Mittwoch, 12. Februar 2014

Gestern war der Orientierungstag an der Akademie. Zusammen mit den Leuten aus dem Hebräisch-Kurs, sind insgesamt 90 Austauschstudenten aus der ganzen Welt dieses Semester an der Akademie in Jerusalem. Zur Begrüßung gab es ein lila T-Shirt mit dem Emblem der Bezalel Akademie, eine Kladde und ein kleines Buffet mit Saft und Keksen. Dummerweise hat sich bei mir sofort mein Es-gibt-etwas-umsonst-also-greif-zu-so-viel-du-kannst-Gefühl eingestellt, sodass ich nach kurzer Zeit, vollgestopft mit Keksen, auf meinem Stuhl saß und mit Mühe und Not dem folgen konnte, was uns die nette Sarit vom Büro für Auslandsstudenten erklärte. Es stellte sich heraus, dass ich mindestens 6 Kurse besuchen muss um an die 12 Punkte zu kommen, die ich scheinbar benötige. Weiß der Geier warum. Das hatte ich nun zum ersten Mal gehört und war dementsprechend frustriert. So wie es aussieht, habe ich ab nächster Woche jeden Tag bis auf Samstag einen Kurs! Also völliges Kontrastprogramm zur Aka in Stuttgart, wo ich im letzten Semester nicht einen einzigen Kurs oder ein Seminar besucht, sondern ausschließlich im Atelier gearbeitet habe. 
Teilweise wurde es auch etwas unangenehm bei der Rede von Sarit, als sie betonte, dass wir auf keinen Fall die palästinensischen Territorien des Landes betreten sollten, wie gefährlich das doch sei. Zudem müssen wir alle haufenweise Verträge und Einverständniserklärungen unterschreiben, die besagen, dass wir über die Sicherheitsvorschriften und Risiken informiert wurden. Morgen findet dazu auch nochmal extra eine "Safety orientation" statt. Mit meinen Erfahrungen aus den letzten zwei Wochen würde ich knallhart behaupten, die sind hier alle paranoid. Aber gut, seis drum!
Zwischendurch wuchs bei mir der Frust darüber, dass mein Englisch so schlecht ist, dass ich mich einfach nicht so ausdrücken kann wie ich es gerne wollte. Ich verstehe zwar das meiste, aber mit dem Sprechen ist das so eine Sache, die mich extrem ärgert. Itai hat mir schon angeboten, dass wir ab jetzt nur noch englisch zuhause reden. Wäre wahrscheinlich keine schlechte Idee...
Nach dem Orientierungsgedöns wollte ich dann nur noch weg von der Uni. Hab mir eine kleine Schreibtischlampe gekauft, um demnächst zuhause auch wieder richtig arbeiten zu können, da ich mal nicht davon ausgehe, dass ich in der Akademie einen Atelierplatz bekommen werde. Danach bin ich nochmal, wie inzwischen fast jeden Tag auf den Jehuda-Market um mir mein Abendessen zu "suchen". War, wie schon die letzten Male recht erfolgreich. Lisa und ich haben dann eine leckere Nudelpfanne mit unserem gefundenen Gemüse gezaubert, uns ins Bett gekuschelt und einen Film angeschaut.

Heute hatten wir keinen Hebräisch-Kurs, da für die meistens departments heute ihre Kursregistrierung angesetzt war. Also haben wir bis ca. 12 Uhr geschlafen, hatten tatsächlich von der Sonne richtig aufgewärmtes Wasser beim duschen (!!!) und ausführlich gefrühstückt. Lisa ist dann nach Tel Aviv gefahren, um mit ihrem zukünftigen Mitbewohner ein Bett abzuholen, dass sie im Internet gefunden hatte. Ich bin währenddessen mal wieder richtung Altstadt losgezogen und hab mich durch die Gassen treiben lassen.


Blick auf das Jaffa-Tor, dem Haupteingang zur Altstadt



Irgendwann kam ich im christlichen Viertel an einer Kirche vorbei, bei der es sich, wie ich nun weiß, um die Erlöserkirche handelte. Ein junger Mann stand gleich davor und bot mir an etwas über die Kirche zu erzählen. Ich stimmte spontan zu und er fing sofort an, mir in einem wahnsinnig schnellen Englisch, inklusive hebräischen Akzent, die Geschichte der Kirche zu erzählen. Ich habe dabei logischerweise noch weniger verstanden, als bei dem Orientation-day gestern. Nach ein paar Minuten fing er dann an rum zu jammern, dass dies sein Job wäre und seine Frau und Kinder davon ernähren müsste und dass er nun von mir natürlich auch Geld erwartet. Ich erklärte ihm, dass ich Studentin bin und selber kaum Geld habe. Letztendlich habe ich ihm 10 Shekel für die "Mühe" gegeben. Allerdings waren die nicht ganz umsonst ausgegeben. Immerhin gab er mir den Tip, dass ich auf das sogenannte "German roof" gehen sollte. Man kann über eine Treppe, unweit von der Kirche über die Dächer der Altstadt spazieren und durch die Lüftungsschächte in den Basar hinein schauen. Und der Blick über die Altstadt war natürlich auch der Wahnsinn!



Heute bin ich übrigens demonstrativ mit Kopfhörern durch den Basar gelaufen, und schon wurde ich nicht halb so oft angequatscht wie die letzten Male. Herrlich!

Am Donnerstag, nach der Kursregistrierung, fahre ich mit Lisa nochmal nach Tel Aviv, da sie ja ab morgen dort wohnen wird. Abends gehen wir dann wahrscheinlich auf die Vernissage eines Professors von der Akademie in Stuttgart, Christian Jankowski. Ein ausführlicher Bericht folgt dann wohl am Freitag!

Blick von dem "German roof" auf die Erlöserkirche


Angeblich haben die Israelis teilweise die Steine von zerstörten Häusern nummeriert und für den Aufbau wieder benutzt

Diese kleinen Gesellen stehen in der ganzen Stadt entweder in rot oder gelb herum. In diesem Fall neben der Klagemauer

P.S.: Fast hätte ich das wichtigste vergessen: Es waren die letzten Tage tatsächlich frühlingshafte Temperaturen hier, sodass wir unseren Hebräisch-Kurs sogar teilweise nach draußen verlegt haben!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen