Der Malkurs am Montag fiel wie gesagt aus. Am Dienstag das Treffen mit dem Lehrer für den drawing-course war ziemlich gut, da sich herausstellte, dass er ganz neu war und in Düsseldorf studiert hatte, was auch erklärte, warum er sehr offen für alles war und mich stark an das Studium in Stuttgart erinnert hat. Er stellte gleich klar, das er nicht vor hat, uns zu sagen, was wir zeichnen sollen, sondern dass er einfach da ist wenn wir nicht weiter kommen oder Fragen haben. Allerdings hat er uns nahe gelegt ein Skizzenbuch anzufangen, was für mich nie ein Thema war. Also mal schauen was draus wird. In der Mittagspause wurde ich dann plötzlich mit einem lauten "INEEEES" von Daniel begrüßt, die letztes Semester als Austauschstudentin aus Jerusalem in Stuttgart war und die ich durch eine gemeinsame Bekannte kennen gelernt hatte. Als ich ihr erzählte, dass ich später noch einen meeting-point bei der Professorin Tamar Getter hatte, war ihr erster Kommentar, dass sie extrem streng sei, aber auch sehr gut. Also ging ich mit eher gemischten Gefühlen zu dem Treffen. Interessanterweise stellte sich heraus, dass sie ebenfalls eine Düsseldorfer Akademie-Absolventin und eine sehr respektable ältere Dame ist. Ich war auf Anhieb begeistert von ihr, da sie knallhart sagte, was sie dachte und wollte: "Ich will keine unfertige Arbeit sehen!", "Ich will nur Dinge sehen, hinter denen ihr absolut steht!"
Am Mittwoch der etching-course beinhaltet scheinbar sämtliche Arten von Druckverfahren. Als erstes wurden wir mit den Gefahren und Sicherheitsmaßnahmen in der Werkstatt vertraut gemacht. Danach war mir ein bisschen mulmig zumute. Außerdem muss ich alle möglichen Dinge wie eine Radiernadel, Plexiglas, Papier usw. selber kaufen. Das geht ganz schön ins Geld... Nach dem Kurs traf ich mich mit Itai auf dem Markt, wo er mir die beste Eisdiele der Stadt zeigte, mit ziemlich ausgefallenen Sorten wie Safran, schwarzer Sesam, Chai-Tee, Basilikum... die Liste ist lang und es war himmlisch, zumal der Verkäufer uns quasi nötigte, beinahe jede Sorte zuerst zu probieren, bevor wir uns entschieden. Danach zeigte er mir noch einen russischen Supermarkt, in dem er die meisten Sachen wie Nudeln, Käse und Wurst kaufte, da sie dort nicht kosher sind und dadurch viel günstiger als in normalen Supermärkten. Allerdings stellte ich fest, das die Russen, genauso wie die Israelis, scheinbar nicht so viel Wert auf das Mindesthaltbarkeitsdatum legen wie die Deutschen. Beinahe jedes Produkt dort war abgelaufen. Teilweise sogar mehrere Monate. Sehr sympatisch!
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| Bald ist Purim-Fest, der jüdische Karneval |
Später dann wieder mal bis um vier Uhr morgens gezeichnet und heute erst um halb 2 aufgestanden. Ich wollte mir aber nicht die Chance entgehen lassen auf den Markt zu gehen, da ja am Freitag nachmittag der Sabbat anfängt und die Händler natürlich vorher ihr Zeug los werden wollen. So füllte sich meine Tüte mal wieder schnell mit "gefundenem" Obst und Gemüse. Aber irgendwie werde ich auch von Mal zu Mal wütender wenn ich auf den Markt gehe, bzw. durch die Straßen im Zentrum der Stadt laufe und sehe, wie zugemüllt die Stadt ist. Auf dem Markt ist der Boden voll von Plastiktüten und Essensabfällen, überall am Straßenrand das gleiche Bild. Es scheint hier keinen zu interessieren, dass Plastik hunderte von Jahren braucht, bis es sich zersetzt und abbaut. Jedes Mal wenn ich etwas kaufe und sage, dass ich keine Tüte brauche, da ich immer eine dabei habe, werde ich angestarrt, als käme ich von einem fremden Planeten. Ziemlich traurig.
Jetzt sitze ich wieder einmal hier an meinem Schreibtisch und werde gleich anfangen zu zeichnen. In den nächsten Tagen wird Carla, eine Freundin aus Stuttgart wohl hier eintreffen. Gerade ist sie noch bei Lisa in Tel Aviv. Und ich will vorher so viel wie möglich noch an meiner Zeichnung arbeiten. Im Moment ist mein Tagesablauf sehr überschaubar und für Außenstehende vermutlich ziemlich langweilig, aber ich denke, dass wird sich ändern, sobald die Besuchswelle aus Deutschland startet, was gar nicht mehr so lange dauert. Also arbeite ich lieber jetzt, bevor ich später keine Zeit mehr dazu habe vor lauter Fremdenführungen....
Shabbat Shalom!
P.S.: Ein zweiter Horrortrip in die Central Station wegen des Semestertickets wurde mir zum Glück erspart, da ich nochmal zur students union ging, wo ich diesmal auf einen kompetenteren Studenten traf, der alles online für mich erledigte. Meine Erleichterung war natürlich unermesslich ;)

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