Am Donnerstag den 30. Januar 2014 ging es los. Um 13:45 Uhr hob der der Flieger Richtung Istanbul ab, von wo aus wir nach einer dreistündigen Pause weiter zum Ben Gurion Airport in Tel Aviv flogen. Am Stuttgarter Flughafen traf ich mich mit Lisa, einer Freundin aus der Aka, die ebenfalls das nächste halbe Jahr in Israel Kunst studieren wird. Allerdings nicht in Jerusalem, sondern in Tel Aviv. Da wir erst gegen halb zwölf abends ankamen, schliefen wir bei Lisas Tante, die mit ihrem Freund in einem Vorort von Tel Aviv in einer sehr schönen Wohnung mit einem Wahninnsausblick wohnt. Es war sehr schön morgens aufzuwachen und auf einmal Frühlingstemperaturen und strahlend blauen Himmel vorzufinden.
Nach dem Frühstück fuhren die beiden uns dann mit dem Auto nach Jerusalem. Die Landschaft um die Autobahn herum war atemberaubend! Steinhügel mit Sträuchern und ab und zu auch mal Mandelbäume mit weißen Blüten. Allerdings war es auch seltsam, da auf beiden Seiten der Straße ein hoher Zaum mit Stacheldraht aufgespannt war, um die Siedlungen von Israelis und Palästinensern zu trennen, wie Evi, Lisas Tante uns erklärte. Zumal sie immer von den "besetzten Gebieten" sprach, wenn sie die palästinensische Seite meinte...
In Jerusalem angekommen fuhr sie uns bis zu meiner neuen Unterkunft für die nächsten 5 Monate. Mein Mitbewohner war zu der Zeit unterwegs, hatte mir aber einen Schlüssel hinterlegt. Die Wohnung ist in einer sehr schönen Lage im Erdgeschoss und auch sehr hübsch und gemütlich von der Aufteilung her. Leider ist Itai, mein Mitbewohner nicht der ordentlichste und sauberste Mensch und außerdem noch stolzer Besitzer der fettesten Katze der Welt, Sheila, weshalb die Küche permanent nach Katzenfutter duftet. Mein Zimmer aber gefällt mir ganz gut mit dem riesigen weißen Schrank und dem großen Schreibtisch.
Nachdem wir unser Gepäck abgeladen hatten, gingen wir gleich auf Erkundungstour in die Altstadt, die ca. 20 Minuten zu Fuß entfernt liegt. So sind wir über den Basar geschlendert, auf dem man natürlich von allen Seiten angequatscht wird, auch sehr viel auf deutsch, und landeten schließlich bei der Klagemauer.
Von dort aus liefen wir weiter in das Arabische Viertel, wo wir uns vor das ehemalige österreichische Hospiz setzten und unseren ersten Falafel-Teller aßen. Danach stiegen wir noch auf das Dach des Hospiz' und genossen die Aussicht, währenddessen der Muezzin sein Gebet durch die Lautsprecher schrie.
Da Lisa in den ersten beiden Februarwochen zusammen mit mir und 15 anderen Austauschstudenten einen Hebräischkurs an der Akademie in Jerusalem besucht, hat sie in der Nacht von Freitag auf Samstag auch hier in der Wohnung geschlafen. Ihr WG-Zimmer wurde erst heute frei. So saßen wir gestern abend mit Itai und einer Freundin von ihm in der Küche und haben gegessen und gequatscht. Ich bin sehr froh dass er so gut deutsch redet, auch wenn es natürlich nicht sehr förderlich ist für jemanden der sein Englisch verbessern muss...
Heute morgen zogen wir dann los um Lisas Gepäck in ihrer neuen WG abzuladen. Danach setzten wir uns in ein kleines Cafe um zu spätstücken. Auf einmal wurde es wahnsinnig laut um uns herum und als wir uns umdrehten, sahen wir eine Horde ultraorthodoxer jüdischer Männer mit ihren riesigen Pelzhüten, die uns Cafebesucher anschrien und anpöbelten, weil, wie uns der Kellner erklärte, sie uns verurteilten dass wir den Sabbat nicht einhielten. Sie wurden aber von ein paar Polizisten daran gehindert näher zu kommen. Lustigerweise gab es ein paar Leute in dem Cafe, die auf diesen Aufmarsch scheinbar eingestellt waren und als Gegenprotest sofort anfingen laut zu singen und zu tanzen. Es war eine sehr merkwürdige, aber auch irgendwie amüsante Stimmung, zumindest auf unserer Seite. Nach ca. 15 Minuten zogen die Ultras dann wieder ab und wir nochmal los in die Altstadt, diesmal mit der Grabeskirche als Ziel. Ich hatte keine Ahnung was mich dort erwartet und war halbwegs schockiert, als ich sah, wie die Menschen dort den Stein, auf dem Jesus angeblich gelegen hatte, küssten, streichelten und mit Gegenständen belegten, von denen sie wohl dachten, sie seien danach gesegnet, oder was weiß ich. Es war jedenfalls sehr bizarr.
Danach schlenderten wir nochmal durch den labyrinthischen Basar und ich kaufte mir noch eine Wolldecke, da die vorherige Nacht furchtbar kalt war, obwohl Itai mir sogar extra einen Heizstrahler besorgt hatte.
Nun sitze ich hier mit meiner neuen, fusselnden, rosa Wolldecke, das erste Mal allein in meinem Zimmer und sehe, wie viel allein in den letzten zwei Tagen schon passiert ist. Mal sehen wies weiter geht. Morgen fahre ich das erste mal auf den Mount Scopus, auf dem sich die Kunstakademie befindet und wo morgen unser erster Hebräischkurs stattfindet. Ich bin gespannt...
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| Eindrücke vom Basar |





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