Freitag, 28. Februar 2014

Yad Vashem


Da ich gestern keinen Kurs hatte, machte ich mich am Nachmittag auf den Weg richtung Mount Herzl im Westen der Stadt, zum Holocaust-Museum Yad Vashem. Das erste was mir auffiel war, dass extrem viele Gruppen von Soldaten dort waren, die mit Reisebussen unterwegs einen Ausflug mit ihrem Kommandeur dorthin machten. Mein erster Weg führte mich zur Damentoilette, wo ich mich pötzlich in einer Gruppe von ca. 20 Soldatinnen wiederfand, die alle mindestens einen Kopf kleiner waren als ich. Es war bestimmt ein sehr bizarres Bild, wie ich dort als große, blonde Europäerin zwischen den kleinen, grün uniformierten, aber dennoch recht üppig geschminkten und auf ihr Äußeres bedachten Mädels stand.
Danach ging ich weiter in die Ausstellung. Die Architektur von Yad Vashem ist sehr beeindruckend. Die Holocaust-Ausstellung befindet sich in einem langen dreieckigen Gebäude, in dessen Mittelgang alle paar Meter Gräben zu sehen sind, in denen verschiedene Artefakte aus der Zeit der Shoa zu sehen sind, so dass es nicht möglich ist einfach diesen Gang zu durchschreiten. Stattdessen Muss man als Besucher quasi im Zickzack von Raum zu Raum gehen. Jeder Raum befasst sich mit verschiedenen Themenbereichen, die aber chronologisch angeordnet sind, so dass die Ausstellung mit der Machtergreifung beginnt und mit der Befreiung endet. Leider war es verboten dort drin zu fotografieren. Ich habe es aber geschafft ein paar Bilder zu machen, die ich euch nicht vorenthalten will.


Die Ausstellung war, wie ihr euch wahrscheinlich vorstellen könnt, sehr ergreifend. Und für mich persönlich war es eigenartig, dort als Deutsche durch zu gehen und die meisten der Plakate, Ausweise, Listen etc. im Original lesen zu können, da sie ja natürlich auf deutsch waren, während die meisten anderen Besucher eine Übersetzung brauchten oder ihren Audioguide als Übersetzer hatten. Zwischendurch sah man immer wieder zutiefst schockierte und auch teilweise weinende Leute. Und vor allem die Videointerviews von Überlebenden, die überall gezeigt wurden, waren am Rande des Erträglichen. Ob man will oder nicht, wenn man als Deutscher durch diese Räume läuft, ergreifen einen früher oder später doch Schuldgefühle.

 

Am Ende des Ganges ein Blick über die Stadt und den Jerusalem Forest
Nach der Ausstellung gelangt man auf ein Plateau mit verschiedenen Gebäuden. Es gibt dort ein Gebäude das Holocaust-Kunst zeigt, eine Synagoge, ein Auditorium, etc. Ich bin ein wenig durch den Garten geschlendert. Unter jedem Baum dort gab es eine Tafel mit den Namen von Menschen, die Juden während des zweiten Weltkriegs gerettet haben. Am Ende kam ich an einer Straße raus und traf auf dieses Bild

Ein deutscher Viehwaggon der ins Nichts führt
Ein paar Schritte weiter fand ich eine kleine Höhle, in der Menschen aus aller Welt Gedenksteine für ihre Familienmitglieder hingelegt oder in den Stein gefasst hatten.



Danach war es mir irgendwie zu viel. Ich werde wohl nochmal in der nächsten Zeit dorthin fahren. Ein Tag alleine reicht kaum um sich all die Videos und Bilder ausführlich anzuschauen. Auf dem Weg zurück zur Tramstation ergab sich dann noch dieses, zugegebenermaßen kitschige Bild eines Sonnenuntergangs



Wieder zuhause angekommen, rief mich plötzlich Tamara an, eine andere Austauschstudentin aus Schwäbisch-Gmünd, die mir erzählte, dass sie Carla gerade in der Tram getroffen hatte und sich mit ihr für den Abend zu einer Party verabredet hatte. Also machten wir ein Treffen bei ihr aus. Ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass Carla schon an diesem Abend von ihrem Trip vom Toten Meer zurück kommen wollte und war deshalb einigermaßen überrascht als sie ein paar Minuten später mit einem lauten "Huuhuuu Ines" an meinem Fenster vorbei lief. Also zogen wir wenig später los zu Tamara, die nur eine viertel Stunde zu Fuß von mir entfernt wohnt. Wie wir vor ein paar Tagen herausfanden, ist ihr Mitbewohner einer von Itais beiden Partnern in seiner Bar. Ich stelle fast jeden Tag aufs neue fest wie klein die Welt doch ist. 
Nachdem wir drei also eine Weile in Tamaras WG-Küche saßen und über Gott und die Welt redeten, zogen wir irgendwann weiter zu der Party einer Austauschstudentin aus Holland, die auf ihrer Dachterrasse einige Leute von der Bezalel Academy eingeladen hatte. Kaum dass wir dort angekommen warn, mussten wir allerdings gleich schon wieder gehen, da der Nachbar Stress machte und alle Anwesenden von dem Dach komplimentierte. Also zog die Gruppe von ca. 20 Leuten weiter richtung Stadtzentrum um in eine der vielen Bars zu gehen. Allerdings gestaltete sich diese Unternehmung als etwas schwierig, da die Bars alle recht klein sind und eine so große Gruppe nirgendwo hineinpasste. Also beschlossen Carla, Tamara und ich irgendwann, zurück nach Rehavia (meine "neighbourhood") und in Itais Bar zu gehen. Tamara selbst war noch nie dort und so lernte ich auf diese Weise auch gleich ihren Mitbewohner kennen, der an diesem Abend hinter dem Tresen stand. Nach einer Flasche von Itais "Herzl-Bier" und dem Wein bei Tamara, war ich relativ gut drauf und kam so gleich ins Gespräch mit einem Typen an der Bar namens Yoav. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass er ein wenig deutsch sprechen konnte, da seine Großeltern aus Litauen stammten und er mit ihnen immer Jiddisch gesprochen hatte, was ja ähnlich klingt wie ein deutscher Dialekt. Und ich habe festgestellt, dass mein Englisch um einiges lockerer und besser klingt wenn ich angetrunken bin... Gegen halb 3 sind wir dann nach Hause gegangen, da Carla am nächsten Tag einen Ausflug nach Ramallah machen wollte. 

Allerdings schliefen wir heute bis ca. 12 Uhr, sodass wir erst ziemlich spät von mir in Altstadt aufbrachen. Carla wollte mich noch zu einem Falafel einladen, und so liefen wir richtung arabisches Viertel zum Damaskustor. Auf dem Weg dorthin fiel uns auf, dass dort wahnsinnig viele Polizeipferde, Autos und Reporter unterwegs waren. Leider konnten die Jungs, die wir fragten, was denn dort los sei, so gut wie kein englisch. Also nahmen wir die Situation hin und aßen in Ruhe den besten und größten Falafel meines Lebens! Danach setzte sich Carla in ein Sherut richtung Ramallah und ich ging zurTram um noch einen Abstecher auf den Markt zu machen. Unterwegs las ich meine eMails auf dem Handy und stellte fest, dass die deutsche Botschaft in Tel Aviv, bei der ich mich vor meiner Abreise sicherheitshalber registriert hatte, eine Warnmeldung für die Jerusalemer Altstadt herausgegeben hatte. Scheinbar hat sich die Auseinandersetzung um den Tempelberg in den letzten Tagen verschärft, weswegen die Botschaft allen Deutschen davon abriet, sich an diesem Freitag dort aufzuhalten. Tja, zu spät! Aber ich hatte das Schlimmste wohl verpasst. Alles was ich mitbekommen hatte war, dass die Altstadt mal wieder gesperrt worden war. Außerdem warnte die Botschaft vor der Großdemonstration der Ultraorthodoxen, die hier am Sonntag stattfinden soll. Ich bin gespannt...

Auf dem Markt war, wie jeden Freitag kurz vorm Sabbat, ein riesiges Getümmel, was mir mal wieder die Möglichkeit gab, unauffällg das Obst und Gemüse vom Boden aufzuklauben. Im Vorbeigehen hörte ich einen Deutschen Touristen zu seinem Begleiter sagen "Ei, des hat 7 Shekle gekostet". Die Schwaben! Egal wo sie sind, hauptsache rumgeizen und den Israelischen Shekel zu einem "Shekle" umgestalten...

Jetzt sitze ich wieder zuhause und genieße, wie jeden Freitag, die Stille des Sabbats (wenn man von dem ewigen "miauuu" von Shula einmal absieht). Ich hatte keine Lust nach Ramallah mitzufahren, da ich noch etwas Ruhe tanken und zeichnen wollte, bevor am Sonntag der nächste Kurs stattfindet. Ausßerdem ist Freitags der Ruhetag der Muslime, weswegen vermutlich eh nicht so viel in Ramallah, einer Stadt im Palästinensergebiet, los sein wird. Morgen fahren Lisa, Fainan, Carla und ich in die Wüste. Ihr hört von mir!







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