Montag, 17. Februar 2014

Israelische Korrektheit

Heute war ein ziemlich übler Tag. Ich bin jetzt noch ziemlich aufgewühlt und halte es deshalb für das beste, mir meine Wut hier von der Seele zu schreiben, damit ich sie nicht eventuell an meinem unschuldigen Mitbewohner, oder der Katze auslasse - obwohl letztere es eigentlich auch mal verdient hätte...

Aber vorher eine kleine Zusammenfassung der letzten Tage: Gestern hatte ich meinen ersten Kurs an der Uni "The making of Jerusalem", eine Geschichte der Stadt. Noah, die Dozentin hat uns erklärt, dass wir die kommenden Treffen jedes mal an einem anderen Ort in und außerhalb der Stadt abhalten und sie uns vor Ort die Gebäude und Besonderheiten erklärt. Man kann nur hoffen, dass während der kommenden Treffen ein besseres Wetter vorherrschen wird, da es gestern fast den ganzen tag geschüttet hat.
Nach meinem obligatorischen Marktbesuch und einem kleineren Großeinkauf in einem Supermarkt, hab ich mich abends wieder an die Zeichnung gesetzt, die ich am Freitag begonnen habe. Ich kann hier in meinem Zimmer ziemlich gut arbeiten, habe ich festgestellt. Zwar ist mein Arbeitsplatz ziemlich improvisiert - so stehen mein Laptop und die Lampe auf zwei gefundenen Pappkartons und das Brett auf dem ich das Papier aufgezogen habe, war in seinem früheren Leben einmal ein Regalboden, den ich hinter meinem Kleiderschrank gefunden habe, meine Schreibtischplatte biegt sich in der Mitte bedenklich durch, je nachdem wie man auf meinem Stuhl sitzt, sackt das Polster einfach ins Nichts ab und der Abstand zwischen meinem Bett und dem Schreibtisch ist gerade so groß, dass ich mit meinem Stuhl hineinpasse - aber ich hab mich dran gewöhnt.


Gestern abend lief es dann auch tatsächlich so gut, dass ich einfach nicht aufhören wollte und bis morgens um halb 4 Uhr gezeichnet habe. Da ich meinen ersten Kurs heute erst um 14 Uhr hatte, war das aber kein Problem. Bin dann eben erst um halb 12 aufgestanden. Nach der leider mal wieder nur lauwarmen Dusche und einer gefühlt zweistündigen Busfahrt, kam ich, wie immer in letzter Zeit mit ein paar Minuten Verspätung, in dem Raum an, in dem der painting workshop stattfinden sollte, und stellte fest, dass außer mir nur drei weitere Exchange students und eine israelische Studentin dort waren. Nachdem wir eine halbe Stunde auf den Professor warteten, erfuhren wir dann, dass der Kurs dieses Mal ausfiel. Schöner Start. Aber so hatte ich wenigstens noch Zeit meinen Stundenplan bei der Sekretärin zu korrigieren. Um etwas mehr vom Wochenende zu haben, habe ich nämlich beschlossen, den Photography-Kurs am Freitag zu streichen und stattdessen einen weiteren Meeting Point zu besuchen. Da ich praktischerweise das Ladekabel für meine Kamera zuhause vergessen habe, hätte ich sowieso nur mit meiner Handy-Kamera fotografieren können. Die Schmach wollte ich mir aber auch ersparen. Nach dieser Änderung ging ich weiter in das Studentensekretariat, um mir dort Hilfe zu holen, bei dem Antrag für das Semester-Bus-Ticket. Das Mädel dort war zwar nett, aber leider etwas überfordert und so dauerte es auch wieder ewig, bis sie den hebräischen Fragebogen mit mir ausgefüllt hatte und mich dann damit zur Central Station in der Stadt schickte, da ich scheinbar nicht online mit Kreditkarte bezahlen konnte. An besagter Central Station angekommen, musste ich eine Nummer ziehen, und wartete eine weitere Stunde, bis ich dran kam. Wenigstens hatte ich morgens in weiser Voraussicht ein Buch eingepackt. Ich fühlte mich aber entspannt und sicher, da ich ja alle Unterlagen, von der Ausweiskopie, über eine Bescheinigung, dass ich an der Bezalel studiere, bis hin zu dem erwähnten Fragebogen dabei hatte. Leider stellte sich aber schnell heraus, dass es hier in Israel etwas chaotischer zugeht als in Deutschland, was solche Formalitäten angeht. Ich landete schließlich in einem schäbigen Büro, vor der scheinbar einzig englischsprechenden Person, einem furchtbar unfreundlichen, anfang 20-jährigen Mädchen. Ihr englisch beschränkte sich leider auf ca. 5 Wörter, sodass sie einfach, wenn sie nicht weiter wusste, auf hebräisch mit mir weiter sprach, wovon ich ntürlich kein Wort verstand außer "lo" - nein! Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen. Jedenfalls saß ich ewig dort, während sie meine Unterlagen durcheinander warf, alles mögliche von mir haben wollte, obwohl ja alles vor ihr lag, bis sie mir verkündete, dass irgendetwas nicht richtig sei und ich gehen sollte. Ich wurde so wütend in diesem Moment, dass ich, kaum dass ich das Büro verlassen hatte, einfach anfangen musste zu heulen, eben aus Wut über diese Leute, über dieses chaotische System und über die Behauptung aus sämtlichen Reiseführern, dass alle Israelis perfekt englisch sprächen! Der "Türsteher" vor den Büros der Information hatte dann auch scheinbar Mitleid mit mir und begleitete mich noch ein paar Meter mit dem Kommentar "I would like to help you, but I don't speak that good englisch!" Was du nicht sagst... So stand ich also vor Wut und Enttäuschung heulend in dieser schäbigen Station und packte mein Zeug zusammen, als mich ein weiterer Mitarbeiter dieses Saftladens ansprach und sich als sehr besorgter Chef der ganzen Truppe herausstellte. Er hat mich dann wahnsinnig zuvorkommend behandelt, mich zurück zu der Information geschleppt und seiner natürlich alles andere als begeisterten Mitarbeiterin gesagt, sie solle meinen Fall nochmal durchgehen. Es stellte sich heraus, dass das Mädel von dem Studentensekretariat irgendeinen Mist gebaut hatte, beim ausfüllen des Fragebogens und ich deswegen das Ticket nur Cash bezahlen konnte. So führte mich das Mädchen von der Information, auf Anweisung ihres Chefs zum nächsten Geldautomaten, der dann, um dem ganzen die Krone aufzusetzen, meine Karte nicht akzeptierte. Sie rief ihren Chef an und ich erklärte ihm die Lage, da sie mal wieder nicht verstand was los war oder es nicht verstehen wollte. Er gab mir dann seinen Namen und seine Nummer und meinte ich solle es morgen nochmal probieren, ohne eine Nummer zu ziehen in das Büro gehen und wenn etwas sein sollte, ihn anrufen. Das war natürlich wahnsinnig nett, aber trotzdem war mein Tag dann natürlich gelaufen. Ich freue mich schon sehr auf meine neue beste Freundin in der Information morgen...

Heute Abend ist ein Straßenfest in meiner Nachbarschaft, was vom Bus auch sehr vielversprechend aussah, aber ich habe nach dieser Erfahrung leider keinen Nerv mehr für Smalltalk. Also sitze ich hier und werde gleich weiter an meiner Zeichnung arbeiten. Und hoffe inständig, dass morgen alles klappt. Der Automat hier hat mir natürlich ohne Probleme mein Geld ausgespuckt...

1 Kommentar:

  1. Oh no Ines...immer tapfer bleiben! sei froh das du nicht in China bist. Die verstehen garnichts und Höflichkeit kommt in ihrer Erziehung scheinbar nicht vor. Anrempeln und vor die Füße rotzen gehört zur Tagesordnung.

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