Gestern Abend gab es hier in der WG eine große Fresserei mit wahnsinnig gutem Ofengemüse, gebratenen Hähnchenschenkeln, sehr lecker gewürztem Reis und - Kartoffelsalat. Eine israelische Freundin von Itai, die einen österreichischen Freund hat und deswegen amüsanterweise mit einem österreichischen Akzent deutsch spricht, kam auch und steuerte gleich den Kartoffelsalat nach dem Rezept ihrer Schwiegereltern in spe mit bei. Es war eine sehr gemütliche Runde!
Heute morgen ging die Fresserei dann auch gleich weiter. Ich bin mit Itai, Johannes und einer weiteren israelischen Freundin, in die Altstadt gelaufen und in ein kleines Bistro gegangen, in dem es laut Itai den besten Hummus der Stadt gibt. Es war wirklich köstlich. Leider habe ich den Fehler begangen eine der rohen Zwiebeln, die es als Beilage gab zu probieren. Sie brennt jetzt noch in meiner Speiseröhre! Zum Nachtisch sind wir dann noch auf den nahegelegenen Basar gegangen und haben uns eine Auswahl türkischer Süßigkeiten wie Baklava und einem speziellen Gebäck mit Ziegenkäse und Sirup gegönnt. Zum Niederknien! In dem Cafe dort beschlossen wir dann spontan einen Ausflug nach Bethlehem zu machen, was ja quasi um die Ecke von Jerusalem liegt. Das Problem war, dass es Itai als Israeli normalerweise verboten ist in das Palästinensergebiet zu fahren. Wäre er erwischt worden, hätte er eine riesige Geldstrafe zahlen müssen. Sein Trick bestand darin, dass er einen Bekannten in einem Vorort von Bethlehem anrief, der uns einen Fahrer an den Stadtrand von Jerusalem schickte und der uns wiederum über die Grenze fuhr. Wären wir kontrolliert worden, hätte er sich als Deutscher ausgegeben, da er ja nahezu perfekt deutsch spricht.
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| Eine illegale, jüdische Siedlung am Rande Jerusalems |
So fuhren wir also mit dem Taxi an die Stadtgrenze und warteten dort auf unseren Fahrer, der kurz darauf auch kam und sich als sehr gläubiger christlicher Palästinenser herausstellte und uns gleich über den Sinn des Lebens ("Love your family!") aufklärte. Nachdem wir die 50 Shekel (10 Euro) Fahrgeld bezahlt hatten, gingen wir erstmal zu Itais Bekannten, der sich ewig mit ihm über das Bierbrauen unterhielt, da er vor hat in seinem Keller sein eigenes Bier zu brauen. Da Itai ja Brauereiwesen in Berlin studiert hat, konnte er ihm einige Tips geben.
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| Blick auf den "Shephard mountain" (rechts, wo die Mäume stehen), dem Berg auf dem der Engel den Hirten erschienen sein soll |
Später fuhr er uns dann ins Zentrum von Bethlehem, wo wir uns kurz den Basar und die Geburtskirche anschauten. Beides war relaltiv unspektakulär. Da es schon recht spät war, fuhren wir daraufhin nochmal zu ihm nachhause, wo ich mich kurz mit seiner Frau unterhielt und feststellte, dass sie und ihr Mann, trotz ihres modernen Auftretens, scheinbar sehr fromme Christen sind. Und, auch wenn es wahrscheinlich etwas einfältig klingt, fand ich es im ersten Moment komisch, festzustellen, dass arabisch sprechende und arabisch aussehende Menschen so fest in ihrem christlichen Glauben verankert sein können. Dieser Konflikt zwischen den verschiedenen Völkern und Kulturen hier wird für mich, je länger ich hier bin und je mehr ich darüber erfahre, immer komplizierter und gleichzeitig absurder...
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| Die Geburtskirche, also der Platz auf dem der Stall gestanden haben soll, in dem Jesus geboren wurde |
Wenig später fuhren wir dann mit unserem "Schlepper" wieder zurück über die Grenze und nach Hause. Itai und Johannes gingen danach noch zu einem Libanesen etwas essen. Ich blieb zuhause, da ich mir vorgenommen habe etwas sparsamer zu leben. Da hier eh schon alles so verdammt teuer ist, möchte ich nicht noch mehr ausgeben, indem ich so oft außerhalb essen gehe. Dafür habe ich vorhin zum ersten Mal seitdem ich hier bin, sehr lange und sehr heiß geduscht. Wahrscheinlich habe ich die Stromkosten dadurch gesprengt, aber dieses Gefühl endlich mal wieder richtig aufgewärmt und sauber zu sein, war es wert! Meine bisherigen Duschgänge wurden nach ein paar Minuten ja zum Horrortrip, weil das Wasser einfach wieder kalt wurde.
Jetzt muss ich mich mal wieder an meine Hebräisch-Hausaufgaben setzen, da morgen um neun der Kurs wieder beginnt. Bis dann!
Sehr interessant deine bisherigen Erlebnisse :) deine Berichte versüßen mir gerade immer die sehr gemütlichen Arbeitstage. Ich frier mir hier gerade auch alles ab weil es diese woche arktische 8 grad hat und die chinesen ja keine heizung oder isolierung kennen.greetings from Hong Kong to Israel, Joshi
AntwortenLöschenHey! Schön zu wissen, dass ich das hier nicht alles umsonst schreibe ;) Das Problem mit den fehlenden Heizungen in den Häusern kennen die Israelis nun auch seit diesem Winter. Ich schätze die mobilen Heizstrahler waren in den letzten Wochen Verkaufsschlager Nr. 1! Greetings back to Hong Kong :)
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