Am Montag hatte ich zum ersten Mal den Painting-Course, da er ja letzte Woche ausgefallen war. Ich hatte mich für diesen Kurs entschieden, weil ich einfach gerne etwas über verschiedene Maltechniken lernen wollte. Da Ich in Stuttgart immer die Arbeit im Atelier als oberste Priorität betrachtet habe, hatte ich es nie geschafft in die Malwerkstatt dort zu gehen. Also dachte ich mir, warum nicht hier, da ich in der Akademie ja eh kein eigenes Atelier habe, wo ich mich zurückziehen kann und keine Lust auf die anderen Kurse hatte. Nach ein paar Minuten der Einführung, wusste ich allerdings schnell, dass dies der falsche Kurs für mich ist. Der Kurs bestand mal wieder vorwiegend aus exchange students, die fast alle Malen als ihr Hauptfach im Studium angaben. Und als es dann darum ging, dass jeder der etwas dabei hatte seine Arbeit zeigen sollte, hatte ich noch weniger Lust den Kurs zu besuchen. Auch wenn es etwas abgehoben klingt, aber es wurde mal wieder bestätigt, dass in deutschen Kunstakademien einfach ein höheres Niveau verlangt wird als an den meisten ausländischen. Mit dieser "Kunst", die ich bei den Präsentationen in dem Kurs gesehen habe, wären die meisten schon bei der Mappenauswahl in Deutschland gescheitert. Als der Kursleiter dann auch noch anfing, eine ewig lange Liste von Dingen aufzuführen, die wir uns besorgen sollten, wie Pinsel, Ölfarben, Aquarellfarben, Leinwand, Papier, etc. verließ ich unter einem Vorwand den Saal und ging schnurstracks zu Ehnad, der unfreundlichsten Sekretärin der Welt, um mich aus dem Kurs auszutragen. Noch während der Einführung des Kursleiters hatte ich mir, Smartphone sei dank, nochmal die Liste mit Kursen angeschaut, die ich als Alternative nehmen könnte und entschied mich schließlich für einen weiteren meeting point. Zufälligerweise ging der Professor, für dessen meeting point ich mich entschieden hatte, noch während ich vor dem Sekretariat wartete, an mir vorbei, sodass ich ihn kurzerhand ansprach und fragte, ob ich mich noch in seine Liste eintragen könnte. Er war erst etwas verwirrt, aber letztendlich hat es Gott sei Dank geklappt! Wie sich inzwischen herausstellte, ist es tatsächlich so, dass ich von der Kunstakademie in Stuttgart aus im Grunde gar keine Kurse besuchen müsste, da ich dort keine credit points sammeln muss, jedenfalls nicht innerhalb dieses Semesters. Daher könnte ich mir diesen weiteren meeting point eigentlich auch sparen, aber ich werde das erste Treffen besuchen und danach entscheiden ob ich die weiteren 3 Male auch noch hingehe. Alle anderen exchange students sind ziemlich neidisch, weil ich die einzige bin, die keine Punkte sammeln muss. Ich kann gar nicht oft genug erwähnen wie sehr ich mein Studium in Stuttgart liebe!
Nach der Uni ging ich wie üblich über den Markt, und lief mit einer ungewöhnlich großen Ausbeute von dort nach Hause. Unterwegs fand ich noch ein ziemlich großes Buch, dass sich, laut Itai, um eine Enzyklopädie über den Buchstaben "L" handelt. Interessanterweise sind zwischen den hebräischen Texten immer mal wieder welche auf englisch und deutsch. Und kurz vor meiner Straße entdeckte ich dann noch einen Karton mit einer Tüte in der sich haufenweise Brötchen befanden. Vermutlich von dem Bäcker ein paar Schritte weiter aussortiert. Natürlich nahm ich diese dann auch mit und Carla und ich beschlossen am nächsten Tag Semmelknödel daraus zu machen.
Am Abend gingen wir dann auf ein Straßenfest, diesmal ziemlich weit außerhalb. Auf dem Weg zur Tram fuhr auf einmal eine riesige Autokolonne mit Blaulicht und Sirenen an uns vorbei und Carla fiel ein, dass Angela Merkel an diesem Tag nach Jerusalem gereist war. Hatte ich erwähnt, dass ich hier um die Ecke von Netanjahus Privatresidenz und der Knesset, also dem Parlament wohne? Itai sagte mir später, dass Netanjahu, den hier übriegens alle nur "Bibi" nennen, jeden Morgen, wenn er das kurze Stück von seinem Haus zur Knesset fährt, so ein Tamtam mit Polizeiaufgebot und Sirenen macht. Ach, und seine Frau soll jeden Monat Eiscreme im Wert von 200 Euro in dem Café bei mir um die Ecke kaufen. Verrückt!
Nachdem wir mit der Tram bis zur Endstation "Mount Herzl" gefahren waren, mussten wir auf einen Shuttlebus warten, der uns zu dem Fest bringen sollte. An der Haltestelle hörten wir ein paar Mädels miteinander deutsch reden und Carla sprach sie spontan an und fragte was sie in Jerusalem machten. Es stellte sich heraus, dass sie wie Carla ein paar Wochen zu Besuch waren und so machte sie kurzerhand mit Ihnen aus, sich auf ihrem Trip richtung totes Meer und Jordanien ihnen anzuschließen.
Das Fest an sich war ganz schön, aber irgendwie war ich die ganze Zeit etwas betrübt und konnte mich nicht so recht der Begeisterung der anderen anschließen. Irgendwann wurde ich von einem Typen angequatscht, der ebenfalls auf dem Mount Scopus studiert und der mich scheinbar einen Tag zuvor im Bus dorthin gesehen hatte. Und da mir in dem Moment eher weniger nach Tanzen und Grölen zumute war, als vielmehr nach etwas Ruhe, setzte ich mich irgendwann mit Omer auf den Bürgersteig und wir quatschten ein bisschen, soweit das mit meinem schlechten englisch möglich war.
Gegen elf hörten die Bands auf zu spielen und wir mussten uns beeilen um den letzten Shuttlebus zu bekommen. Das Wetter war mal wieder total umgeschlagen und so standen wir auf einmal in einem dicken Nebel und Nieselregen an der Bahnstation.
Am Dienstag war wieder der Zeichenkurs, bei dem ich dieses Mal meine Arbeiten präsentieren sollte. Da ich ja mein Portfolio auf meinem USB-Stick hatte und in jedem Raum ein Computer steht, dachte ich das sei kein Problem. Nur leider sind diese Computer scheinbar so veraltet, dass die Abbildungen meiner Zeichnungen einfach von furchtbarer Qualität waren. Aber nichtsdestotrotz waren die Reaktionen recht positiv. Nach einer kleinen Pause ging es weiter mit einer kleinen Einführung von Arkadiush, dem drawing-teacher, über das Werk Albrecht Dürers. Es war für mich ganz lustig die Bilder und Orte von Nürnberg zu sehen, an denen ich vor 5 Jahren fast jeden Tag dran vorbeigelaufen bin. Und das in einer Klasse in Jerusalem mit Blick auf die Wüste...
Am Abend kamen dann ein paar exchange students und Itai zum Semmelknödel essen. Es war eine echt lustige Runde mit vier deutschen Mädels, einer Holländerin, einem Californier und einem Israeli. Ich sprach und hörte an dem Abend so viel englisch, dass ich mich am nächsten Morgen tatsächlich dabei ertappte alles was ich dachte automatisch ins Englische zu übersetzen!
Heute hatte ich wieder etching, also drucken. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben auf einer Plexiglasplatte radiert, also reingeritzt und hätte nicht gedacht, dass das so anstrengend ist! Nach den drei Stunden hatte ich einen richtigen Tennisarm und die Linien waren wahrscheinlich trotzdem noch nicht tief genug. Aber nach dem Drucken nächste Woche weiß ich mehr.
Carla ist heute morgen mit den Mädels, die sie am Montag kennen gelernt hat weiter gereist und ich habe so mal wieder Zeit lange zu zeichnen, da ich morgen auch keinen Kurs habe. Das wird mal wieder eine lange Nacht. Herrlich!

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