Freitag, 7. Februar 2014

So, heute schaffe ich es endlich mal wieder ein wenig zu berichten. In den letzten zwei Tagen wurde es jeden Abend ziemlich spät. Am Mittwoch bin ich mit Lisa nach dem Hebräisch-Kurs mit dem dem Bus nach Tel Aviv gefahren, um uns ein WG-Zimmer für sie anzuschauen. TEL Aviv und Jerusalem trennen tatsächlich Welten, was die Architektur und auch das Treiben auf der Straße betrifft. Während Jerusalem an beinahe jeder Ecke eine Gedenkstätte oder einen "Heiligen Ort" für die verschiedenen Religionen bereit hält und man überall orthodoxe Juden, Frauen mit Kopftüchern und pilgernde Christen sieht, erinnert Tel Aviv eher an das weltoffene Berlin. Ich habe an dem Tag zwar nicht all zu viel von der Stadt gesehen, aber die Unterschiede sind schon sehr auffällig.



Die Wohnung liegt mitten im Zentrum und hat auch einen schönen Schnitt, ist aber leider noch die totale Baustelle. Lisas potentielles Zimmer ist völlig unmöbliert und hat nicht einmal eine Lampe. Fainan, ihr zukünftiger Mitbewohner meinte aber sehr optimistisch, dass er sehr viele Freunde hätte, von denen er ein Bett, einen Schreibtisch etc. besorgen könnte. Danach zeigte er uns noch den Hinterhof, in dem sich ein kleines Häuschen befand, dass sich als Hühnerstall entpuppte! Und in dem Haus nebenan, in dem eine befreundete WG von ihm wohnt, gab es die ultimative Dachterrasse mit Unmengen von Pflanzen und einem Wahnsinnsblick über die Stadt. Die WG bestand aus einem Haufen sehr alternativer Jungs, die mich extrem an meine WG in Nürnberg erinnerten. Daher war ich auf Anhieb ziemlich begeistert! Nachdem wir dort ein paar Stunden saßen, quatschten und rauchten, gab Lisa dann auch ihre Zusage für die WG.



Gestern sind wir nach dem Kurs dann nochmal auf den Yehuda-Market gegangen. Dort wimmelte es nur so von Orthodoxen Juden, da ja der Sabbat bevor stand, an dem alle Geschäfte schließen. Und ich habe dort eine andere Form von Containern entdeckt. Es ist für mich sehr seltsam auf einmal sämtliche Lebensmittel die ich so brauche zu kaufen und nicht wie bisher abends im Müll der Supermärkte zu "finden". Was aber auch sehr gut funktioniert ist über den Markt zu laufen und einfach alle möglichen Sorten Obst und Gemüse einfach vom Boden aufzuheben. Die Stände sind meistens so voll bepackt, dass überall etwas runter fällt. Davon kann man als Single hervorragend leben! Zumal die Dinge die ich dort finde natürlich einwandfrei sind, da sie ja ursprünglich zum Verkauf gedacht waren.
Später trafen wir uns noch mit den Leuten aus dem Hebräisch-Kurs in einer Bar, wo ich die Bekanntschaft mit einem New Yorker machte, der, wie sich rausstellte, sämtliche Eigenschaften und Klischees eines typischen Amerikaners aufwies: Republikaner, Business-Student, Kapitalist, jüdisch stämmig, in die Fußstapfen seines Vaters tretend, der natürlich ein hohes Tier in der Wirtschaft ist... Schade, dass mein Englisch so schlecht ist, sonst hätte ich gerne mehr und aggressiver mit ihm diskutiert, aber leider fehlten mir einfach zu viele Vokabeln dafür. Er fand mich aber aus irgendeinem Grund ganz toll und folgte Lisa, mir und einem dort kennen gelernten Berliner Hipster auch in die nächste Bar. Dort wurde er dann abgelöst von Georg, einem Juden, der aus dem Westerwald stammt und seit vier Monaten in Jerusalem lebt. Mit ihm führte ich dann noch eine sehr lange Diskussion zum Thema Gleichberechtigung von Mann und Frau speziell in Bezug auf das Judentum. War trotz seiner konservativen Einstellungen sehr interessant.
Als ich dann gegen vier Uhr morgens nach hause kam, war ein Kumpel von Itai, Johannes, gebürtiger Stuttgarter, gerade aus Berlin angekommen, bzw. lag schon auf der Couch in der Küche und hat gepennt. Heute haben wir, nachdem alle extrem lange geschlafen haben, einige Zeit in Itais Bar abgehangen, die nur ein paar Minuten von der Wohnung entfernt liegt und wollen nachher noch etwas kochen. Morgen früh will uns Itai dann den Laden mit dem besten Humus der Stadt zeigen. Bin sehr gespannt!

Eine von vielen Absurditäten hier

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