es einen ziemlich langen Stau gab, dadurch bedingt, dass Grenzsoldaten jedes einzelne Auto und jeden Bus auf Ausweise kontrollierten.

Aber jetzt bin ich wieder zuhaus und stelle fest, dass es auch weniger gutes Baklava gibt, obwohl es köstlich aussieht. Aber irgendwie schmeckt es so, als wäre außer Zucker kaum eine andere Zutat verwendet worden. Schade. Fazit: Ramallah ist eine Stadt in die ich so schnell kein zweites Mal muss.

Auf dem Weg nach Ramallah: Ostjerusalem und die Mauer













Und auf dem Rückweg am Checkpoint  geradewegs an der Mauer vorbei

 


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