Hello again!
Gestern Abend hatte ich leider keine Zeit mehr zum schreiben. Der Hebräischkurs fand ausnahmsweise erst um 14:30 Uhr an und ging bis um 19 Uhr. Danach bin ich gleich mit Lisa in ihre WG gefahren, da sie von ihren Mitbewohnerinnen erfahren hatte, dass in ihrer Straße diesen Monat jeden Montag eine Art Straßenfest stattfindet. Und sie hatte nicht zu viel versprochen. Es waren wahnsinnig viele Menschen dort, praktischerweise hauptsächlich um das Haus herum in dem Lisa wohnt, alle mehr oder weniger in unserem Alter und alle unheimlich schön! Man bekommt hier als deutsche Frau tatsächlich leichte Komplexe, da ausnahmslos alle israelischen und arabischen Frauen, und die meisten Männer übrigens auch, einfach unheimlich schönes, volles und meist gelocktes Haar haben. Dagegen können Lisa und ich uns verstecken. Aber trotzdem haben wir doch einige Aufmerksamkeit erregt und haben etwa 20.000 mal den Satz gehört "...where are you from?" Zuerst saßen wir in dem Café, in dem wir auch schon am Samstag gefrühstückt hatten und wo wir von den orthodoxen, jüdischen Männern überrascht wurden (übrigens stand dieser Aufruhr sogar am nächsten Tag groß in der Zeitung, wie Itai mir vorgestern berichtet hat!), danach sind wir in eine Bar gegangen, in der arabischer Hiphop/Elektro aufgelegt wurde und haben getanzt und mit Leuten gequatscht. Es war echt ein toller Abend, nur leider war am nächsten Tag, also heute, der Hebräischkurs wieder um 8:30 angesetzt, so dass ich mich, schweren Herzens, um 1:30 Uhr auf den Nachhauseweg machen musste. Ich wusste den Weg nur sehr grob, eigentlich nur, dass es ziemlich lange geradeaus ging, um in meine Straße zu kommen, aber dafür ging es doch erstaunlich gut. Und ich erledigte, in meinem leicht angeheiterten Zustand sogar noch meine Hebräisch-Hausaufgaben.
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| Der Blick von Lisas Dach. Auf der Straße unten war an diesem Tag eine Stimmung wie auf einem Festival! |
Heute morgen dann habe ich mich, nach viel zu wenig Schlaf natürlich, hundemüde aus dem Bett gequält, um dann in der Akademie festzustellen, dass der Kurs doch erst um 9 Uhr anfing. Echt ätzend zu erfahren, dass man noch eine halbe Stunde länger hätte schlafen können.
Nach dem Kurs beschloss ich noch in die Stadt zu gehen um mir ein paar wärmere Pullis zu kaufen. Falls ich es noch nicht erwähnt habe: ES IST WAHNSINNIG KALT HIER im Moment! Ich habe beim Packen nicht im Traum daran gedacht, dass es tagsüber nicht mehr als 10 Grad sein werden. Ich wurde eines besseren belehrt... Lisa hatte gleich den ganzen Kurs verschlafen, daher war ich heute zum ersten Mal allein in der Stadt unterwegs. Nachdem ich mehrere Geschäfte erfolglos durchforstet hatte, ging ich noch in einen Drogeriemarkt um mir meine geliebte Nivea Soft zu kaufen, die ich, des Übergewichts wegen, letztendlich doch nicht in meinen Koffer gepackt hatte. Musste dann mit entsetzen wieder einmal feststellen, wie verdammt teuer alles in israel ist. Die normale Packung hat, sage und schreibe, umgerechnet 6 Euro gekostet und war sogar schon um 40% reduziert!
Danach lief ich noch in die Altstadt und tauchte mal wieder ein in die Welt des arabischen Basars ein. Dort wurde ich spontan die neue beste Freundin eines Händlers, der etwas jünger war als ich und Schals und Schachspiele aus Holz verkaufte "... oh, I love your eyes! If you need any help here, please let me know!". Diese arabischen Händler sind schon eine Klasse für sich. Ich bin noch nicht sicher wie ich sie finden soll. Einerseits wahnsinnig charmant und zuvorkommend, andererseits leider auch sehr aufdringlich mir war doch auch etwas mulmig zumute als ich durch die teilweise schon leeren Gassen des Basars lief und von allen Seiten angegafft und angesprochen wurde. Das kann aber auch daran liegen, dass ich mich, mit meinem schlechten Orientierungssinn heillos in und um den Markt verlaufen hatte und mich plötzlich in sehr schmalen und dunklen Gassen wieder fand. Ist aber zum Glück alles gut gegangen wie ihr seht.
Jetzt sitze ich hier, in meiner WG und stelle fest, wie ungewöhnlich ruhig es gerade ist. Normalerweise herrscht hier eine ständige Geräuschkulisse, entweder von dem Hund aus der Wohnung über mir, der den ganzen Tag über durchbellt, oder dem Geschrei aus der Küche, wenn wieder einmal eine oder auch zwei fremde Katzen durch das Küchenfenster gesprungen kommen, um Sheilas Fressen zu klauen, was natürlich in einem erbitterten Kampf endet, der sich lauthals bemerkbar macht, bis ich, als Schiedsrichter, in die Küche gestürmt kommen und die fremden Katzen vertreiben muss. So langsam kann ich verstehen, dass mein Vorgänger in der WG wegen der Katze(n) ausgezogen ist.
Was auch sehr gewöhnungsbedürftig an meiner WG ist, dass es morgens kein warmes Wasser gibt, da dies hier durch Solarenergie aufgewärmt wird. Wenn die Sonne also, wie im Moment, morgens nicht scheint und man nicht daran gedacht hat, eine halbe Stunde früher den Schalter umzustellen, um das Wasser manuell aufzuwärmen, hat man einfach Pech gehabt und muss einen Kälteschock erleiden. Es ist hier ein bisschen wie beim Campen. Man muss improvisieren.
Was mich noch nervt, wenn ich gerade schon dabei bin mich zu beklagen, ist, dass die Akademie ein einziges, riesiges Labyrinth ist, in dem es mir, selbst am dritten Tag, noch nicht möglich war, den Weg zum Klassenraum und auch den zu der Bushaltestelle, wieder zu finden, ohne mich mindestens 3 mal zu verlaufen. Es ist wirklich nervig, da alle Gebäude und Gänge einfach gleich aussehen. Das einzig Gute daran ist, dass man auf diese Art mit Leuten in Kontakt kommt, an denen man normalerweise wahrscheinlich einfach vorbei laufen würde. Gestern zum Beispiel war ich mit einer Kanadierin unterwegs, mit der ich verzweifelt das richtige Gebäude suchte, in dem der Kurs stattfand. Plötzlich wurden wir von einem arabisch aussehenden Jungen angequatscht, der, wie man erst auf den zweiten Blick sah, keine Augen mehr hatte. Da wo die Augen hätten sein sollen, waren einfach nur Löcher. Jedenfalls fragte er Genevieve, die Kanadierin gleich wo sie her kommt und sprach sofort in einem fließenden Französisch mit ihr, als er erfuhr, dass sie aus Montreal stammt. Und als er sie fragte, woher ihre Begleitung kommt, fing er plötzlich an, auch mit mir in einem fast akzentfreien Deutsch an zu plaudern. Leider hatten wir keine Zeit mehr länger mit ihm zu reden, da eben der Kurs schon angefangen hatte und wir ja immer noch auf der Suche nach dem Klassenraum waren. Ich hoffe, dass ich ihn nochmal treffe. Würde gerne wissen, warum er so viele Sprachen spricht.
Heute Mittag dann, als ich nach dem Kurs mal wieder auf der Suche nach der Busstation war, wurde ich auf einmal von einem Israeli in Militäruniform und einem riesigen Maschinengewehr angequatscht, ob ich wüsste "Where the library is?" Natürlich wusste ich es nicht, da ich ja nicht mal den Ausgang aus dem Uni-Campus fand. Aber ich finde es auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig, überall in der Stadt Männer und Frauen in Uniform und mit Maschinengewehr bewaffnet rumlaufen zu sehen... Wahrscheinlich werde ich es in ein paar Wochen schon ganz normal finden. Aber es ist und bleibt doch extrem.
Morgen fahre ich nach dem Kurs mit Lisa nach Tel Aviv, um sie bei einer WG-Besichtigung zu begleiten. Ich bin gespannt auf die Stadt. Hoffe dort ist es ein bisschen wärmer...


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